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Porträt

Andreas Hohl: «Ich will etwas umsetzen und nicht neue Theorien erfinden.» Bild: SB

Der Bauherr für Elefant, Tiger und Co.

Von: Sacha Beuth

01. April 2014

Als Leiter Entwicklung und Logistik im Zoo Zürich muss Andreas Hohl (50) dafür sorgen, dass Neuanlagen den Bedürfnissen von Tieren, Mitarbeitern und Besuchern gerecht werden.

Auf dem Weg vom Zoo-Betriebsgebäude zur Baustelle des Kaeng-Krachan-Elefantenparks erspäht Andreas Hohl einen Mitarbeiter im Pausenraum – und kommt gleich zur Sache: «Hallo, Thomas, sind jetzt alle Bäume gefällt?» Der Angesprochene springt auf und berichtet sogleich über den Stand der Dinge. Aufmerksam hört Hohl zu, nickt zufrieden und setzt nach einem kleinen Scherz seinen Weg fort. Allerdings kommt er nicht weit, denn kurz darauf summt das Handy. Wieder ist ein Detail zu klären. Eines von Unzähligen, denn der 50-jährige Zürcher betreut als Leiter Entwicklung und Logistik gleich mehrere Bauprojekte gleichzeitig – in unterschiedlichen Entwicklungsstufen. «Beim Elefantenpark befinden wir uns im Finish, für die Mongolische Steppe haben die Vorarbeiten begonnen, für die Erneuerung des Aquariums im Exotarium wird ein Dossier erstellt, dann gibt es in Sachen Verkehrserschliessung – insbesondere Zooseilbahn – immer etwas zu tun. Und daneben sind auch noch meine direkt unterstellten Mitarbeiter zu betreuen und meine Aufgaben als stellvertretender Zoodirektor wahrzunehmen», zählt Hohl auf. Gerät man da nicht schnell in Gefahr, den Überblick zu verlieren? «Wenn ich den verlieren würde, wäre ich am falschen Ort.»

Auch dass es immer wieder Anpassungen gibt und jeder noch im letzten Moment eine Änderung anbringen möchte, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen. «Bauen im Zoo ist nun mal ein kreativer Prozess, das liegt in der Natur der Sache.» So gehe es in seinem Job nicht nur um die Koordination der einzelnen Projekte, sondern vor allem auch darum, die verschiedenen Bedürfnisse von Zootieren, Besuchern und Mitarbeitern unter einen Hut zu bringen. «Nicht selten gibt es bei Zooneubauten in Sachen Funktionalität, Design und Wirtschaftlichkeit Interessenkonflikte. Nehmen wir als Beispiel die geplanten Abfallkübel im Elefantenpark. Die Entsorger hätten sie gerne so gestaltet, dass sie einfach zu handhaben und krähensicher sind. Die Vertreter des Besuchermarketings hingegen schreiben einem zum Thema passenden Design höhere Priorität zu. In solchen Fällen muss dann meist ich die Entscheidung fällen.» Hohl tut dies gerne und umgehend. «Ich bin ein Macher. Bei mir muss etwas gehen.» Dazu sei natürlich ein ordentliches Mass an Durchsetzungsvermögen und ein überzeugendes Auftreten wichtig. Dass seine beeindruckende Physis und seine kräftige Stimme dabei von Vorteil sein können, negiert der ehemalige Oberstleutnant der Artillerie nicht. «Aber auch wenn ich oberster Bauverantwortlicher bin, bin ich nur ein Player in einem grossen Team, der schaut, dass das Schiff auf Kurs bleibt und in den richtigen Hafen einläuft.»

