mobile Navigation

Porträt

Peter von Grebel machte 1955 zum ersten Mal beim Sechseläuten mit. Bild: zVg

Als Zünfter geboren

Von: Clarissa Rohrbach

28. März 2017

Peter von Grebel ist von Kindesbeinen an bei der Zunft zur Saffran. Vor rund 60 Jahren ritt er zum ersten Mal um den Böögg.

Peter von Grebel hielt sich die Ohren zu. Man hatte ihm gesagt, dass der Knall furchtbar laut sei. Während die Pferde um den brennenden Böögg galoppierten, stand der 7-Jährige stramm am Sechseläutenplatz. An seiner Uniform leuchteten die Knöpfe golden, auf dem Kopf trug er einen Dreispitz. Das Kostüm hatte er von seinem Vater, der es wiederum von seinem Grossvater geerbt hatte. Das war 1955, von Grebels erstes Sechseläuten. 

Heute ist von Grebel 70 Jahre alt. Er sitzt in der Zunftstube am Limmatquai, trägt einen dunkelblauen Anzug und meint: «Ich bin in die Zunft hineingeboren, ich kenne nichts anderes.»  Die Grebels seien seit Jahrhunderten Zünfter, zuletzt in der Zunft zur Saffran. Er erzählt von 1336, als sich eine Handvoll gleichgesinnter Händler zusammentat, um ihre Interessen zu vertreten. Und davon, wie dank Hans Waldmann seine Ahnen im kleinen Rat sassen. «Zünfter sein heisst für mich, die Tradition pflegen und weiterzugeben.» Das Kostüm von diesem ersten Tag, als ihn der Knall mit Angst erfüllte, hat er seinem Sohn gegeben, der es seinem Sohn geben wird.

Gelassene Pferde

Von Grebel erinnert sich daran, wie damals die Reiter, meist Kavalleristen,  in die Stadt hineintrabten. Als 12-Jähriger  stieg auch er zu Ross. Obwohl die Familie einen Pferdestall besass, benutzte man fürs Sechseläuten andere Pferde. Das ist heute noch so. Es brauche eher kaltblütige, ein wenig ruhigere Tiere, die es gelassen nähmen. Diese finden die Zünfter meist in Reitschulen. Unter dem Jahr lernen sie die Tiere kennen, mit denen sie dann die drei Runden um den Böögg drehen. Der Platz um das Feuer sei heutzutage – mit 3500 Zünftern und viel mehr Publikum – enger geworden. 

Früher seien die Ritter routinierter und die Disziplin eiserner gewesen. «Die Väter sorgten dafür, dass alle im Gleichtakt marschierten.» Sonst habe sich der Anlass nicht gross verändert. Der Tag beginnt gegen 11 Uhr, wenn die Saffraner ihre Perücken fassen. Kurz vor dem Mittagessen, an dem der Zunftmeister und die ­Ehrengäste ihre humorvollen Reden halten, schiesst die Mörsergruppe drei Salven auf der Gemüsebrücke ab, um das Fest zu eröffnen. Gegen 15 Uhr müssen sich die Zünfter für den Umzug aufstellen. Ist dieser fertig und der Böögg explodiert, wird in den Zunftstuben gegessen und getrunken. Beim traditionellen «Auszug» nach 21 Uhr besuchen sich die Zünfte gegenseitig. 

«Alle mischen sich ein»

Von Grebel ärgert sich ein wenig darüber, dass sich heute alle ins Sechseläuten einmischen: die Stadt, die Medien und auch die Tierschützer. Seitdem vor zwei Jahren ein Pferd einen Herzinfarkt erlitt, schlagen diese Alarm. Jetzt begutachtet ein Tierarzt die Pferde, obwohl eine aktuelle Studie der Universität Zürich belegt, dass der Ritt ums Feuer für sie ungefährlich ist. «Ich wünschte mir weniger Bevormundung und Vorschriften, dafür mehr Eigenverantwortung.» Von Grebel schaut hinaus auf das Limmatquai, wo er in vier Wochen zum 58. Mal stolz in Reih und Glied reiten wird. Das Sechseläuten sei eben schon das schönste Fest in Zürich. 

zurück zu Porträt

Artikel bewerten

Gefällt mir 1 ·  
5.0 von 5

Leserkommentare

Keine Kommentare