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«Tschüss Dicker»: Daniel Heese verabschiedet sich von seinem Liebling. Bild: NDR / Andreas Hohn

Wie ein Dickhäuter aus dem Norden nach Zürich reist

Von: Sacha Beuth

03. August 2021

SCHWERTRANSPORT Schon vor Monaten wurde es angekündigt, am Montag war es endlich so weit: Der Nashorn-Bulle Kimba verliess nach einer relativ problemlosen Verladeaktion den Zoo in Schwerin, um im Tiergarten auf dem Zürichberg eine neue Heimat zu finden. Hier soll er nicht nur ebenfalls zum Besucherliebling mutieren, sondern endlich auch seinen Pflichten zur Erhaltung seiner Art nachkommen.

Als stellvertretender Revierleiter im Zoo Schwerin ist Daniel Heese ein Kommen und Gehen von Pfleglingen an sich gewohnt. Und doch wirkt seine Stimme etwas belegt, als er für den NDR über Breitmaulnashorn Kimba und dessen Umzug in den Zoo Zürich spricht: «Seit er im Alter von rund drei Jahren vom Zoo im französischen Lille zu uns kam, habe ich ihn sehr lieb gewonnen. Sein Abschied geht mir nahe und macht mich traurig». Heese ist damit nicht der Einzige. Während seiner Zeit im Tiergarten der nordostdeutschen Stadt hat sich Kimba zu einem der Besucherlieblinge entwickelt. Trotz oder gerade wegen seiner behäbigen Art. «Er ist ein ziemlich ruhiger Bulle, lässt sich gerne am Bauch kraulen und war auch zu unseren beiden Nashorndamen sehr sanft.» Was aber vielleicht von diesen nicht so geschätzt wurde und eine Ursache dafür ist, dass Kimba auf den Zürichberg umziehen muss. Denn alle Betörungs- und Begattungsversuche Kimbas blieben folgenlos. Im Zoo Zürich soll sich nun zeigen, ob der 12-jährige Kimba tatsächlich zeugungsunfähig ist oder ob Umgebung und Partnerinnen einfach nicht die Richtigen waren und der Bulle doch noch seinen Mann stehen und zur Erhaltung seiner bedrohten Art beitragen kann.

Ein Apfel zum Abschied

Am Montag startete kurz nach 11 Uhr der Umzug, dem eine längere und intensive Vorbereitungsphase vorangegangen war. Über mehrere Wochen hatte Heese mit Kimba geübt, ihm auf Kommando zu folgen. Geschickt manövrierte der Pfleger dabei das Tier mit Hilfe von vegetarischen «Leckerlis» als Belohnung durch das Innengehege in die Transportbox. «Der Dicke hat dabei immer super mitgemacht», lobt Heese. Auch am Abreisetag trottet Kimba ohne grössere Umschweife in die riesige Kiste. Während er sich genüsslich die Äpfel schmecken lässt, die ihm Heese zum Abschied zusteckt, werden vorne und hinten die Klappen der Box verriegelt. Trotzdem verzögert sich der Abtransport. «Schuld» ist der Spezialkran, der jeweils zwei statt eine Etappe benötigt, bis er die Transportbox vom Sattelschlepper zum Gehege und wieder zurückbefördern kann. Kurz vor 14.30 Uhr fährt der LKW mit Kimba an Bord aber endlich los Richtung Süden. Vorerst allerdings nur bis Kronberg. Im dortigen Opel-Zoo macht der Tross einen Zwischenhalt über Nacht, was nicht nur dem Tier, sondern auch den Transporteuren eine willkommene Ruhepause verschafft. Am Dienstagmorgen geht es dann weiter nach Zürich, wo der graue, über zwei Tonnen schwere Koloss am späteren Nachmittag oder Abend eintreffen sollte beziehungsweise eingetroffen ist (Die Ankunft fand nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe statt, die Red). Den Blicken der Zoobesucher wird Kimba allerdings noch einige Zeit vorenthalten werden. Denn aus veterinärmedizinischen Gründen müssen tierische Neuzuzüger erst mehrere Wochen in Quarantäne. Und somit muss sich auch Kimba noch etwas gedulden, bis er sein neues Zuhause, die Lewa-Savanne, und seine neuen «Lebensabschnittspartnerinnen» kennenlernen darf.

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