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Zürcher Taxifahrer sind sauer auf Uber. Bild: Keystone

Taxifahrer kurz vor dem Aufstand

Von: Clarissa Rohrbach

21. März 2017

Wegen Uber fürchten immer mehr Zürcher Taxifahrer um ihre Existenz. Mit der eigenen App «Taxi-Live» wollen sie dies nun ändern.

«Wir sind am Anschlag, und es ist allen egal!» Christof Zellwegers Stimme zittert. Wenn es um Uber geht, fällt es ihm schwer, sachlich zu bleiben. Wegen des US-Fahrdienstvermittlers sei der Umsatz der Taxifahrer um 50 Prozent eingebrochen. Viele könnten ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, seien auf Sozialhilfe angewiesen. «Wenn es so weitergeht, wird es einen Aufstand geben», sagt der Vorstand der Taxisektion Zürich. Die Wut der Taxifahrer zeigte sich bereits vor drei Wochen, als rund zehn Chauffeure einen Uber-Fahrer beim Kaufleuten einkesselten. Sie schrien, zeigten den Mittelfinger, schlugen auf die Scheibe, bis die Polizei eingriff.

Laut Zellweger ist es dringend nötig, die Kundschaft aufzuklären. «Leute, die Uber bestellen, müssen verstehen, wie katastrophal sich ihre Wahl auf uns auswirkt.» Es seien vor allem Junge, die nach dem Ausgang mit Uber fahren würden. Im Grossraum Zürich bedienen rund 1000 Wagen 100 000 Kunden. Pro Kilometer kostet der Dienst 1.60 Franken. Im Vergleich: Ein herkömmliches Taxi kostet 5 Franken pro Kilometer. Die tiefen Preise sind möglich, weil der Anbieter weder Sozial­abgaben noch Mehrwertsteuer bezahlt.

Mit dem Argument, dass Uber das Gesetz breche, protestierten Taxifahrer und Gewerkschaften bereits letztes Jahr. Sie forderten ein Verbot. «Doch die Politiker schauen einfach zu», regt sich Zellweger auf. Die Taxisektion hat sich darauf schriftlich an Sicherheitsvorsteher Richard Wolff gewandt. Die Forderung: mehr polizeiliche Kontrolle. Denn vor allem Uber-Pop-Fahrer seien oft Private, die keinen gültigen Fahrausweis zur Personenbeförderung besitzen. Doch die Polizei begrenzt sich auf normale Verkehrskontrollen. Letztes Jahr sind in diesem Rahmen 70 Uber-Fahrer verzeigt worden, teilt sie auf Anfrage mit. Zu wenig, meint Zellweger.

Die Gewerkschaft Unia fordert sogar eine Strafverfolgung von Uber. «Uber ist klar illegal», sagt der Transportverantwortliche Roman Künzler. Mit Schein-Selbstständigkeit setze die Firma in Wahrheit auf Schwarzarbeit und fördere systematisch den illegalen Personentransport.

Mit Uber arbeiten?
Uber weist die Vorwürfe von sich. Man sei eine Vermittlungsplattform, kein Arbeitgeber. General Manager Rasoul Jalali versteht allerdings die Bedenken der Taxifahrer. «Die Taxibranche ist seit einem halben Jahrhundert frei von Innovationen, jetzt gibt es plötzlich eine Alternative.» Er fordert die Taxifahrer auf, Uber zu nutzen, um ihre Standzeiten zu verkürzen und am Ende des Tages mehr Geld in der Tasche zu haben. «Die Realität ist, dass die Taxifahrer, die mit uns zusammenarbeiten, mehr verdienen als vorher.»

App soll Taxifahrer retten
Die neue App Taxi Live soll nun helfen, wo keiner hilft. Im Gegensatz zur App Go!, die nur Taxis 7×7 vermittelt, soll die Zürcher App den Fahrern dienen, die an keine Zentrale angeschlossen sind. Pro Kilometer bezahlt der Kunde 3 Franken. «Das ist nahe der Schmerzgrenze, aber so könnten wir überleben», meint Zellweger.

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Leserkommentare

Peter Grelling - Die heutige Haltung der Stadt Zürich in Bezug auf das Taxiwesens ist nur Schutz der Unternehmer. Die Verantwortlichen für eine gute Dienstleistung, die Taxifahrer, können heute nur durch Frechheit, Illegalität oder mit dem Sozialamt überlebenden. Jeder
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Vor 3 Jahren 3 Monaten  · 
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