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Porträt

Bringt Zuschauer gerne zum Lachen: Schauspielerin und Moderatorin Kiki Maeder. Bild: PD

Kikis Vorliebe für schräge Typen

Von: Sacha Beuth

17. Juni 2014

Ob als Pippi Langstrumpf oder Friends-Mitglied in «Benissimo» – Kiki Maeder (33) sorgt bei Gross und Klein für Lacher. Lange musste sie als Schauspielerin aber untendurch.

Es ist dieses Lachen, diese Mischung aus Lausmädchencharme und Lebensfreude, das einen bei einer Begegnung mit Kiki Maeder sofort gefangen nimmt. Unweigerlich muss man an Pippi Lang­strumpf beziehungsweise deren Darstellerin Inger Nilsson aus den legendä­r­en Pippi-Filmen denken. Und so ist es irgendwie auch nicht verwunderlich, dass die Romanfigur von Astrid Lind­gren zu den Lieblingsrollen Maeders ­gehört. Sehr zur Freude der grossen ­und kleinen Theaterbesucher übrigens. Spielt Kiki die Pippi, sind die Sitzreihen der Zürcher Märchenbühne in der ­Regel ausverkauft. «Ich mag schräge Rollen. Da kann ich so richtig an die Grenzen gehen», erzählt die 33-Jährige. Selbst als runzlige alte Hexe aufzutreten, macht ihr keine Mühe. «Manchmal braucht es diesen Mut zur Hässlichkeit. Nur eine nette und schöne Figur zu spielen, ist mir zu simpel.»

Zuletzt war Maeder allerdings als attraktive Lisa zu sehen, die im von Erich Vock produzierten Schwank «Traumhochzeit» in der Hochzeitssuite mit dem Bräutigam erwacht, jedoch nicht dessen Braut ist. «Es war ein tolles Engagement mit einer tollen Truppe. Schade, ist die Spielzeit jetzt vorbei.» Andererseits habe die Sommerpause auch ihr Gutes. «Ich kann die Sonne geniessen und mal wieder am Wochenende etwas unternehmen.» Und vor allem zusammen mit ihrem Lebenspartner dem liebsten Hobby der beiden nachgehen: Dem Wellenreiten. «Dabei kann ich super abschalten. Da ist nur das Brett und du. Fällst du runter und es spült dich so richtig durch, ist das oft eine Lektion in Demut zur rechten Zeit.»

Im Gymi zur Bühne gefunden

Dass die Schauspielerei und insbesondere die Komödie einmal Maeders Leben bestimmen würden, war anfangs nicht unbedingt abzusehen. Kiki, die ­eigentlich wie ihre Mutter Christina heisst, aber zwecks Unterscheidung den Kosenamen erhält, kommt in Basel zur Welt. Die Familie zieht aber bald nach Zürich, wo Kiki im Kreis 7 aufwächst und als introvertiert gilt. «Ich habe am liebsten für mich alleine oder mit imaginären Gspäändli gespielt, während mein älterer Bruder Nicolas gerne vor aller Welt seine Clownereien trieb.» Erst im Gymnasium legt sie ihre Zurückhaltung ab und tritt einer Theatergruppe bei. «Nach wie vor ging es mir aber nicht darum, mich vor Menschen zu präsentieren. Ich hatte einfach Spass daran, in verschiedene Charaktere zu schlüpfen.» Noch sieht Maeder ihre Auftritte nicht als zukünftigen Beruf an, sondern lediglich als Hobby. Nach der Matur reist sie für einen Sprachaufenthalt nach England mit der Idee, anschliessend Theater zu studieren. «Ich habe dann aber festgestellt, dass es dabei mehr um Theaterpädagogik als um angewandtes Schauspiel geht, und die Übung abgebrochen.» Ihre Zeit auf der Insel beschreibt sie als Abenteuer. «Die WG-Unterkunft, in der ich lebte, war zwar günstig, aber ziemlich heruntergekommen, mit wirklich üblen sanitären Anlagen. Zudem fiel im Winter ständig die Heizung aus.»

