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Reportage

«Bären sind nicht gefährlich», sagt Experte Reno Sommerhalder. Der Zürcher lebt mit seiner Familie in Kanadas Wildnis. Bild: Sandra Lustenberger/Privat

Ein Bär hat sein Leben verändert

Von: Isabella Seemann

15. Oktober 2019

Bärenexperte: Wildtiere erforschen und schützen: Das ist die Lebensaufgabe von Reno Sommerhalder. Mit seiner Familie wohnt der Zürcher abgeschieden in Kanadas Wildnis. Auf seiner Vortragstournee erzählt er über seine Begegnungen.

Seine erste Begegnung mit einem Bären hätte auch zugleich seine letzte sein können. Es war im Sommer 1986, als Reno Sommerhalder in den kanadischen Rocky Mountains biwakierte. Nachts bimmelte plötzlich sein Kuhglöcklein an der Zeltdecke. Auf der Suche nach Futter schlitzte ein Schwarzbär mit einem Prankenhieb die Seitenwand auf. Sommerhalder zitterte am ganzen Körper, sie starrten sich gegenseitig an, dann trottete der Bär davon. Dieser «magischschreckliche» Moment habe sein Leben für immer verändert, erzählt Sommerhalder. Dass ihm der Bär nichts tun wollte, weckte seine Neugier. «Bären sind nicht gefährlich», ist der 54-Jährige heute überzeugt, «sie wehren sich manchmal lediglich, wenn sie nicht respektiert werden.»

Der Bär will Frieden

Der gelernte Koch, der seine Ausbildung in der Kantine der ETH Zürich absolviert hatte und in der 2. Liga mit dem FC Kloten ambitioniert Fussball spielte, hängte nach diesem schicksalhaften Erlebnis die Kochschürze an den Nagel und tauchte in die Natur ab. Kanadas Wälder sollten fortan sein Zuhause sein und der Bär seine grosse Leidenschaft werden. Man kann also sagen: Nicht er ist auf den Bären gekommen, sondern die Bären haben ihn gefunden. Mehr als 30 Jahre und 15 000 Bärenbegegnungen später ist Sommerhalder ein anerkannter Bärenforscher, obwohl er kein Unistudium absolvierte. Er betrieb Feldforschung, studierte das Verhalten der Tiere an Lachsflüssen in Alaska, zog als Ersatzmutter von Bärenwaisen durch die sibirische Taiga. Nicht zuletzt knüpfte der Auswanderer aus Zürich enge Bande mit den grossen Pelztieren in seiner Wahlheimat Kanada.

Zu einzelnen Bären habe er ein derart grosses Vertrauen aufgebaut, dass diese in seiner Anwesenheit völlig unbeeinflusst ihrem normalen Verhalten nachgehen würden. «Man realisiert sehr schnell, dass ähnlich wie wir Menschen auch der Bär am liebsten seinen Frieden hat und meist kein Interesse an uns.» Braun- und Schwarzbären erforschte er ebenso wie die Grizzlybären. Auch die in die Schweiz einwandernden italienischen Bären beschäftigen ihn, denn darin spiegle sich unser Verhältnis zur Natur. «Der Fokus meiner Arbeit sind Bären, weil sie Indikatoren für eine gesunde Welt sind, eine Welt im Gleichgewicht», erklärt er. «Es ist nicht der Bär selber, es ist das Ganzheitliche, von dem ich besessen bin.» Der Bär symbolisiert für Reno Sommerhalder in erster Linie ein intaktes Ökosystem. Und deshalb versteht er seinen weltweiten Einsatz für dieses Tier auch als Kampf für eine gesunde Umwelt. Überleben Bären, überleben viele weitere Tier- und Pflanzenarten.

Während der Wintermonate reist Reno Sommerhalder auf einer Vortragstournee durch die Schweiz. An multimedialen Referaten gibt er sein Wissen und seine Erfahrung weiter – «auf authentische, spannende und gleichzeitig realistische Weise». Sein Hauptanliegen ist es, die Leute den Respekt vor der Natur zu lehren und den Bären zu beschützen.

Weitere Informationen:
Multimediavorträge:18. Oktober, 15 und 19.30 Uhr im Kongresszentrum Winterthur mit Reno Sommerhalder und Peter Dettling: «Von Bären und Wölfen»
26. Oktober, 15 und 19.30 Uhr im Volkshaus Zürich mit Reno Sommerhalder: «Unter Bären», mit aktuellem Bildmaterial aus Alaska, Russland und Kanada.
Reservationen: reno@renosommerhalder.ch

www.renosommerhalder.ch

 

 

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