Angehöriger einer aussterbenden Art

Schon von klein auf fasziniert Hohl die Natur. Mit seinem Grossvater geht er oft in den Wald Rehe und Hasen suchen, tritt als Jugendlicher der Pfadi bei und unternimmt später mit seinem Vater Rundreisen zu den Elchen, Wölfen und Bären Alaskas und den Pinguinen und Robben der Antarktis. Als es nach der Matura um die Wahl des Studiums geht, entschliesst sich Hohl 1982 aber nicht etwa für Biologie oder Zoologie, sondern für die Technik. «Ich bin nach dem Ausschlussverfahren vorgegangen. Weil ich im Gymnasium gut in Mathematik und Geometrie war und mich gerne draussen aufhielt, fiel meine Wahl auf das Kulturingenieursstudium an der ETH. Ausserdem will ich etwas umsetzen und nicht neue Theorien erfinden.» Diese Hochschulausbildung würde viele Bereiche des Ingenieurswesens abdecken. «Ich wurde zum Generalisten ausgebildet. Heute gibt es diesen Studiengang allerdings nicht mehr. Das heisst nun Umweltingenieur. Ich gehöre also einer aussterbenden Spezies an», lacht Hohl.

Nach seinem Abschluss 1987 arbeitet er als Ingenieur für verschiedene Unternehmen, vor allem im Tiefbau. 1997 beginnt er berufsbegleitend ein Zusatzstudium zum Wirtschaftsplaner FH, das er ein Jahr später erfolgreich abschliesst. Zu seinem gegenwärtigen Job gelangt er 1999. «Ich entdeckte ein Inserat des Zoos in der Zeitung, las den Stellenbeschrieb und dachte: Das probiere ich aus.» Hohl erhält auch prompt den Zuschlag. «Das hat mich dann schon etwas überrascht, denn ich wüsste nicht, welcher andere Zoo in Europa einen Bauverantwortlichen als stellvertretenden Direktor hat.»

Bei den von ihm betreuten Projekten setzt Hohl alles daran, dass die Vorgaben des, Zitat: «Heiligen Dreigestirns im Bauwesen», also Kostenvorgaben, Termine und Qualität, eingehalten werden. So gilt gegenwärtig dem Elefantenpark, der am 7. Juni eröffnet werden soll, seine besondere Aufmerksamkeit. Etwa dem Geländer der Lodge in der Innenanlage, das gerade gestrichen wird. «Sieht jetzt aus wie Holz, nicht wahr?», fragt der Zoo-Entwickler und fährt schmunzelnd fort: «Ist aber in Wirklichkeit aus Metall. Zweifellos eine optische Aufwertung, allerdings auch nicht ganz billig.» Kommt hinzu, dass gelegentlich auch die Zoobewohner die Baukosten in die Höhe treiben. «Nach der Eröffnung des Afrikanischen Gebirges haben die Dscheladas die 20 000 mühsam von Hand gesetzten Gräser innert kürzester Zeit abgefressen und zum Absterben gebracht. Deshalb mussten wir dann die Anlage mit zusätzlichen Steinen wieder in­standstellen. Und Elefantendame Indi hat in den ersten Stunden nach dem Umzug in die neue Anlage mit Ästen um sich geworfen. Nun steckt einer wie ein Speer in der Deckenfolie. Die Reparatur wird uns einige Tausend Franken kosten», erzählt Hohl seufzend.

Weil sein Job genügend Action bietet, sucht Hohl in seiner Freizeit eher Entspannung. «Ich mache dann Spaziergänge, pflege Freundschaften, koche etwas Leckeres oder gehe auf Reisen. Nicht zu vergessen natürlich mein elfjähriger Sohn, mit dem ich – sozusagen in bester Familientradition – gemeinsame Dinge unternehme.» Auch Sport wird ab und zu ausgeübt: «Ich sitze gerne auf dem Velo. Früher bin ich im Winter zudem sehr viel Ski gefahren, musste dies jedoch wegen starker Rückenprobleme zurückstellen.» Seine wahre Passion gehört aber dem Zoo. «Hier mache ich so etwas wie eine dritte Ausbildung, lerne jeden Tag mehr über Tiere und Pflanzen. Für mich ist es der absolute Traumjob, in dem ich meine Neigungen und Eignungen voll ausleben und Menschen und Tieren Freude bereiten kann.»

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