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Elisabetta Spadacini Seiler wurde vor der Liebfrauenkirche von einer vermeintlichen Putzfrau angesprochen: Alles nur ein Trick. Bild: CLA

"Putzfrauen" hauen Zürcher übers Ohr

Von: Clarissa Rohrbach

10. Dezember 2013

Frauen geben sich als Putzfrauen aus, fragen nach einem Darlehen und verschwinden dann mit dem Geld. Leserin Elisabetta Spadacini Seiler wurde beinahe Opfer der Trickdieben.

«Brauchen Sie eine Putzfrau? Ich suche dringend Arbeit.» Die junge Frau kam aus der Liebfrauenkirche und sprach Elisabetta Spadacini Seiler mit grossen, bittenden Augen an. «Sie wirkte ganz bescheiden, sprach perfektes Deutsch und hatte ein gepflegtes Äusseres», erzählt die «Tagblatt»-Leserin. Sie wäre nie auf die Idee gekommen, dass dahinter ein Gaunertrick stecken könnte. Als sie aber abwinkte, fing das Drama erst recht an. Sie sei mit zwei Monatsmieten im Verzug, habe kein Geld für die Windeln ihrer zwei Kinder, ihr Mann habe sie verlassen, es könne doch jedem so ergehen, ob sie das nicht verstehe. Eine ganze Viertelstunde hörte Spadacini der Bettelnden zu, ihr Mitleid wuchs und wuchs. Sie erkundigte sich nach der Adresse der «armen» Frau, fest entschlossen zu helfen. Doch die wollte sie nicht herausrücken, sie werde sonst ausgeschafft, meinte sie und klagte weiter: «Bitte helfen Sie mir, bitte!» Schliesslich gab ihr die ehemalige Lehrerin ein 50-Franken-Nötli. «Sie packte das Geld, drehte sich um und – schwups – eilte weg, fast ein wenig beleidigt, dass ich so wenig gegeben hatte.»

Vor ein paar Wochen schöpfte unsere Leserin dann Verdacht. Sie wurde nämlich wieder angesprochen, wieder vor einem Gotteshaus, diesmal der Erlöserkirche. «Die Frau trug ein Hütchen, Mäntelchen und Stiefelchen, auch dieses Mal sah die ‘Hilfsbedürftige’ piekfein aus.» In scheuem Ton fragte die junge Dame, ob eine Putzfrau gesucht werde. Da hatte Spadacini ein Aha-Erlebnis: «Das habe ich schon einmal erlebt», meinte sie. Schon wieder liess die angebliche Putzfrau nicht locker: «Bitte seien Sie nicht wütend, aber ich brauche etwas Geld, um zu essen.» Darauf drehte ihr Spadacini den Rücken zu und lief ungläubig davon. «Die Frauen präsentieren sich gepflegt und anständig, so hört man ihnen zu und ahnt nichts Böses.»

Der Polizei ist die Masche bekannt. «Die Täterschaft kommt meistens aus Osteuropa», sagt Sprecher Marco Bisa. Ihr Ziel sei es tatsächlich, eine Stelle als Hilfskraft zu finden. Danach versuchten sie, Geld auszuleihen. Sobald sie dieses in der Tasche hätten, verschwänden sie. «Mehrere Anzeigen sind wegen diesen Darlehensbetrüge bei uns eingegangen», so Bisa.

Auch Josef Karber, Pfarrer an der Liebfrauenkirche, kennt das Problem. «Solche Fälle gibt es immer wieder. Menschen in Not bieten nach dem Gottesdienst ihre Dienste im Haushalt an.» Er rät, ihnen kein Geld zu geben. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wollten sie mit den mitleiderregenden Geschichten schnell zu Barem kommen. Doch Pfarrer Karber geht von einer echten Not der Bettelnden aus. Denn auch wenn eine kriminelle Organisation dahinterstecke, müssten die Frauen an der Front das Geld wohl wieder abgeben und in schlechten Verhältnissen leben.

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Leserkommentare

Susanne Reich - Traurig, dass so die Hilfsbereitschaft ehrlicher und mitfühlender Leute schamlos ausgenutzt wird. Ob diese Frauen im Endeffekt auch Opfer sind, sie tragen einen Teil der Mit-Verantwortung. Man muss solche Machenschaften relativ hart bestrafen, ansonsten werden
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