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Reportage

So soll das Flexity-Zürich aussehen. In Basel fährt das neue Modell bereits seit zwei Jahren. Bild: VBZ

Ein etwas raues Fahrvergnügen

Von: Clarissa Rohrbach

24. Mai 2016

Zürich bekommt ab 2018 neue Trams. Wir haben das Flexity für Sie in Basel getestet. Fazit: Neueste Technologie ist nicht gleich Geschmeidigkeit.

Man hört es schon kommen. Das Flexity surrt laut. Ich stehe an der Haltestelle Basel Bahnhof und finde, dass die Schnauze des Trams etwas unfreundlich wirkt, fast schon aggressiv. Die Türen gehen auf, die Testfahrt beginnt. Der Auffangraum ist so breit, dass zwei Personen problemlos gleichzeitig einsteigen können. Ein schneller Fahrgastwechsel ist so garantiert. Angesichts der steigenden Passagierzahlen in Zürich ist das ein wichtiger Punkt.

Beim ersten Schritt ins Tram fühlt sich der Boden hohl an, die Atmosphäre kalt. Grund dafür sind wohl die braunen Sitze, der graue Boden und die metallenen Griffe. Das Flexity fährt los, in der ersten Kurve quietscht und bebt es, die Gäste werden geschüttelt. Das liegt an den starren Achsen, an die das Fahrzeug aufgehängt ist, und ist eigentlich ganz normal. Das Zürcher Cobra ist weltweit eines der wenigen Trams, das die Kurven lautlos nimmt. Der 8er Richtung Neuweilerstrasse beschleunigt, die Sitze wippen leicht. Zuerst regt es mich auf, dass die Haltestangen nicht durchgehend sind. Ich hebe den Arm und greife ins Leere. Doch dann erspähe ich einen freien Platz, sitze ab und staune darüber, wie gemütlich sich die ergonomischen Holzschalensitze anfühlen. Sie sind auch leichter zu reinigen und hygienischer als Stoffsitze. Ich lasse den Blick durch die Wagen schweifen. Die Durchgänge sind breit, das Tram wirkt nicht nur gross, es bietet auch mehr Platz.

Ein Senior steigt ein. Die 35 Zentimeter tiefe Stufe meistert er mit links. Das ganze Tram ist niederflurig und somit behindertengerecht – eine zwingende Voraussetzung, wenn 2024 das Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft tritt. Während die Türen schliessen, piepst ein digitaler Warnton. Auch die Durchsagen klingen wie aus dem Äther. Allgemein ist das Flexity eine akustische Herausforderung. Es klickt und knarrt, vor und nach dem Anhalten machen die Türverschlüsse Lärm.

Endstation. Neue Leute steigen ins leere Tram. Ihre Schritte klingen wie die eines Hamsters in einer Plastikbox. Die billig wirkenden Verkleidungen täuschen: Das Flexity ist mit High-Tech ausgestattet – videoüberwacht und klimatisiert. An der Decke hängen Kameras, an jeder Türe sind Notsprechanlagen und rot blinkende Warnlampen montiert. Irgendwie erinnern mich diese Sicherheitsvorkehrungen an ein Spital. Etwas habe ich noch zu bemängeln: Die roten Anhalteknöpfe gibt es nur an den Türen und sind mit zwei Zentimeter Durchmesser wohl etwas zu klein. Nicht so schlimm, die Aussicht aus den riesigen Fenstern macht alles wieder wett. Während draussen Basel allmählich im Dunkel verschwindet, blendet mich drinnen das grelle Licht der Lampen.

Zurück in Zürich, sitze ich ins Cobra, es dünkt mich geschmeidiger, komfortabler. Mir fällt ein, wie Stadtrat Andres Türler letzte Woche, als die VBZ den Kauf von 70 Flexity-Trams ankündigte, dessen wirtschaftliche Vorteile lobte. Diesmal gibt es kein massgeschneidertes Produkt, sondern eins von der Stange. Vielleicht ist das gut so. Zürcher brauchen nicht immer das Nonplusultra.

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