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Zürcher verschenken Möbel auf der Strasse

Von: Clarissa Rohrbach

27. Dezember 2016

Junge stellen ihre alten Sachen für den Nächsten auf die Strasse. Laut Behörden meiden sie die Verantwortung. Schnäppchenjäger hingegen freuts.

«Zum Mitnehmen». Arianne Kunz klebt den Zettel sorgfältig auf ihren alten Polstersessel. Darauf legt sie Bücher und einen Schal. Die 25-Jährige aus Wiedikon stellt immer wieder ihre gebrauchten Sachen auf die Strasse, in der Hoffnung, dass sie jemand mitnimmt und ihnen ein neues Leben schenkt. «Das ist kein Abfall, es sind schöne Sachen, die jemand anderes gebrauchen kann», meint Kunz. Teilen sei in Mode, viele junge Zürcher in ihrem Umfeld würden es ihr gleichtun. Vor allem in der Innenstadt finde man Gratismöbel auf dem Trottoir. Meistens verschwinden sie noch am selben Tag.

«Seine noch brauchbaren Sachen zu verschenken, damit sie weiterverwendet werden, ist grundsätzlich ein guter Gedanke», sagt Leta Filli, Sprecherin von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ). Doch was gut gemeint ist, kann schnell illegal werden. Holt man seine Sachen abends wieder ins Haus, ist alles in Ordnung, lässt man sie hingegen draussen stehen, macht man sich der «Verschmutzung des öffentlichen Raumes» schuldig. Wer erwischt wird – im Schnitt sind das 20 Prozent – bekommt eine Busse von 150 Franken, im wiederholten Fall ist der Betrag vierstellig. «Einige wissen es nicht besser», meint Filli, «aber die meisten wollen die Verantwortung und den Aufwand für die Entsorgung nicht wahrnehmen.»Der Kontrolldienst des ERZ patrouilliere täglich durch die Strassen und nehme Sachen, die auf dem Trottoir stehen, mit. «Rund 97 Prozent der Bevölkerung entsorgt richtig und hat darum eine saubere Stadt verdient.»

«Zu hohl, um zu entsorgen»
Nicht selten sind es verärgerte korrekt Entsorgende, die der Stadt melden, dass Sperrgut vor dem Haus stehe. So macht ein User seiner Wut auf der Facebook-Seite der Stadt Luft. «Es ist eine absolute Sauerei, was am Hegianwandweg abfallmässig abgeht!» Dort stünden einfach Stühle, Lampen und Betten. Entweder seien die Menschen zu «hohl», um richtig zu entsorgen, oder es interessiere sie «keinen Dreck».

Doch es gibt auch andere, die dankbar für die Trouvaillen sind.  Die Unterstrasserin Alessandra Ruggieri De Micheli sammelt schon seit Jahren Sachen von der Strasse. «Mir gefallen gebrauchte Gegenstände, sie tragen eine Geschichte in sich.» Die 35-Jährige hat bereits eine Biedermeiervitrine, einen Staubsauger, verschiedene Blumentöpfe und eine Stahlpfanne in ihren Haushalt geholt – alles mit einem gewissen Charme. Für sie ist es richtig, dass noch Verwendbares weitergegeben wird. «Wir  kaufen ohnehin viel zu viel neue, billig produzierte Ware.» Geschenkte Dinge auf der Strasse, das sei ein Akt gegen die allgemeine Verschwendung.

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