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Porträt

Danièle Siebenhaar und ihre Wolkenfiguren

Von: Ginger Hebel

30. Januar 2013

Die 73-jährige Danièle Siebenhaar fotografiert Wolken, die aussehen wie Engel, Hunde und fliegende Herzen. Sie träumt davon, ihre Fotos in einer bekannten Galerie auszustellen. Das «Tagblatt» porträtiert in dieser Ausgabe Menschen, die dieses Jahr etwas Besonderes vorhaben.

Wer in den Himmel schaut, der sieht romantische Abendstimmungen, bedrohliche Wolkenbrüche und rosarote Sonnenaufgänge. Und Wolken, in denen sich bei intensivem Hinsehen Figuren erkennen lassen: fliegende Herzen, ein Frosch, eine Tänzerin. Danièle Siebenhaar fotografiert seit 2004 Wolken- und Baumfiguren. «Jeder Betrachter sieht darin etwas anderes, es regt die Fantasie an, das ist die Faszination.» Die Fotos der 73-Jährigen sind einzigartig, denn Wolken, die Figuren darstellen, sind oft nur für wenige Sekunden am Himmel zu sehen, oder wie es der Lyriker Detlev von Liliencron ausdrückte: «Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen, wollt es halten, musst es schwimmen lassen.» Danièle Siebenhaar muss schnell sein.

«Es macht mir grosse Freude, das Flüchtige mit dem Fotoapparat festzuhalten.» Bewaffnet mit ihrer Digitalkamera, streift sie durch die Natur und durch die Stadt, oder sie fotografiert von ihrem Balkon aus. «Wenn es viel Nebel hat, dann sieht man die Wolken nicht.» Im Jahr 2010 hat sie ein halbes Jahr damit verbracht, Wolken in Buchstabenform zu fotografieren. «Ich habe mich darauf konzentriert. Irgendwann sah ich nur noch Buchstaben am Himmel, von A bis Z, das ganze Wolkenalphabet.»

Früher war Danièle Siebenhaar Fremdsprachensekretärin und Gitarrenlehrerin aus Leidenschaft, heute sind die Wolken ihr grosses Hobby. Ihr allererstes Bild zeigt eine, die aussieht wie eine Mischung aus einem Alligator und einem Chamäleon. Seither nennt sie ihre Werke «Chamälographien». Daheim in Oerlikon hat die gebürtige Zürcherin ihre Lieblingsfotos aufgehängt, sie sind auf Alu aufgezogen und laminiert. Danièle Siebenhaar ist eine vife Frau, die sich gerne in eine Aufgabe hineingibt und sich an Naturphänomenen erfreut, für die manche gar keinen Blick haben. Sie ist Mitglied der ‹Cloud Appreciation Society›, der weltweiten Vereinigung der Wolkenbeobachter. Ihr berühmtestes Werk zeigt ein schlafendes Kind, «The Sleeping Baby» ist bereits in Blogs auf der ganzen Welt erschienen. Gerade hat sie im Eigenverlag ein kleines Wolkenbuch herausgebracht, welches ihre schönsten Bilder zeigt.

Sie stellt die Fotos auch regelmässig aus, demnächst in einer Gruppenarztpraxis am Schwamendingerplatz. «Ich träume davon, meine Wolkenfigurenbilder in einer berühmten Galerie auszustellen, am liebsten im Kunsthaus», sagt sie und hält die Engelwolke hoch, ihr derzeitiges Lieblingsbild. «Viele Leute haben Freude, wenn ich es ihnen zeige. Und das freut auch mich.»



 

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