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Klassisches Ärgernis für Velofahrer im Winter: Der Gehweg und die Strasse sind geräumt. Dafür liegt der ganze Schnee auf dem Veloweg. Im Bild: Die Winterthurerstrasse. Bild: Dave Durner

Schnee begräbt Velowege unter sich

Von: Stine Wetzel

19. Dezember 2017

Sobald es in Zürich schneit, sind die meisten Velowege unbrauchbar. Vom Winterdienst werden sie sogar als Schneedepots benützt.

Wenn es in Kopenhagen schneit, dann räumt die Stadtreinigung zuallererst die Velowege frei. Davon können die Zürcher Velofahrer nur träumen. Als der erste starke Schneefall über Zürich niederging, tauchten Schneemeldungen auf der Mängelplattform «Züri wie neu» auf: Der Veloweg auf der Europabrücke sei wegen «unsachgemässer Schneeräumung» nicht befahrbar – auf den Velowegen bei der Unterführung Seestrasse zum Mythenquai und zwischen Roter Fabrik und Hafen Enge das Gleiche. Jeden Winter blieben hier Schneehaufen liegen und vereisten die Velospur. Auch im sozialen Netzwerk Facebook überschlugen sich die Velofahrer mit Klagen über den Winterdienst: darüber, dass die Velorouten links liegen gelassen würden und der Schneepflug den Schnee von den Gehwegen und den Strassen auf die Velowege schiebe. Von einer Stadt, die sich «Velostadt» nennen will, erwarte man etwas anderes.

Die städtische Abteilung Entsorgung + Recycling (ERZ) sei sich der Problematik bewusst, so Sprecherin Leta Filli. «Die Ressourcen sind bei heftigen Schneefällen limitiert.» Schliesslich müssen sich die 230 Mitarbeiter auch noch um 740 Kilometer Strassennetz, 1080 Kilometer Gehwege, 450 VBZ-Haltestellen und mehrere Hundert Zebrastreifen kümmern. «Es muss gar nicht jeder einzelne Weg geräumt sein, aber wichtige Korridore sollten freigehalten werden», findet Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo Zürich. Der Idealfall für ihn: freie Fahrt, drei Stunden nach dem letzten Schneefall. «Davon sind wir in Zürich aber weit entfernt. Dabei gibt es viele, die auch bei Minusgraden aufs Velo steigen, und es wären dreimal mehr, wenn die Wege besser geräumt wären.» Das Problem: Veloweg und Entwässerung der Strasse befinden sich oft an derselben Stelle. «Somit bleibt der Konflikt, dass ein Teil des Velowegs als Schneedepot benützt werden muss», sagt ERZ-Sprecherin Filli.

Gefährliche Übergänge

2012 bekam Pro Velo Zürich vom Tiefbauamt den Auftrag, mit der Abteilung ERZ ein Konzept zur Schneeräumung der Velowege anzuschauen. «Ich habe nicht den Eindruck, dass seither etwas passiert ist», sagt Durner. Leta Filli bestätigt, dass ein Schneeräumungskonzept für die Radrouten existiert. «Velowege können nicht alle in erster Priorität geräumt werden, das ist aber bei den anderen Strassen- und Gehwegkategorien nicht anders.» Welche Wege erste Priorität haben müssen, ist schweizweit vorgegeben. Auch stark frequentierte Fahrradwege fallen darunter. In Zürich sind das etwa die Badener-, die Scheuchzerstrasse und die Velowege rund um den Hauptbahnhof.

Durner von Pro Velo ärgert sich vor allem über die schlecht geräumten Übergänge von Kreuzungen auf Velowege. «Das kann ziemlich gefährlich werden.» Auch Filli von ERZ bezeichnet die Übergänge als die «grösste Herausforderung». «Durch verschiedene Einsatzkräfte können dort neue Schneemaden entstehen. Diese Übergänge müssen manuell bereinigt werden, und das ist aus Ressourcengründen oft nicht am selben Tag möglich.» Dave Durner hat Verständnis: «Schon klar: Wo soll man mit dem ganzen Schnee auch hin, wenn es viel schneit.» An solchen Tagen sollte es möglich sein, auf die Fahrbahn auszuweichen, findet er. «Aber dass die Autofahrer da cool bleiben, ist erfahrungsgemäss zu viel verlangt.»

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Leserkommentare

Andreas Diethelm - Velowege (und Strassen) vereisen oft, weil zuvor ein Salzmatsch angerichtet wurde. Dass die Velowege Matschdepot (von Schnee zu reden ist Beschönigung) dienen, zeigt die Einstellung der Winterdienste diesem Verkehrsmittel gegenüber. Mit Salz kann man an exponierten
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