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Reportage

Zum Wohl: Stadtpräsidentin Corine Mauch gratuliert Olga Zehnder (l.). Bild: Sacha Beuth

Die älteste Zürcherin feiert - mit hohem Besuch

Von: Sacha Beuth

09. September 2014

Olga Zehnder ist die älteste Einwohnerin Zürichs. Am Donnerstag stiess die rüstige Dame im Alterszentrum

Bürgerasyl-Pfrundhaus mit ihrer Familie – und mit Stadtpräsidentin Corine Mauch – auf ihren 107. Geburtstag an.

Die Terrasse des Alterszentrums Bürgerasyl-Pfrundhaus ist schon mit der wartenden Verwandtschaft und Pressevertretern gefüllt, da erscheint auch das Geburtstagskind selbst: Olga Zehnder, gerade 107 Jahre alt geworden und damit die älteste Bewohnerin Zürichs, ­gesellt sich zur Menge. Dabei zeigt sich, wie rüstig die Seniorin noch ist. In ihrem Rollator («Den brauche ich eigentlich gar nicht, der ist nur zur Sicherheit») kutschiert Zehnder scheinbar mühelos den zweieinhalbjährigen Maël, einen ihrer Urenkel, durch die Gästeschar.

Rosmarie Meier, die Leiterin des Alterszentrums, hat derweil schon ein Plätzchen für Zehnder bereitgemacht und hilft ihr in den Gartenstuhl. Nun kann die Fragerunde mit den Medien losgehen. Freimütig erzählt die gebürtige Stetterin von ihrer Kindheit im Emmental. Wie ein Trompeter in ihrem Dorf im herannahenden Ersten Weltkrieg die Mobilmachung ankündigte. Wie sie ihren Vater vermisste, als dieser einrücken musste. Und wie die Familie in dieser Zeit auf dem Bauernhof des Onkels unterkam und alle, auch die kleine Olga, schon kräftig mit anpacken mussten. «Es war eine schwere, aber auch schöne Zeit, die mich sehr geprägt hat», sagt Zehnder. Sie macht eine Lehre als Saaltochter in einem Hotel, arbeitet mehrere Jahre im Gastgewerbe, zieht nach Zürich in den Kreis 4 und lernt Otto, ihren künftigen Ehemann, kennen. Die beiden heiraten 1930 in der Jakobskirche. «Mein schönstes Erlebnis», findet Zehnder rückblickend. Zwei Kinder, drei Enkel und fünf Urenkel sind die Folge dieser Verbindung. Leider gibt es auch einige schlimme Momente zu überwinden. Etwa als ihr Mann 1968 mit 63 Jahren verstirbt, vor allem aber den Tod ihres Sohnes infolge eines Flugzeugabsturzes bei Los Angeles 1972. «Zwei Tage, nachdem wir die Meldung erhalten hatten, hat meine Tochter dann Zwillinge zur Welt ­gebracht. Das war Balsam auf die Wunde.»

Beeindruckt von der Vitalität

Meier unterbricht Zehnder bei ihren Erzählungen. Ein hoher Gast möchte der 107-Jährigen ebenfalls gratulieren: Corine Mauch. Die Stadtpräsidentin überreicht Zehnder einen Blumenstrauss samt Glückwunschkarte, hält eine kleine Laudatio, und dann stossen die beiden mit einem Glas Sekt an. Im Beisein von Mauch kramt Zehnder weiter in ihren Erinnerungen. Spricht von der Seegfröörni («Wir sind bis Rapperswil gelaufen») und wie sie die 68er-Unruhen erlebte. Mauch ist beeindruckt. «Es ist unglaublich, an wie viele Dinge sich Frau Zehnder noch erinnern kann und mit welcher Vitalität sie diese erzählt. Sie ist wie ein wandelndes Lexikon. Ich könnte ihr stundenlang zuhören.»

Nun werden die ersten Geschenke überreicht. Die grösste Überraschung ist dabei eine Autogrammkarte von Roger Federer, mit der ihr der Tennisstar schriftlich zum Geburtstag gratuliert. «Ich bin ein Riesenfan von ihm, schaue fast jeden Match, auch nachts», betont Zehnder und ergänzt, dass Stangen­tennis nebst Jassen zu ihren liebsten Beschäftigungen zählen würde.

Ihre Stimme ist nun nicht mehr so kräftig. Der Rummel fordert seinen Tribut. Eine Frage darf noch gestellt werden, ehe es mit der Familie zum Mittagessen samt Geburtstagstorte geht. Was denn das Geheimnis ihres hohen Alters sei. Zehnder antwortet mit einem Sprichwort: «Sei stets bescheiden, verlange nicht zu viel, dann kommst du zwar langsam, aber immer zum Ziel.»

Die Ü-100 von Zürich

In der Stadt Zürich leben gegenwärtig 171 Personen, die 100 und mehr Jahre alt sind. Nach Olga Zehnder folgt als zweit­älteste Person Zürichs eine Dame, die im Kreis 2 wohnt und nur einen Monat jünger ist. Platz drei belegen zwei Frauen mit Jahrgang 1908. Der älteste Mann der Stadt ist «nur» 105 Jahre alt und stammt aus dem Kreis 8. Am meisten über 100-Jährige kann der Kreis 7 vorweisen (31), am wenigsten der Kreis 5 (2).

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