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Am vergangenen Samstag kämpfte die Feuerwehr gegen die völlige Zerstörung der Häuser. Bilder: Baugeschichtliches Archiv Zürich/SRF

Zürcher Brandwunde

Von: Jan Strobel und Stine Wetzel

28. August 2018

Mit den Geschäftsgebäuden am Bahnhofquai ist ein städtebaulich bedeutender Markstein in Flammen aufgegangen. Der Schaden geht in die Millionen. Die Brandermittler haben noch keinen Zugang zur Ruine.

Die enormen Schäden, welche der Grossbrand vom vergangenen Samstag am Bahnhofquai anrichtete, lassen sich in ihrem Ausmass bisher nur im Ansatz einschätzen. Im Einsatz standen neben der Berufs- und Milizfeuerwehr Zürich sowie Schutz & Rettung auch die Stützpunktfeuerwehren von Wallisellen und Kloten. Hinzu kamen Polizei, Elektrizitätswerk und Verkehrsbetriebe. Innert kurzer Zeit gingen bei der Polizei über 50 Notrufe ein. Ein Polizist erlitt beim Einsatz ein Hörtrauma. In der Nacht auf Dienstag ist nun erneut Rauch in der Brandruine aufgestiegen. Die Feuerwehr musste ausrücken. Die Stadtpolizei bestätigte einen Mottbrand. Zur Brandursache vom Samstag gebe es derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse, so Marco Cortesi von der Stadtpolizei. «Die Gebäude sind in einem derart schlechten Zustand, dass im Moment auch die Brandermittler keinen Zugang haben.»  

2017 begann die Liegenschaftenbesitzerin PSP Swiss Property mit dem gross angelegten Umbauprojekt «Bahnhofquai/-Platz». Bis Ende 2019 hätten die Liegenschaften Bahnhofplatz 1, Bahnhofquai 9, 11 und 15 für 55 Millionen Franken totalsaniert werden sollen. 

Wie eine Rekonstruktion bzw. ein Neuaufbau nach dem verheerenden Brand aussehen wird, scheint derzeit unklar. Ein vollständiger Abriss der prominenten Häuserzeile komme gemäss NZZ jedoch für das Amt für Städtebau nicht infrage. Die Geschichte der Häuser geht auf das Jahr 1894 zurück. Das damals neue Geschäftshaus mit der prachtvollen Fassade und den Ziertürmchen auf dem Dach verlieh dem Bahnhofplatz den nötigen grossstädtischen, repräsentativen Anstrich. In einem Teil des Häuserblocks am Bahnhofplatz befand sich das Grand Café Du Nord, die heutige Newsbar mit dem Restaurant Au Gratin. Dieser Trakt des Gebäudes blieb vom Feuer verschont. 

In dem vom Brand zerstörten Teil, zum Beispiel am Bahnhofplatz 1, befand sich zuerst die Handelsbank, später das Tea Room Ernst und im ersten Stock  das Pelzgeschäft Rosenfeld. In den 1970er-Jahren erregte der «Trend Shop» der Modefirma Krause-Senn mit neuster Londoner Mode und schrägen Künstler-Happenings für Aufsehen. Schliesslich eröffnete die US-amerikanische Fastfoodkette Pizza Hut eine Filiale, die 2005 wiederum vom Apple-Händler Data Quest abgelöst wurde. 

Zürcher Institution
Am Bahnhofquai 15 wiederum befand sich mit dem Restaurant Schützengarten eine Institution der Zürcher Gastrolandschaft mit grossem Speisesaal und Gesellschaftszimmer. 1986 verwandelte Gastrounternehmer Martin Candrian den Schützengarten in das Trendlokal The Pub mit der längsten Bartheke der Stadt. Damals befand sich die Liegenschaft im Besitz der Brauerei Hürlimann. 1997 wurde aus dem Pub das Speise- und Tanzlokal Colonial. 2008 zog mit dem Amber der nächste Ausgehschuppen am Bahnhofquai ein. 

Das Bild zeigt die vom Grossbrand betroffenen Liegenschaften am Bahnhofquai im Jahr 1972.

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Leserkommentare

Esther Leibundgut - Bei solch denkmalgeschützten Häusern, habe ich das ungute Gefühl, dass es brennen musste. Zu deutsch, warm abgebrochen. Jetzt ist der Weg frei, ein supermodernes Gebäude an bester Lage aufzustellen, ohne die Auflagen der Denkmalpflege. Mir blutet das Herz.

Vor 1 Jahr 10 Monaten  · 
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