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Reportage

Ist äusserlich nur schwer von einer Hauskatze zu unterscheiden, aber ein echtes Wildtier: Wildkatze. Bild: Pro Natura

Eine Rückkehr auf Samtpfoten

Von: Sacha Beuth/RED

14. Januar 2020

Die Stiftung Pro Natura hat die Wildkatze zum Tier des Jahres 2020 erkoren. Die geschmeidige Jägerin war einst beinahe ausgerottet worden. Nun breitet sie sich wieder in unseren Wäldern aus.

Eine echte Wildkatze bekommt man in der Schweiz kaum je zu Gesicht. Das gestreifte Raubtier führt ein einzelgängerisches, geradezu heimliches Leben und bewohnt nebst deckungsreichen Kulturlandschaften hauptsächlich Wälder. Dies erklärt auch den lateinischen Namen des Tieres Felis silvestris, der übersetzt «Waldkatze» bedeutet. Für Pro Natura ist sie die perfekte Botschafterin für derlei Landschaften und zudem ein Beispiel für wirkungsvollen Naturschutz, weshalb die Stiftung die Wildkatze zum Tier des Jahres 2020 erkoren hat.

Als Schädling verschrien

Ursprünglich besiedelte die Wildkatze ein riesiges Verbreitungsgebiet, das von Nordeuropa bis Südafrika und von Portugal bis Zentralasien und Westindien reichte. Doch vielerorts wurden sie durch intensive Bejagung und die Zerstörung ihres Lebensraumes stark zurückgedrängt und lokal sogar ausgerottet. Auch in der Schweiz verfolgte man die Wildkatze als vermeintlichen Schädling erbarmungslos. Philipp Schmidt stellt 1976 in seiner Geschichte der jagdbaren Tiere der Schweiz fest: «Im schweizerischen Bundesgesetz über Jagd und Vogelschutz von 1963 ist die Wildkatze sogar geschützt, aber es ist wohl wie mit dem Güllenloch, das erst zugedeckt wird, wenn schon einer hineingefallen ist.» (Philipp Schmidt, Das Wild der Schweiz, Bern 1976, S. 341).

Glücklicherweise kam der Schutz für die Wildkatze gerade noch rechtzeitig. Heute beherbergt der Schweizer Jura grossflächig Wildkatzen. Es gibt Hinweise, dass sich die Art von dort wieder in die übrige Schweiz ausbreitet. Möglich ist aber auch, dass Wildkatzen aus Frankreich wieder in die Schweiz eingewandert sind beziehungsweise noch immer einwandern. In den 1960er und -70er Jahren erfolgten zudem mehrere Aussetzungen von Wildkatzen durch amtliche Stellen und Privatpersonen.

Wichtig für die Zunahme des Bestandes und die Rückkehr beziehungsweise Neubesiedlung ist die Schaffung geeigneter Lebensräume. Es muss nicht immer gleich ein grossflächiges Wildnisgebiet sein. In jedem Waldstück, an jedem Bachlauf oder Feldrand und an jeder Weide können Wildkatzen heimisch werden, wenn sie ihnen genügend Deckung und Beutetiere bieten.

Wildkatzen leben in Revieren. Diese markieren sie mit Urinspritzern, Kot, Kratzbäumen oder Duftmarkierungen. Die Reviergrössen schwanken je nach Landschaft und Nahrungsangebot. Sie liegen bei mehreren Quadratkilometern pro Tier. Die grösseren Reviere der Kater erstrecken sich über mehrere Weibchenreviere. Wildkatzen paaren sich zwischen Januar und März. Nach gut zwei Monaten wirft die Katze dann zwei bis fünf Junge, welche etwa drei Monate lang gesäugt werden. Ab einem Alter von rund fünf Wochen kosten sie erste Fleischbrocken. Kommt der Winter, geht das Familienleben zu Ende. Die ausgewachsenen Jungkatzen suchen ihre eigenen Reviere. Schon im folgenden Jahr können die weiblichen Tiere selber Junge gebären.

Wildkatze oder Stubentiger?

Nicht selten werden Wildkatzen mit ähnlich gefärbten Hauskatzen verwechselt. Nun stammen zwar unsere Hauskatzenrassen von einer Unterart der Wildkatze, der afrikanischen Falbkatze, ab. Trotzdem gibt es ein paar Merkmale, anhand derer man die Wild- und Hauskatzen auch äusserlich unterscheiden kann. So sind Wildkatzen in der Regel massiger, weisen ein dichtes, langhaariges Fell von grau-bräunlicher Färbung und einem dunklen Rückenstrich auf. Zudem ist die Nasenspitze einer Wildkatze immer rosa und ihr Schwanz buschig und mit einem stumpfen schwarzen Ende versehen.

 

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