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Viele schwule Paare fühlen sich auch in Zürich nicht überall sicher. Bild: iStock

Regenbogen mit Schatten

Von: Jan Strobel

14. Januar 2020

Attacken gegen Homosexuelle in Zürich machten vergangenes Jahr Schlagzeilen. Über die Herkunft der Täter werde dabei viel zu wenig gesprochen, lautet ein Vorwurf.  

Für die Zürcher LGBT-Community war das vergangene Jahr durchzogen mit homophoben Übergriffen, die in ihrer Häufigkeit beunruhigten. Im Mai kam es beim Lochergut zu einem Angriff auf einen Infostand zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie. Im Juni wurde ein schwules Paar auf dem nächtlichen Heimweg im Kreis 3 von Jugendlichen attackiert und zusammengeschlagen. Im September wiederum wurde ein küssendes Paar auf dem Hirschenplatz angegriffen, die Opfer mussten mit Kopfverletzungen ins Spital gebracht werden. Zuletzt kam es in der Silvesternacht auf dem Zähringerplatz zu einer Attacke gegen ein schwules Paar.

Just in diese Zeit fällt nun am 9. Februar die eidgenössische Volksabstimmung über das Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. Heute schützt das Strafrecht die Menschen in der Schweiz vor Diskriminierung wegen der Rasse, der Religion oder der Ethnie. Bundesrat und Parlament wollen nun die Anti-Rassismus-Strafnorm ausweiten und verbieten, auch Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren. Die Meinungsfreiheit werde dadurch nicht verletzt. Genau diesen Punkt allerdings lässt das gegnerische Referendumskomitee «Sonderrecht Nein!» nicht gelten. Die neue Regelung würde im Gegenteil die Meinungsfreiheit einschränken. Diskriminierung und Hass seien zudem bereits heute strafbar. Im Komitee engagieren sich insbesondere auch Homosexuelle, welche einen gesetzlichen Sonderschutz ablehnen. Ein solcher würde der Gleichberechtigung von Homo- und Bisexuellen zuwiderlaufen. Hass und Hetze liessen sich per Gesetz nicht aus der Welt schaffen. Dem Komitee gehören unter anderen Unterstützer aus den Reihen der FDP, CVP, liberalen Kreisen und der SVP an.

«Schulen sind gefordert»
Statistische Daten, welche das Ausmass an homophob motivierten Übergriffen erfassen, gibt es derzeit in der Schweiz nicht. Eine polizeiliche Erfassung wird von LGBT-Organisationen indessen schon länger gefordert. Einen Eindruck verschaffte das Projekt «Hate Crime», das zwischen November 2016 und Dezember 2017 insgesamt 95 homo-, bi- oder transphob motivierte Vorfälle erfasste.

Im Durchschnitt waren das fast zwei gemeldete Fälle pro Woche. Die Dunkelziffer schätzt die Organisation Pink Cross allerdings höher.  Zahlen für das vergangene Jahr werden derzeit noch ausgewertet.

Ein Thema, das in der Diskussion immer wieder am Rand aufblitzt, ist der Hintergrund der Täter. Häufig seien sie, so Aussagen von Opfern, ausländischer Herkunft. Auch Tarek H., der in Zürich lebt und seinen Namen nicht in der Zeitung gedruckt sehen möchte, teilt diese Annahme. Er selbst ist homosexuell und war in seiner früheren Heimat Syrien massivster Diskriminierung ausgesetzt.

«In der aktuellen Homophobie-Debatte wird die kulturell-gesellschaftliche Dimension viel zu wenig berücksichtigt oder nur ungern thematisiert aus Angst vor Rassismus», ist er überzeugt. Aber gerade Zuwanderer brächten oft Wertvorstellungen mit, die mit der westlichen Toleranz nicht vereinbar seien. «Schwulenhass gehört in meiner Heimat schlicht zum Alltag, diese Vorstellungen werden nicht einfach abgelegt, wenn Zuwanderer, besonders Jugendliche und junge Erwachsene, in die Schweiz kommen und sich hier niederlassen.»

Die These war in der Vergangenheit bereits Gegenstand wissenschaftlicher Studien, die allerdings zu einander widersprechenden Befunden kamen.

«Keine einzige der Straftaten der letzten Wochen und Monate hatte meiner Ansicht nach mit kürzlich zugewanderten Personen zu tun», meint dazu SP-Gemeinderat Alan David Sangines, der sich stark für die Rechte von LGBT-Menschen einsetzt. Der Migrationshintergrund sei durchaus ein Thema, «aber da ist die Schule wesentlich geforderter, denn diese jungen Täter wachsen meist hier auf», so Sangines.

Grundsätzlich sei eine Fokussierung der Diskussion auf einen Migrationshintergrund der Täter kompliziert: «Einerseits, weil von rechts schnell wieder Hass geschürt wird und einfache Lösungen präsentiert werden mit den üblichen Sündenböcken – den bösen Ausländern. Andererseits aber auch, weil es meiner Ansicht nach durchaus zutrifft, dass Leute aus patriarchalen Staaten und mit konservativem Gedankengut null Akzeptanz mit- und zumindest zu Beginn nicht aufbringen», so Sangines. «Man sollte wesentlich mehr und umfassender integrieren. Gleich zu Beginn nach der Einwanderung in unser Land sollen Integrations- und Aufklärungskurse erfolgen.»

Auch Gemeinderat Sangines fordert zudem neben einem Diskriminierungsschutz eine statistische Erfassung von Straftaten gegen sexuelle Minderheiten.

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Leserkommentare

Thomas Schwarzenbach - In den Schulen muss dieses Thema mehr präsent sein. Deshalb ein klares ja am 9. Februar damit auch wir geschützt werden

Vor 1 Woche 5 Tagen  · 
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