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Reportage

Stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl: Wölfe im Zoo beim Heulen. Bild: Zoo Zürich, Cora Braun

Der «Chorgesang» der Wölfe

Von: Alex Rübel

30. Juni 2015

ZOO INTERN Zoodirektor Alex Rübel berichtet alle zwei Wochen über Neues oder Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Wölfe.

Wölfe sind «beredte» Tiere: Sie haben eine reiche Palette stimmlicher Ausdrucksweisen wie etwa das Jaulen, Bellen, Winseln, Knurren und Ächzen. Die Krönung ist aber der «Chorgesang», das gemeinsame Heulen. Es ist über mehrere Kilometer weit hörbar und hat mehrere Funktionen. Zum einen ist es eine Information an andere Rudel, indem es etwa das Jagdrevier markiert. Zum anderen festigt der gemeinsame «Gesang» aber auch die Bindungen der Mitglieder innerhalb des eigenen Rudels.

Zum Wächter gezüchtet

Das Heulen ist vermutlich jene Lautäusserung, die der Mensch als «typisch wölfisch» wahrnimmt. Für die Evolution der Menschheit war indes ein anderer stimmlicher Ausdruck des Wolfs von zentraler Bedeutung: das Bellen. Evolutionsbiologen gehen heute davon aus, dass der Wolf eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Menschheit spielte. Noch bevor der Mensch den Ackerbau entdeckte, domestizierte er den Wolf. Die wichtigste Aufgabe des Wolfs war dabei nach neuesten Erkenntnissen nicht etwa die Hilfe bei der Jagd, sondern das Beschützen der Siedlungen. Für den Menschen zentral war dabei das Bellen, mit dem der Wachhund vor Eindringlingen warnte und die Siedlung verteidigte. Die genetische Veränderung vom heulenden Wolf zum bellenden Hund war offenbar der entscheidende Schritt in der Domestikation. Dass alle heute bekannten Hunderassen bellen können, ist ein Zeichen dafür.

Nebst den verschiedenen stimmlichen Ausdrucksweisen kommunizieren Wölfe auch über eine ausgeprägte Mimik und Körpersprache. Mit Signalen wie etwa der Stellung der Ohren, dem Fletschen der Zähne, dem Sträuben des Fells und der Haltung des Schwanzes signalisieren sie ihre Befindlichkeit, ihren sozialen Status und ihre Dominanz oder Unterwürfigkeit. Dank ihres exzellenten Geruchssinns können Wölfe zudem auch Duftstoffe zur Kommunikation und als Informationsquellen nutzen.

Kinder nur vom Alphapaar

Wölfe leben in Rudeln, die streng hierarchisch organisiert sind. An der Spitze des Rudels steht jeweils ein Alphapaar. Nur diese zwei Tiere pflanzen sich fort. Bei der Aufzucht der Jungen erhält das Alphapaar Unterstützung von den anderen Gruppenmitgliedern.

Wölfe im Zoo Zürich

Der Zoo Zürich hält seit vielen Jahren Mongolische Wölfe, aktuell die drei Tiere Khentii, Laijla und Naja. Ein besonderes Erlebnis für sie sind die sporadischen Ausflüge in die benachbarte Tigeranlage – natürlich in Abwesenheit der beiden Amurtiger Coto und Elena. Ein Video eines solchen Ausflugs gibt es auf dem Youtube-Kanal des Zoos Zürich: www.youtube.com/zuerichzoo.
Weitere Infos unter: www.zoo.ch

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Leserkommentare

Margrit Kropf - Guten Tag, Herr Rübel
So ist es doch auch unter Menschen: Man heult mit dem eigenen Rudel (der eigenen Volksgruppe) und stärkt dadurch das Zusammengehörigkeitsgefühl, fühlt sich sicherer, gibt Informationen weiter, die andere Rudel nicht ohne weiteres
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Vor 4 Jahren 6 Monaten  · 
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