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Porträt

Tätowierer Stefano Gennaro hat selbst um die 120 Tattoos. Ihm gehört ein Tattoo-Studio in Uster und neuerdings auch das Zürcher Kaos Ink. Bild: SWE

«Ich habe sogar mein Grosi tätowiert»

Von: Stine Wetzel

03. April 2018

Die Ink Days Zürich vom 6. bis zum 8. April sind ein Muss für den Zürcher Tätowierer Stefano Gennaro. Der 23-Jährige hat bereits zwei Tattoostudios – und den Messestar aus den USA an seinem Stand.

Nicht auf einer Bananenschale, nicht auf Kunsthaut oder Schweinehaut – seinen ersten Versuch machte er auf echter Haut. «Mein Nachbar wollte ein Symbol für seine Familie auf den Arm tätowiert haben – und das habe ich gemacht.» Als er sein erstes Tattoo stach, war Stefano Gennaro 16 Jahre alt. Inzwischen ist er 23, hat seit letztem Jahr ein Tattoo-Studio in Uster und im März das Kaos Ink in Zürich samt drei Mitarbeitern übernommen. Der Vorgänger hat das Studio nach sieben Jahren aus privaten Gründen übergeben.

Kaos Ink ist eines von fünf Zürcher Studios bei der Tattoo-Messe, den 3. Ink Days Zürich, die vom 6. bis zum 8. April in Regensdorf stattfinden: 100 internationale Künstler, erwartete 5000 Besucher, zwischendrin Stars der Szene wie Magneto. Das Tattoomodel aus Berlin hat sich 90 Prozent der Haut tätowieren lassen, inklusive Augäpfel. Der Tätowierer und US-Schauspieler David Labrava, bekannt aus der Serie «Sons of Anarchy», wird zusammen mit der Miss Tattoo die Messe eröffnen – und danach am Kaos-Ink-Stand tätowieren. «Das ist total gute Werbung für uns», meint Gennaro. Eingefädelt hat das noch sein Vorgänger. Er kennt den Spezialgast.

Den Sohn auf dem Rücken

Wenn man Gennaro ins Gesicht schaut, dann sieht man eine Menge von ihm. Auf der Stirn: «Elloco» – «weil ich ein bisschen verrückt bin». Der Schriftzug «Misanthrop» ist sein Schnauz. Dabei wirkt Gennaro überhaupt nicht wie ein Menschenhasser. Seine erste Tätowierung im Gesicht war das über der Braue: Da schlängelt sich «Snake» entlang, «zu der Zeit habe ich Schlangen gezüchtet». Gennaro hat um die 120 Tattoos, jedes einzelne zeigt etwas aus seinem Leben. «Heute lassen sich viele Leute Motive stechen, nur weil sie die hübsch finden. Ein Tattoo ohne Bedeutung wäre für mich persönlich unvorstellbar.»

Gennaro hat eine Lehre auf dem Bau gemacht und jahrelang privat tätowiert. Bis ihm der Tätowierer, bei dem er Material bestellte, eine Stelle anbot. Inzwischen hat er 2000, vielleicht 3000 Tattoos gestochen – «keine Ahnung, anfangs will man alle zählen, aber man kommt ziemlich schnell nicht mehr hinterher». So ziemlich jede Stelle auf der Haut sei dabei gewesen. Für Gennaro gibt es nur wenige Grenzen. «Ausgedruckte Motive tätowiere ich beispielsweise nicht, das ist einfach nicht einzigartig.» Namen von Partnern hingegen macht er. «Aber ich warne davor», sagt er und zeigt sein Handgelenk: ein schwarzer Balken.

Der Zürcher hat schon als Kind gern gezeichnet, deshalb seien die realistischen Motive auch seine liebsten. «Am meisten sind Porträts gefragt: Mütter, Väter, Töchter, Söhne für Arm oder Brust.» Er selbst trägt zwei Bilder seines Sohnes auf dem Rücken. Am liebsten tätowiert der 23-Jährige ältere Menschen. «Ich finde es einfach toll, wenn Ältere etwas mit Tattoos anfangen können. Sogar mein eigenes Grosi hat sich mit 86 Jahren von mir tätowieren lassen» – und zwar die Initialen ihrer Kinder.

Weitere Informationen: Bei den Ink Days Zürich vom 6. bis 8. April im Regensdorfer Mövenpick-Hotel sind auch die Zürcher Studios Dirty Black Tattoo, True Body Art, Stichfreudig und Born 1891 dabei.
www.ink-days.ch

 

 

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