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Zeuge der Verkehrsgeschichte: der Bahneinschnitt an der Seebahnstrasse. Bild: JS

Oase über den Gleisen

Von: Jan Strobel

10. März 2021

Ein Verein macht sich für die Überdeckung des Bahneinschnitts an der Seebahnstrasse und die Schaffung eines neuen Stadtparks stark.

Auf der Karte des Kommunalen Richtplans der Stadt Zürich offenbart sich eine kleine Entdeckung in Form eines langgezogenen, grünen Streifens zwischen den Stadtkreisen 4 und 3. Eigentlich befindet sich hier, entlang der Seebahnstrasse, die Trasse des Bahneinschnitts zwischen Hohlstrasse und Bahnhof Wiedikon. Seit 1927 durchschneiden die Gleise das Quartier. Die damalige Tieferlegung der Seebahn löste eine der grössten städtebaulichen Umgestaltungen in der Stadt Zürich aus. Neue Strassenzüge und Wohnsiedlungen konnten nun gebaut werden. Auf dem aktuellen Richtplan indessen ist das historische Gleisbett als «Freiraum mit besonderer Erholungsfunktion» ausgewiesen.

Zu Grunde liegt dem eine städtebauliche Vision: Der fast einen Kilometer lange Bahneinschnitt soll, gleichsam nach dem Prinzip der Autobahneinhausung in Zürich-Schwamendingen, überdeckt werden und auf dem Dach mehrere Quartierparks entstehen als 42 000 Quadratmeter grosser Freiraum. Konkret sieht das Projekt sechs unterschiedlich gestaltete Pärke vor. Unterteilt werden sie durch die heutigen Brücken über die Gleise. Bereits 2017 formierte sich rund um Thomas Brunner, Besitzer des Hotels Greulich im Kreis 4, der Verein Seebahn-Park, der sich für die Realisierung des Plans einsetzt.

Positive Signale
Für den Verein bietet sich mit einem solchen Seebahn-Park eine «einmalige städtebauliche Chance zur Steigerung der Lebensqualität in einem der dichtesten Stadtteile Zürichs». Der heutige Bahneinschnitt sei eine unwirtliche und lärmige Verkehrsschneise, welche die beiden Stadtkreise 3 und 4 trenne. Ein Seebahn-Park würde die über fast 100 Jahre voneinander getrennten Stadtgebiete wieder durchgehend verbinden.

Die angrenzenden Quartiere seien nur ungenügend mit Freiräumen versorgt. Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude Wiedikon soll in diesen Plänen ebenso erhalten bleiben wie die bestehenden Alleen längs der Seebahn- und Hermann-Greulich-Strasse. Für die Realisierung des Projekts rechnet der Verein mit Kosten von rund 300 bis 400 Millionen Franken. Die Finanzierung soll aus verschiedenen Quellen erfolgen, unter anderen durch den kantonalen Mehrwertausgleichsfonds, durch Bund, Stadt, aber auch durch private Stiftungen oder Unternehmen.

Die Idee war auch im Kantonsrat ein Thema. Im Juni reichte GLP-­Kantonsrat Cyrill von Planta zusammen mit Vertretern der Grünen, von SP, FDP und SVP eine Anfrage ein, in welcher der Regierungsrat um eine Stellungnahme und Einschätzung gebeten wurde. Im September schliesslich gab die Antwort des Regierungsrats dem Projekt tatsächlich Rückenwind.

Eine Überdeckung des Bahneinschnitts ermögliche eine zusätzliche Nutzung bereits beanspruchter Flächen und entspreche damit auch dem Anliegen einer haushälterischen Nutzung des Bodens. Unterbrochene Querverbindungen wie Quartierstrassen, Fuss- und Velowege liessen sich so wiederherstellen. Mit einer Überdeckung könnten zudem eine Verminderung der Lärmbelastung wie auch eine Hitzeminderung erreicht werden, so der Regierungsrat.

«Mit diesem Rückenwind des Regierungsrats schmieden wir jetzt an einer Inzidenzanalyse, die dabei helfen soll, die Vor- und Nachteile beim Bau und der Nutzung eines Seebahn-Parks besser beurteilen zu können», sagt Simon Brunner, Vorstandsmitglied des Vereins Seebahn-Park. «Derzeit sind wir auf der Suche nach weiteren Sponsoren für diese Analyse».

Mit eigenen Studien zum Projekt haben sich auch ETH-Studenten für ihre Masterarbeit befasst. Sie kamen darin zum Schluss, dass eine Überdeckung des Seebahn-Grabens grundsätzlich möglich ist, auch wenn das Vorhaben bautechnisch äusserst anspruchsvoll sei.  Studenten der Fachhochschule Ost wiederum beschäftigten sich mit der Frage, wie der Park gestaltet werden könnte.

Positive Signale kommen vor allem von Seiten der Stadtentwicklung. «Grundsätzlich unterstützen wir die Idee eines Seebahn-Parks», sagt Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich. Das Projekt fördere sowohl die Lebensqualität als auch die Schaffung von mehr Grünraum in einem dicht besiedelten Stadtgebiet.

Ob es eine Machbarkeitsstudie zur Überdeckung des Seebahneinschnitts geben wird, sei zurzeit allerdings noch nicht spruchreif, so das Tiefbaudepartement. Für die SBB als Eigentümerin ist eine Überdeckung zwar technisch machbar; eine Kostenbeteiligung schliesst sie aber aus.

Einen Dämpfer musste der Verein hinnehmen: Der Seebahneinschnitt wurde samt Trasse, Böschungen, Stützmauern und Geländer ins Inventar schützenswerter Objekte von überkommunaler Bedeutung aufgenommen. Für Simon Brunner ist das indessen keine Absage an das Park-Projekt. «Es gilt, die Denkmalpflege mit ins Boot zu holen», sagt er. «Einwände wird es natürlich immer geben. Aber es geht hier schliesslich auch um eine Güterabwägung und um die Frage, ob es nicht ein höheres Interesse an einem neuen Stadtpark gibt.»

Die Vision eines überdeckten Bahneinschnitts ist keineswegs neu. Bereits 1956 wurde ein solches Projekt im Gemeinderat vorgeschlagen. Statt eines Parks hätten auf der Überdachung Parkplätze entstehen sollen.

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