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Reportage

Unbekömmlich: Tomatenfrösche können bei Bedrohung ein giftiges Sekret ausscheiden, das bei Menschen Schwellungen verursachen kann. Bild: Zoo Zürich/Leyla Davis

Die quakende «Tomate»

Von: Alex Rübel

03. Dezember 2019

ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues oder Wissens­wertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Tomatenfrösche.

Madagaskar verfügt über eine einmalige Amphibienfauna. Knapp dreihundert Arten sind heute bekannt, und nahezu alle davon sind endemisch, kommen also sonst nirgends auf der Welt vor. Als ein Vertreter dieser Vielfalt lebt bei uns im Masoala-Regenwald und – etwas besser sichtbar – in einem Terrarium im Informationszentrum der Tomatenfrosch.

Die Familie der Tomatenfrösche zählt drei Arten: nördlicher, südlicher und westlicher Tomatenfrosch. Die deutschen Namen verweisen auf das Vorkommen der Tiere, die in der Region um Maroantsetra und die Antongil-Bucht (nördliche Art), in den etwas höher gelegenen Primärwäldern entlang der Ostflanke (südliche Art) und in Wäldern und Feuchtgebieten entlang der Westküste (westliche Art) Madagaskars zu Hause sind. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN listet aktuell alle drei Arten als nicht gefährdet, allerdings mit sinkenden Bestandeszahlen. Seit 2017 ist der internationale Handel für alle Tomatenfrösche nach Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens Cites geregelt. Davor hatte es für die südliche Art keine Handelseinschränkungen gegeben, und es waren sehr viele der attraktiven Tiere aus Madagaskar exportiert worden.

Nachtaktive Lauerjäger

Tomatenfrösche sind Bodenbewohner und recht heimliche Tiere. Aktiv sind sie hauptsächlich nachts, wo sie aus dem Hinterhalt Jagd auf Insekten, Schnecken, Würmer, andere Amphibien und Kleinsäuger machen. Tagsüber buddeln sie sich gerne in Schlamm oder Erde ein und sind deshalb nicht leicht zu entdecken. Während der regenarmen Jahreszeit machen die Tomatenfrösche einen Trockenzeitschlaf, vergraben im weichen Boden.

Mit dem Einsetzen der Regenzeit werden die etwa 120 bis 200 Gramm schweren Frösche wieder aktiv. In der Balz locken die kleineren Männchen die grösseren Weibchen mit lautstarkem Gequake an. Hat ein Weibchen Interesse, klammert sich das Männchen für die Paarung an sie. Danach legt das Weibchen im Wasser seine Eier ab – und zwar sehr, sehr viele. Bis zu 1500 Eier kann ein Gelege zählen. Aus dem Laich schlüpfen nach weniger als zwei Tagen die Kaulquappen, die sich in etwa vierzig bis sechzig Tagen zu Fröschchen weiterentwickeln. Die Verlustrate ist allerdings hoch, und aus Hunderten von Eiern resultieren am Ende nur einige wenige Frösche.

Tomatenfrösche können bei Bedrohung ein giftiges Sekret ausscheiden. Es ist bei weitem nicht so potent wie jenes der südamerikanischen Pfeilgiftfrösche, kann beim Menschen lokal aber doch zu Schwellungen führen.

Bedrohte Amphibien

Nach wie vor weiss man nur wenig über die Biologie der Tomatenfrösche. Sie zu halten und zu züchten, ist deshalb anspruchsvoll. So müssen wir im Terrarium etwa über Licht, Wärme und Beregnung Trocken- und Regenzeiten simulieren und erforschen weitere Methoden, um den Zuchterfolg zu verbessern, etwa mit einer Regenkammer, dem Abspielen von Männchengequake und mit Hormonen. Die Tiere in Menschenobhut züchten zu können, ist sehr wichtig – denn inzwischen hat der «Amphibienkiller» Chytridpilz leider auch die Insel Madagaskar erreicht.

Weitere Infos: www.zoo.ch

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