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Reportage

Die Zeit vergeht, aber in der Silberkugel scheint sie stillzustehen: Maria Huber (79) arbeitet seit 38 Jahren im Unternehmen. Früher in Uniform (kl. Bild), heute mit der immer noch gleichen Freude an der Kasse der Filiale am Bleicherweg. Bilder: GH/Privat

Beständigkeit ist Trumpf - das Beefy ist Kult

Von: Ginger Hebel

14. Januar 2020

Nostalgie: Seit 57 Jahren das gleiche erfolgreiche Konzept: In den zwei letzten Stadtzürcher Silberkugel-Filialen beissen Jung und Alt mit Hochgenuss in Silberbeefy und Schinken-Käse-Toast. An vorderster Front: Die 79-jährige Maria Huber. Sie arbeitet seit 38 Jahren für die Schweizer Kult-Burger-Kette.

Maria Huber ist noch lange nicht müde. Im Mai feiert die aufgeweckte Dame ihren 80. Geburtstag; noch immer steht sie freudig an der Kasse der Silberkugel. «Ich gehe gerne arbeiten, die Ablenkung hält mich fit.» Mittagszeit. In der Silberkugel am Bleicherweg ist jeder Barhocker besetzt. Der Besitzer höchstpersönlich krempelt die Hemdärmel hoch und brät Beefy im Akkord. «Mittags, wenn die Hölle los ist, bin ich immer hier. Ich bin ein alter Patron, der gerne selber mit anpackt», sagt René Wehrli. 300 bis 600 Essen gehen täglich über den Tresen. Das Silberbeefy-Menü für 16.50 Franken – Beefy mit Kabissalat und Cocktail-Sauce, mit Pommes oder Salat sowie einem Getränk ist der Hit seit Jahren.

In Zeiten, in denen immer mehr Läden und Traditionsgeschäfte schliessen und Pop-up-Stores wie Pilze aus dem Boden schiessen, ist die Silberkugel ein Fels in der Brandung. Genuss wie früher Die erste Schweizer Burger-Kette existiert seit 57 Jahren, das Beefy ist Kult. In den Restaurants scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, nichts hat sich verändert, weder die Verpackung der legendären 4-Eck-Sandwiches noch die Rezeptur des Birchermüesli, sogar viele Mitarbeiter sind noch dieselben wie früher. «Unsere Gäste schätzen, dass sich das Konzept nicht verändert hat. Die Langlebigkeit ist unser Erfolg», ist René Wehrli überzeugt. Er hat das Gastro-Gen im Blut. Seine Eltern führten einen Landgasthof, «ich war ein Beizen-Kind», erzählt er. Sein erster Job führte ihn in die Silberkugel auf der Autobahn-Raststätte Wädenswil. Eigentlich wollte er nicht in die Fussstapfen seiner Eltern treten, darum lernte er Auto-Mechaniker. Doch das Konzept der Silberkugel gefiel ihm schon immer – frisches Fast Food, nette Bedienung, faire Preise, Zahlen an der Kasse. Als sich Mövenpick von den Filialen trennen wollte, fackelte René Wehrli nicht lange und übernahm 1996 alle acht Stadtzürcher Filialen.

Maria Huber arbeitet praktisch täglich ein paar Stunden in der Filiale am Bleicherweg. Sie hat drei Kinder und fünf Enkelkinder, ihr Mann, mit dem sie seit 58 Jahren verheiratet ist, war Drucker, sie Hausfrau. «Meine Kinder sagen noch heute, wie schön es für sie war, ihr Mami immer um sich zu haben.» Doch als der jüngste Spross auszog, wollte auch sie nicht mehr daheim bleiben. Mit 42 Jahren fing sie in der Silberkugel an, in der Filiale im Zürcher Shopville. Schöne Zeiten seien das gewesen, wenn auch strenge. «Damals kochte eine Angestellte immer nur Kaffee, eine machte Sandwiches, das war ein richtiges Bienenhaus.» Der Kaffee kostete damals gerade einmal 80 Rappen, heute 4 Franken. Maria Huber servierte und kassierte, im Kopfrechnen macht ihr bis heute keiner so schnell etwas vor. «Die Gäste von früher kommen heute mit ihren Kindern, ganze Generationen treffen sich in der Silberkugel wieder, das freut mich immer», sagt Maria Huber und zeigt ein Foto von damals, als die Angestellten noch Arbeitskleidung trugen. «Wie Krankenschwestern sahen wir aus und ernteten dafür häufig zweideutige Sprüche von den Männern.»

Heutzutage werden viele ältere und erfahrene Arbeitskräfte ausgemustert, die Silberkugel ist ein Gegenbeispiel. «Wenn jemand jahrelang für uns gearbeitet hat und gerne bleiben möchte, dann darf er das auch», sagt René Wehrli. Auch die Gäste würden es zu schätzen wissen, dass sie nicht nur von blutjungen Servicekräften bedient werden, sondern auch von älteren Angestellten, die mit der Silberkugel verbunden sind, genau wie viele Gäste, die hier Kindheitserinnerungen aufleben lassen und die Nostalgie geniessen.

René Wehrli bemüht sich um seine Angestellten, er könne aber auch ein strenger Chef sein. «Nur Herz geht nicht, man muss auch die Zahlen im Griff haben.» Von den einst acht Filialen sind nur noch zwei übrig geblieben, in der Enge und in Oerlikon. «Früher verbrachten die Leute ihre Kaffeepausen in der Silberkugel, heute trinken die meisten den Espresso im Büro», sagt Wehrli. Aus diesem Grund setzt er vermehrt auf Events. Die Silberkugel lässt sich für Firmenanlässe mieten, für Geburtstage und Hochzeiten.

Weitere Informationen: Silberkugel, am Bleicherweg 33 und an der Franklinstrasse 11 in Oerlikon. www.silberkugel.ch

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