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Die Leerungszeiten der gelben Briefkästen wurden reduziert. Statt abends werden viele morgens geleert, wie dieser an der Riedhofstrasse in Höngg. Die Post erklärt diesen Schritt mit der sinkenden Briefmenge.

Post leert Briefkästen seltener

Von: Ginger Hebel

10. August 2021

Sparen: Die Post leert viele Briefkästen in den Quartieren nur noch morgens unter der Woche. Das ärgert Zürcherinnen und Zürcher, die A-Post-Briefe zu spät einwerfen. Ein Grund liegt in der drastisch sinkenden Briefmenge. 

Die Geburtstagskarte hätte per A-Post am nächsten Tag bei der Empfängerin im Briefkasten sein sollen. Stattdessen wurde die Post aber erst vier Tage später verteilt. «Das ist ärgerlich», echauffiert sich «Tagblatt»-Leserin Jasmin Brunner. Sie hatte die Karte an einem Freitagnachmittag in den nächstgelegenen Briefkasten an ihrem Wohnort in Höngg geworfen und zu spät gesehen, dass er nur noch montags bis freitags um acht Uhr in der Früh geleert wird. Da die nächste Leerung erst wieder am Montag stattfindet, wird die A-Post folglich am Dienstag zugestellt – «ein Dienstleistungs-Abbau», findet Jasmin Brunner.

Weniger Briefe

Post-Mediensprecherin Silvana Grellmann erklärt auf Anfrage: «Die Menschen versenden immer weniger Briefe, auch die gelben Briefkästen werden immer weniger genutzt. Wir bedauern, wenn Leserinnen und Leser den Entscheid zu den Anpassungen der Leerungszeiten nicht nachvollziehen können. Aber die Post musste reagieren». Allein in den letzten fünf Jahren sei die Briefmenge in den Briefkästen um 25 Prozent eingebrochen. Mit der neuen Ausgangslage habe es für die Post zwei Optionen gegeben; entweder die Anzahl der gelben Briefkästen zu reduzieren oder die Leerungszeiten anzupassen. «Die Post will aber nicht einfach Briefkästen abbauen, sondern den Menschen in der Schweiz kurze Wege bieten», betont Grellmann.

Die Anpassung der Leerungszeiten sei ein Kompromiss, damit die Post Synergien nutzen und das Netz an gelben Briefkästen (481 in der Stadt Zürich) aufrechterhalten werden könne.

Fahrt verursacht Kosten

Die Leerungszeiten variieren von Quartier zu Quartier. So werden beispielsweise an der Militärstrasse und an der Kalkbreite die Briefkästen nach wie vor abends geleert, in Höngg jedoch ist das nicht bei allen Briefkästen der Fall. Wer am Kappenbühlweg oder an der Ackersteinstrasse einen A-Post-Brief einwerfen will, der am nächsten Tag ankommt, muss dies vor acht Uhr morgens tun, an der Riedhofstrasse hat man bis elf Uhr Zeit. Nur beim Frankental wird noch abends geleert, in der Quartier-Postfiliale auch am Wochenende, allerdings liegt diese von der Riedhofstrasse gute zehn Gehminuten entfernt. Bei der älteren Bevölkerung sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität kommt das gar nicht gut an.

Auch in Seebach, Leimbach, Wollishofen oder Witikon wurden die Leerungszeiten angepasst. «Stark frequentierte Briefkästen in urbanen Zentren werden wir nach wie vor möglichst spät und am Sonntag leeren», sagt Silvana Grellmann.

Die Stiftung für Konsumentenschutz ist mit dieser Praxis nicht einverstanden. Die Post brüste sich mit einer hohen Anzahl von schnell erreichbaren, sogenannten Zugangspunkten, sprich Filialen, Agenturen aber auch Briefkästen. «Doch bei genauem Hinschauen entpuppen sich viele dieser Zugangspunkte als quasi unbrauchbar – wie beispielsweise die Briefkästen mit den reduzierten Leerungszeiten», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz.

Seit dem 30. Mai 2021 nehmen die Pöstlerinnen und Pöstler auf ihrer Tour an die Haustüren auch gleich die Post in den gelben Briefkästen mit. Dadurch sind weniger zusätzliche Touren notwendig. «Das ist effizienter, günstiger und letztendlich auch ökologischer», erklärt Silvana Grellmann. Denn: «Jede Fahrt, die zusätzlich für die Leerung eines Briefkastens notwendig ist, verursacht Kosten».

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch

 

 

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