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Porträt

Ein üppiger Stadtgarten mit mediterranem Flair: «Tagblatt»-Gartenkolumnist Andreas Honegger in seinem Refugium in Zollikon. (Bild: Isabella Seemann)

Ein Garten voller Glück

21. Mai 2019

Am Anfang war das Chaos, ein überwucherter Blätz Erde rund um ein Haus. «Tagblatt»-Gartenkolumnist Andreas Honegger und seine Frau Mina haben daraus ein blühendes Paradies erschaffen. Dennoch sagen sie: Ein Garten ist niemals fertig.

Die Lebensbäume ragen hoch über die Mauer in den Himmel hinein. Von aussen wirkt das Grundstück, das nur einen Katzensprung von der Stadtgrenze entfernt in Zollikon liegt, eher unscheinbar. Das Gartentor sieht aus, als sei es mit Pflanzen verbarrikadiert, man getraut sich kaum, auf die Klinke zu drücken. Doch teilt sich die Efeugirlande in der Mitte, die Thujen hinter den Latten stehen in Töpfen in den Torflügeln. Und sogleich wähnt man sich in einem verzauberten Märchengarten. Es ist der Garten von Andreas Honegger, «Tagblatt»-Gartenkolumnist, pensionierter NZZ-Ressortleiter Zürich, Alt-Kantonsrat und Buchautor.

Auf rund 600 Quadratmeter Fläche, rings um das spitzgiebelige Haus, haben er und seine Ehefrau Mina Honegger sich hier ein üppig blühendes Paradies geschaffen. Und weil passionierte Gartenbesitzer neben dem Gärtnern nichts lieber tun, als ihren Besuchern in einem Rundgang ihr Reich zu präsentieren, begeben wir uns in eine Ecke, wo einst eine Garageneinfahrt war. Man muss es sich zuerst so vorstellen, wie die Honeggers den Ort vor 25 Jahren sahen, als sie das Haus kauften: einen ungebändigten Wildwuchs. «Nur unverbesserliche Optimisten konnten glauben, dass daraus je eine blühende Schönheit werden könnte», erzählt Andreas Honegger.

Fehlschläge gehören dazu

Aber Optimismus liegt im Wesen aller leidenschaftlichen Gärtner. Und so liessen sich die Honeggers selbst von den anfänglichen Fehlschlägen nicht zermürben. Das Gemüse wuchs nicht, der Salat wollte nicht gedeihen. Die mächtige Thuja zog ihnen die Nährstoffe ab, und der Schatten gab ihnen den Rest.
Heute befindet sich hinter dem Haus das Alpinum, das «pflanzliche Raritätenkabinett» des Hausherrn. Der Enzian, die Alpenrosen, der Steinbrech, der Felsenteller aus den Pyrenäen und die Haberlea aus dem Balkan im Honegger’schen Steingarten stillen die Sehnsucht des Städters nach den Bergen. Dazu kommen ein Bach, zwei lang gezogene Teiche in verschiedener Höhe mit Forellen sowie Tuffsteinmauern mit Farnen, eine von Andreas Honeggers Lieblingspflanzen. «Wenn sich die mächtigen volutenförmigen Spitzen der Farne mit eleganter Bewegung zu grossen Wedeln entrollen, ist das jeden Frühling einer der schönsten Momente.» Gärtnern bedeutet für Andreas Honegger Hingabe, Liebe und Verbundenheit mit der Natur. Das FDP-Mitglied bezeichnet sich als konservativen Grünen, der sich schon für die Bewahrung der Natur einsetzte, bevor es eine politische Ideologie wurde.

Inspiration finden die Honeggers auf Reisen, bei Besuchen berühmter und geheimer Gärten, auf Pflanzenmessen sowie im Austausch mit anderen Gartenenthusiasten. Beide sind seit Kindsbeinen an passionierte Pflanzenliebhaber, und beide prägen den Garten auf ihre Weise – dabei sind sie sich durchaus nicht immer einig. Zusammen ringt das Ehepaar darum, auf jedem Quadratmeter möglichst viele seiner Wünsche zu verwirklichen.

Pflanzen von jeder Reise

«Ich bin ein manischer Sammler», beschreibt sich Andreas Honegger selbst, der am liebsten von jeder Gattung jede Art und von jeder Art jede Sorte besitzen möchte und von keiner Reise ohne eine neue Pflanze heimkommt. «Und ich liebe es, den Garten zu gestalten», ergänzt Mina Honegger. Sie hat den Sinn für Strukturen, Proportionen und Perspektiven und behält das Gesamtbild im Auge. Das zeigt sich in der Allee mit den zwei Dutzend verschiedenartigen Zitrusbäumen in toskanischen Tontöpfen, wie etwa «Buddhas Hand» oder der Bergamotte, die sich durch geschickt gesetzte Spiegel in den Achsen endlos zu verlängern scheint, genauso wie im Wintergarten und im mediterranen Garten mit Schwimmteich, in dem sich eine Sternmagnolie spiegelt. Eingefasst wird das üppig bepflanzte Grundstück von Rhododendren, die jetzt im Frühling eine blühende Pflanzenwand bilden. Und dann gibt es noch die riesige, stachlige Chiletanne, Araucaria araucana, die vor einigen Jahren aus einem benachbarten Garten per Kran angeflogen kam und in den Garten der Honeggers verpflanzt wurde. Und schliesslich drehen in einem weiteren Teich noch prächtige bunte Fische ihre Runden: Koi-Karpfen. Ein Märchengarten eben, in dem die Freude spürbar ist, die er der Familie bereitet.

Den Teich entlang soll auch bald wieder die elektrische Eisenbahn verkehren, die der pensionierte Journalist demnächst reparieren will. Weil Andreas Honegger nach seinem aktuellsten Werk «Das Gedächtnis der Bäume» über versteinerte Hölzer bereits weitere Bücher in Planung hat, darüber hinaus für mehrere Zeitschriften und Zeitungen über Pflanzen, Kulinarik und Mineralien schreibt und seit kurzem als Co-Präsident den Verein Freunde des Botanischen Gartens Zürich leitet, werden die Züge wohl noch ein Weilchen am Bahnhof stehen bleiben. Denn ebenso wichtig wie sein eigener Garten ist ihm, seine gärtnerischen Erfahrungen und sein botanisches Wissen zu verbreiten und weiterzugeben. Doch jede freie Minute verbringt das Ehepaar mit Gartenarbeit. «Aber für mich ist es nicht Arbeit, sondern Meditation und Erholung», sagt Mina Honegger, «das tut der Seele gut.» Und Andreas Honegger ergänzt: «Ein Garten ist nie fertig.» Das ist das Schöne daran.

Weitere Informationen:
«Buchhinweis: Andreas Honegger, Das Gedächtnis der Bäume – Versteinerte Hölzer – erinnerte Spuren», Verlag Elisabeth Sandmann

 

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Das «Tagblatt der Stadt Zürich» verlost 3 Bücher «Das Gedächtnis der Bäume – Versteinerte Hölzer – erinnerte Spuren». Senden Sie uns eine E-Mail mit Namen, Adresse, Telefon und Betreff Garten an:
gewinn@tagblattzuerich.ch

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