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Reportage

Wie die Pythons und Boas gehört auch die Paraguay-Anakonda im Zoo Zürich zu den (ungiftigen) Würge- oder Riesenschlangen. Bild: Zoo Zürich/Enzo Franchini

Eine Riesenschlange mit «Beinen»

Von: Alex Rübel

13. September 2016

ZOO INTERN Zoodirektor Alex Rübel berichtet alle zwei Wochen über Neues oder Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Anakondas.

Anakondas gehören zu den grössten Schlangen der Welt, und in den Legenden und Mythen der Menschen figurieren sie seit jeher meist als riesige menschenverschlingende Ungeheuer. Dabei gibt es über die im Wasser lebende Schlange viel spannendere Dinge zu erzählen, die im Unterschied zum Grossteil der Räubergeschichten erst noch wahr sind. Wussten Sie etwa, dass Anakondas Beine haben?

13 Männchen kämpfen um
1 Weibchen

Die «Beine» der Anakonda sind von blossem Auge nur als zwei kleine Spitzchen auf beiden Seiten der Kloake zu sehen. Man nennt sie «Aftersporne». Sie bestehen aus einem Becken- und Oberschenkelknochen und sind natürlich nur sehr rudimentäre Hinterextremitäten. Bei den Männchen sind sie deutlich grösser als bei den Weibchen und spielen eine wichtige Rolle bei der Paarung. Diese wiederum ist ebenfalls ziemlich aussergewöhnlich, denn oft kommt es zu sogenannten «Paarungsknäueln», bei denen mehrere Männchen gleichzeitig ein einzelnes Weibchen umschlingen. Es wurden schon «Paarungsknäuel» mit bis zu 13 männlichen Anakondas auf einem einzigen Weibchen beobachtet.

Schlupf in Mutters Körper

Das Weibchen schliesslich bringt die Jungtiere lebend zur Welt. Sie legt ihre Eier also nicht in einem Nest ab, sondern trägt sie im Körper mit sich herum. Die Jungen schlüpfen nach einer Tragzeit von sechs bis acht Monaten kurz vor oder während des Geburtsvorgangs aus dem dünnschaligen Ei und dann aus dem Körper der Mutter.

Es gibt vier verschiedene Anakondaarten. Bei uns im Zoo Zürich lebt die Paraguay-Anakonda, auch Gelbe Anakonda genannt. Ihr natürlicher Lebensraum befindet sich in Feuchtgebieten, an langsam fliessenden ­Gewässern und in dichten Ufer­vegetationen in Paraguay, Argentinien, Bolivien und Brasilien. Die Paraguay-Anakonda wird etwa vier Meter lang und ist damit nur eine mittelgrosse Vertreterin der Riesen­schlangen. Die Grüne Anakonda etwa kann mehr als doppelt so lang werden. Allen Anakondaarten gemein ist die eng mit dem Wasser verbundene Lebensweise. Als Anpassung daran liegen etwa Augen und Nasenöffnungen hoch am Kopf. Ausserdem können die Schlangen bis zu 45 Minuten lang unter Wasser bleiben.

Schlangen im Zoo Zürich

Die Paraguay-Anakonda ist im Zoo Zürich im Exotarium zu finden. Dort leben auch noch andere Schlangenarten: die Afrikanische Eierschlange, der Königspython und der Netz­python, die Seitenwinder-Klapperschlange, die Sinaloa-Königsnatter und die Spitzkopfnatter. Im Infozentrum des Masoala-Regenwalds ist zudem die Madagaskar-Hundskopfboa zu sehen.

Weitere Infos unter: www.zoo.ch

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