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In Zürich sind homosexuelle Flüchtlinge im Asylverfahren mit Problemen konfrontiert. Homosexualität wird kaum als Fluchtgrund anerkannt. Symbolbild: PD

Separate Unterkünfte für schwule Flüchtlinge?

Von: Jan Strobel

28. November 2017

Ein Vorstoss der SP fordert, homosexuelle und Transgender-Flüchtlinge zu ihrem Schutz in Wohnungen ausserhalb der Asylzentren unterzubringen. Die Mehrheit im Gemeinderat stimmte dem zu. Die SVP findet, es gebe wichtigere Probleme zu lösen.

Die Flüchtlinge und Zuwanderer, die im Zug der Migrationsströme nach Europa gelangen, bringen auch die gesellschaftlichen Probleme und Wertvorstellungen ihrer Heimatländer mit. Eine Gruppe, die seit jüngster Zeit vermehrt zu einem Thema in der Einwanderungspolitik geworden ist, sind homosexuelle und Transgender-Flüchtlinge, die hier Schutz vor ­Verfolgung suchen. In ihren Heimatländern wird Homosexualität kriminalisiert; es droht eine Gefängnisstrafe oder, wie im Fall des Iran, die Todesstrafe. Die Angst, im homophoben Alltagsleben oder familiären Umfeld als Homosexueller «aufzufliegen», bestimmt das Leben.

Nun hat sich vergangene Woche auch der Zürcher Gemeinderat des Themas angenommen. Behandelt wurde das Postulat der beiden SP-Gemeinderäte Alan David Sangines und Marco Denoth. Sie fordern die Unterbringung von homosexuellen und Transgender-Geflüchteten in ­separaten Asylunterkünften. Denn Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität flüchten, seien auch in der Schweiz mit vielfältigen Problemen konfrontiert, so die Postulanten. «Das fängt schon bei der ersten Befragung in den Empfangszentren des Bundes an, wo sie vor einer Behörde erklären müssen, warum sie geflüchtet sind. Das erste Mal müssen sie über ihre zuvor völlig tabuisierte sexuelle Orientierung reden», erklärt Sangines. Die Odyssee gehe in den Asylunterkünften weiter, wo sie mit Menschen platziert würden, welche die homophobe Kultur aus der Heimat mit­gebracht hätten.

«Wir müssen homosexuelle und Transgender-Geflüchteten Schutz bieten», fordert deshalb Sangines, ähnlich, wie das bei anderen besonders verletzlichen Gruppen schon jetzt der Fall sei. «Denkbar wären Wohngemeinschaften als sichere Rückzugsorte ausserhalb der Asylzentren. Es braucht eine unbürokratische, praktikable Lösung.» Das sah auch die Mehrheit im Gemeinderat so.

SVP lehnt Vorstoss ab
Das Postulat wurde dem Stadtrat zur Prüfung überwiesen. «Ich erwarte jetzt von der Stadt, dass sie rasch handelt», stellt Sangines klar. Während sich FDP und GLP enthielten, lehnte die SVP den Vorstoss klar ab. «Die Missstände im Asylbereich liegen woanders», ist SVP-Gemeinderat Samuel Balsiger überzeugt. «Eine Lösung für ein Problem finden zu wollen, das kaum existiert, ist Klamauk.» Der Vorstoss offenbare jedoch ein echtes Problem, vor dem die Kritiker des Asylwesens seit langem warnen würden: «Es kommen Personen zu uns, die äusserst intolerant gegenüber der westlichen Lebensart sind. Die islamistische Bedrohung ist ein Beispiel. Anstatt Klamauk zu veranstalten, sollte zum Schutz von uns allen der unberechtigte Zustrom über das Asylwesen unterbunden werden», so Balsiger.

Separate Unterkünfte für homosexuelle Geflüchtete wurden seit 2016 bereits in verschiedenen deutschen Städten wie Nürnberg, Berlin, München oder Köln eingerichtet.

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echo@tagblattzuerich.ch

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Leserkommentare

Heidi A. Fassbind - Es ist sicher richtig, dass man das Problem angehen muss, dass Leute mit einer ganz anderen Lebensart zu uns kommen. Dass sie gegenüber unseren Moralvorstellungen intolerant sind. Aber deswegen das Postulat, Homosexuelle separat unterzubringen, als "Klamauk"
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