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Reportage

Hasan (21, blaues Traineroberteil) erwischt Goalie Kevin (r.) auf dem falschen Fuss. Bild: SB

Ein kleines Feld für grosse Techniker

Von: Sacha Beuth

26. Mai 2015

Futsal ist eine Form von Fussball und wird in der Halle gespielt. Weil freie Grossturnhallen in Zürich rar sind, hat man beim Zürcher Klub Academia de Futsal Brasui 05 aus der Not eine Tugend gemacht und spielt Kleinfeld-Futsal.

Ein kurze Körpertäuschung, und Hasan hat den Ball zwischen den Beinen von Kevin durchgespielt. Eigentlich eine Demütigung, doch beide lachen. «Bei uns wird zwar auch mit vollem Einsatz gespielt, aber es geht nicht immer so verbissen zu wie im normalen Fussball», erklärt Erich Kreienbühl, Teamleiter des Klubs Academia de Futsal Brasui 05. Er steht in der Turnhalle des Schulhauses Herzogenmühle in Schwamendingen und beobachtet elf seiner Schützlinge beim Training. Man spielt 4 gegen 4 (siehe Box), die Turnschuhe quietschen, alle zwei Minuten fällt ein Tor. Spieler mit guter Ballbehandlung, die schnell reagieren, sind hier gegenüber Kraftbolzen klar im Vorteil. Nach einer Finte von George steht Christof frei und trifft. Kreienbühl nickt zufrieden.

1996 wurde Kreienbühl erstmals auf Futsal aufmerksam, als er beim TV-Zappen auf Eurosport hängen blieb, wo gerade die 2. Futsal-WM übertragen wurde. «Ich war sofort fasziniert von den technischen Raffinessen, von der Dynamik und auch von der Schnelligkeit dieses Sports.» In seinen Ferien in Brasilien, einem der Futsal-Verschnaufpause: Teamleiter Erich Kreienbühl und Kevin ­tauschen sich aus. Bild: SBGründerländer, besucht Kreienbühl mehrere Partien, bis er sich zwei Futsalbälle kaufte mit dem Ziel, in Zürich über die Wintermonate mit Freunden dem Sport nachzugehen. Aus dieser Vereinigung entstand 2005 die Academia de Futsal Brasui 05. Nur leider war für den Verein keine genügend grosse Halle für Grossfeld-­Futsal aufzutreiben. «In Zürich geniessen hierfür andere Sportarten wie Handball oder Basketball Vorrang», erklärt Kreienbühl. Also konzentrierte sich der Klub auf Kleinfeld-Futsal, wofür er in Schwamendingen auch eine Unterkunft finden konnte. Zweimal pro Woche wird hier abends trainiert. Im Sommer mit 8 bis 10 Teilnehmern, im Winter mit bis zu 24. Zwei Teams haben sich so herausge­bildet.

Captain Jürg (26) kam vor zwei Jahren zu Brasui 05 und spielte davor acht Jahre klassischen Fussball beim FC Mels (SG). Als er nach Zürich zog, lernte er über einen gemeinsamen Bekannten Erich Kreienbühl kennen, der ihn zu einem Probetraining einlud. «Die Geschwindigkeit, die Dynamik – das hat mir so gut gefallen, dass ich gleich geblieben bin». Ausserdem kämen ihm Trainingszeit und -ort entgegen. «Ich wohne keine 50 Meter vom Herzogenmühle-Schulhaus.» «Toll ist auch, dass man hier während des Trainings fast ausschliesslich ‹mätschlet›, während bei den normalen Fussballclubs zu viel ohne Ball trainiert wird», wirft Jürgs ehemaliger WG-Kumpel Christof ein, der ebenfalls fürs Fanionteam spielt. «Zudem geht es viel fairer zu und her, da unter anderem Grätschen nicht erlaubt ist.» Die Philosophie des Spiels gefällt jedem aus der kunterbunten Truppe (die Kicker kommen aus der Schweiz, aus Brasilien, Peru, Eritrea, Ghana und dem Iran). Und geht es nach Kreienbühl, darf das Team ruhig weiter wachsen. «Neue Mitglieder sind uns jederzeit – nach Anmeldung über Email – willkommen.»

Weitere Infos und Anmeldung: brasuifutsal@hotmail.com

 

 

Futsal – die wichtigsten Regeln

Futsal ist die vom Weltfussballverband (Fifa) anerkannte Variante des Hallenfussballs. Der Name leitet sich vom portugiesischen Ausdruck futebol de salão und dem spanischen fútbol sala («Hallenfussball») ab. Gespielt wird in einer Halle, welche 38 bis 42 m lang und 20 bis 25 m breit ist (Kleinfeld-Futsal: 24 × 18 m). Anders als im herkömmlichen Hallenfussball ist beim Futsal das Spielfeld nicht durch Banden, sondern durch Linien begrenzt. Als Tore dienen Handballtore (3 × 2 m). Der Einwurf wird durch den Einkick ersetzt. Ein Futsal-Ball hat weniger Druck (er darf z. B. bei einer Fallhöhe von 2 m nach dem ersten Aufprall nicht weniger als 50 cm und nicht mehr als 65 cm aufspringen). Pro Team stehen 4 Feldspieler und ein Torhüter (Kleinfeld-Futsal: 3 Feldspieler und ein Torhüter) auf dem Feld. Es wird fliegend und unbegrenzt gewechselt. Die Spielzeit beträgt 2 × 20 Minuten. Tacklings und Bodenspiel sind nicht erlaubt. Im Kleinfeld-Futsal darf zudem erst nach Überschreiten der Mittellinie aufs gegnerische Tor geschossen werden. 

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