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Neuer Fall von Phishing: Dieses Mail erhielt «Tagblatt»-Leserin A. Bild: PD

Online-Betrüger suchen mit neuem Trick Opfer

Von: Sacha Beuth

11. Februar 2020

Mit einer neuen Phishing-Methode versuchen Unbekannte, an private Daten zu gelangen. Die Aufforderung, «eine Paketsendung freizuschalten», erfolgt nicht nur via E-Mail, sondern auch per Anruf. Als Lieferant wird die Swiss Express Services GmbH mit Sitz in Zürich genannt. Doch die ist selbst Opfer der Machenschaften.

Rund zehn Tage ist es her, als «Tagblatt»-Leserin A.* den ominösen Anruf erhielt. «Am anderen Ende war eine Frau, die gebrochen Deutsch sprach. Sie fragte mich, ob ich das E-Mail ihrer Firma Swiss Express Services erhalten hätte. Darin sei ein Link enthalten, den ich unbedingt anklicken müsse, ansonsten würde eine Paketsendung an mich nicht freigeschaltet und somit nicht weitergeleitet. Ich fand dann tatsächlich ein E-Mail von besagter Firma vor. Trotzdem habe ich den Link nicht aktiviert, weil mir die Sache merkwürdig vorkam. So konnte mir die Frau beispielsweise nicht sagen, wer der Absender des Pakets ist. Darum habe ich aufgelegt und mich ans Tagblatt und die Stadtpolizei Zürich gewandt.»

Dort untersucht man das E-Mail und stellt umgehend fest, dass es sich um Phishing handelt, also den Versuch, sich illegal Zugang zu fremden Computern zu verschaffen, um so etwa Bankdaten zu erschleichen. «Diese Methode gibt es schon länger. Neu ist jedoch, dass das Opfer nicht nur über E-Mail, sondern zusätzlich über das Telefon zum Download aufgefordert wird. Wohl um dem Ganzen mehr Seriosität zu verleihen», so Marc Surber, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich.

Doch wie können Phishing-Betrüger eine E-Mail-Adresse der richtigen Telefonnummer zuordnen? «Das ist eigentlich nicht weiter schwer. Die Täter brauchen lediglich etwas Internet-Recherche zu betreiben. Oft finden sich auf persönlichen Homepages sowohl E-Mail-Adresse wie Telefonnummer, insbesondere wenn man Waren oder Dienstleistungen über das Netz vertreibt», erklärt Surber.

Spur führt nach Russland

Weit schwieriger ist es, die Betrüger zu ermitteln. «In der Regel ist die Täterschaft in hohem Mass organisiert und operiert aus verschiedenen, meist entfernten Nationen. Im aktuellen Fall etwa führt die Spur nach Russland. Ebenfalls werden Technologien eingesetzt, welche eine Eruierung der Täter stark erschweren», sagt Surber.

Zwar war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe der Stadtpolizei erst ein solcher Phishing-Fall bekannt. «Doch die Dunkelziffer ist erfahrungsgemäss hoch.» Das bestätigt André Lanhoso Martins Kopelman. Der Deutsche ist Geschäftsführer von Swiss Express Services GmbH, jener Firma mit Sitz in Zürich, die angeblich das vermeintliche Paket versenden sollte. «Ich habe seit Dezember letzten Jahres Anrufe von rund zwei Dutzend Personen erhalten, die wissen wollten, was es mit dem Freischalten des Mails auf sich hat. Dabei habe ich mit der Sache nichts zu tun. Hier missbrauchen Kriminelle den Namen meines Unternehmens.»

*Name der Redaktion bekannt

Wurden Sie auch mit dieser neuen Phish­ing-Methode kontaktiert? Falls ja, melden Sie sich bitte beim nächsten Polizeiposten sowie beim «Tagblatt» unter: echo@tagblattzuerich.ch

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Leserkommentare

Thomas Endrizzi - Ja,so ein Mail habe ich kürzlich erhalten und gelöscht.

Vor 3 Monaten 1 Woche  · 
Noch nicht bewertet.

Tanja Künzler - Danke Sacha, dieses Mail habe ich heute auch erhalten!
Lieber Gruss aus Luzern, Tanja

Vor 2 Monaten 3 Wochen  · 
Noch nicht bewertet.