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Reportage

Regenwaldbewohner mit grossem, aber leichtem Schnabel: Dottertukan im Zoo Zürich. Bild: Zoo Zürich, P. Bolliger

Bunter Vogel mit grosser Klappe

Von: Alex Rübel

14. März 2017

ZOO INTERN Zoodirektor Alex Rübel berichtet alle zwei Wochen über Neues oder Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Tukane.

In Südamerika ist eine Vielfalt farbenfroher und auffällig «gestalteter» Vogelarten zu Hause. Einer davon ist der Tukan. Dass er eine grosse Klappe hat, ist bei ihm durchaus wörtlich zu verstehen: Sein mächtiger Schnabel macht bei einigen Arten mehr als ein Drittel der Körperlänge des Vogels aus. Der prominente Tukan-«Zinken» zieht den Blick des Betrachters unweigerlich auf sich – und lässt Wissenschaftler über seine Funktion rätseln.

Eine Theorie besagt, dass der Schnabel eine wichtige Bedeutung in der innerartlichen Kommunikation hat. Zum Beispiel bei der Partnersuche: Ein besonders schöner Schnabel könnte hier ein Zeichen guter Gene sein – sowohl beim Männchen als auch beim Weibchen, denn die beiden Geschlechter unterscheiden sich optisch wenig. Und da sie ihre Brut gemeinsam aufziehen, ist es auch für beide Tiere von Interesse, einen guten Partner zu finden. Eine andere Theorie zur Kommunikationsfunktion geht davon aus, dass der Schnabel eine «Arterkennungstracht» ist. Sie soll es dem Tukan im dichten Blättergewirr des Regenwaldes ermöglichen, seine Artgenossen rasch zu erkennen.

Viel Früchte, wenig Fleisch

Andere Forscher vermuten, dass der Schnabel eine Anpassung des Tukans an seine Ernährung ist. Tukane fressen vor allem Früchte, die sie von den dünnen Enden der Zweige pflücken (langer Schnabel von Vorteil) und meistens als ganzes Stück herunterschlucken. Manchmal gönnen sie sich indes auch Insekten, kleine Wirbeltiere oder plündern Vogelnester. Dieser Speiseplan deckt sich mit jenem der Nashornvögel in Afrika und Asien, die mit einem ähnlich imposanten Schnabel ausgerüstet sind.

Eine der jüngsten Theorien schliesslich schreibt dem Tukan-Schnabel die Funktion einer Klimaanlage zu. Kanadische Forscher stellten fest, dass Tukane über die Durchblutung ihres Schnabels die Körpertemperatur regeln können. So kann der Vogel den Wärmeanteil, den er über seinen Schnabel abgibt, je nach Bedarf massiv drosseln (bis auf fünf Prozent hinunter) oder erhöhen (auf nahezu hundert Prozent).

Welche dieser Theorien zur Funktion des Tukan-Schnabels die richtige ist, darüber ist man sich noch nicht einig. Mehr Klarheit herrscht dafür bezüglich der Bauweise des trotz seiner Grösse extrem leichten Schnabels; sein Anteil am Körpergewicht des ganzen Vogels liegt bei weniger als fünf Prozent! Möglich macht dies ein schichtweiser Aufbau aus organisch verklebten Hornplättchen und einem von feinen Membranen überzogenen Knochenfasergeflecht.

Tukane im Zoo Zürich

Seit 2015 leben im Zoo Zürich zwei Dottertukane, ein Männchen und ein Weibchen. Die beiden Nachzuchttiere aus dem Weltvogelpark Walsrode sind im Regenwaldbereich des Exotariums zu Hause, zusammen mit zahlreichen weiteren Vogel- und Säugetierarten.

Weitere Infos auf: www.zoo.ch

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