Maeder kehrt nach Zürich zurück und erfährt von einem Bekannten, dass man sich für eine Schauspielausbildung bei der Efas, der European Film and Actor School, nahe dem Bahnhof Zürich-Giesshübel, bewerben könne. «Das habe ich dann auch gemacht und prompt die Aufnahmeprüfung bestanden. Von dem Moment an war mir auch klar, dass die Schauspielerei meine berufliche Zukunft ist.» Trotzdem wird sie immer wieder von Zweifeln befallen, denn die dreieinhalbjährige Ausbildung an der Efas besteht nicht nur aus schönen Momenten. So habe sich einmal eine Regisseurin über die Grösse ihrer oberen Schneidezähne – eine weitere Ähnlichkeit mit Nilsson – mokiert. «Sie kam zu mir und sagte: Wenn du nicht redest, machst du am besten einfach den Mund zu.»

Neben der Ausbildung arbeitet Maeder in verschiedenen Jobs, unter anderem als Model sowie als Assistentin in einer Schönheitsklinik. Nach der Efas macht sie sich auf die Suche nach einem Engagement und hat gleich Glück. «Ich durfte in der deutschen TV-Produktion ‹Der Ferienarzt in der Provence› eine Praxisassistentin spielen. Zwei Wochen haben wir in Südfrankreich gedreht. Es war grossartig.» Dann aber folgt eine schwierige Phase in ihrem Leben. Ihr Vater stirbt, und Kiki Maeder weiss nicht, ob sie nun bei ihrer Familie in Zürich bleiben oder ihre Karriere in Deutschland weiter vorantreiben soll. Die Schauspielerei verliert ein wenig an Bedeutung, bis Maeder 2005 ein Angebot aus München erhält, um in der Telenovela «Sturm der Liebe» mitzuspielen. Das Engagement dauert zwar nur drei Monate, verleiht der Zürcherin aber wieder die nötige Energie zur Fortsetzung ihre Schauspielkarriere. Zurück in der Schweiz erhält sie ihre erste Theaterrolle an den Kammerspielen Seeb in Bachenbülach. Nach einem weiteren Engagement gleichenorts darf sie für Erich Vocks Komödie «Zwei für Eis» vorsprechen und erhält den Zuschlag. Weitere Theaterrollen folgen, und schliesslich wird auch das Fern­sehen auf Kiki aufmerksam. 2009 wird sie Mitglied der Gruppe «Friends» und tritt in der inzwischen eingestellten Spielshow «Benissimo» auf. Sie wird als Moderatorin für private Events gebucht und ist seit 2012 in «Happy Day» zu sehen, wo sie für Röbi Koller als Aussenmoderatorin amtet.

Haben sie zuvor ihre Nebenbeschäftigungen über Wasser gehalten, kann Kiki Maeder nun seit rund drei Jahren von der Schauspielerei leben. «Trotzdem bleibt da immer eine gewisse Unsicherheit. Mal liegen mehrere Angebote vor, mal keines.» Im Gegensatz zu früher sehe sie die Situation aber viel entspannter. «In diesem Beruf muss man akzeptieren, dass man nicht alles planen kann. Aber es geht immer wieder eine Tür auf.» Ihr Blick in die Zukunft bleibt deshalb vage. «Beruflich hoffe ich, dass ich nun mehr Hauptrollen in grossen Abendaufführungen wie in der «Traumhochzeit» bekomme und dann eines Tages vielleicht mein eigenes Stück auf die Beine stelle. Vor allem aber ist mir wichtig, die Zuschauer ­immer wieder zu begeistern und zum Lachen zu bringen.» Allein schon wegen ihres gewinnenden Pippi-Lang­strumpf-Lächelns dürfte dies auch künftig kein Problem sein.

Am 30. August ist Kiki Maeder wieder auf SRF in «Happy Day» zu sehen. Ab dem 22.  Oktober spielt sie für die Zürcher ­Märchenbühne die Hexe Rumpumpel in «Die kleine Hexe».

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