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Reportage

Pünktlich zu Ostern laden Plakate die Zürcher ein, sich Gedanken über Jesus zu machen. Bilder: CLA, PD

Jesus: tot oder Retter?

Von: Clarissa Rohrbach und Andy Fischer

22. März 2016

Was denken Sie über Jesus? Passanten können jetzt ihre Meinung auf Plakate schreiben. Wer hinter der Osterkampagne steckt und was zwei bekannte Zürcher von Jesus halten.

Früher war Sex das Tabu. Heute ist es Jesus. Pünktlich zu Ostern lanciert das Aktionskomitee Christen Schweiz deswegen eine Plakatkampagne. Das Konzept: Unter dem Satz «Jesus ist . . .» können Passanten ihre Meinung schreiben, «ehrlich, aber fair». In Zürich hängen seit rund einer Woche 123 Plakate. Bei einem Streifzug fällt auf, wie wohlgesonnen Zürcher dem Messias gegenüber sind. «Mein Halt» und «mein Trost» steht da. Ausrufezeichen reihen sich hinter Wörtern wie «pure Liebe» oder «Wahrheit». Einige verzierten «den Retter» gar mit Herzchen. Neben eher traditionellen Auffassungen von Jesus als «Gottes Sohn» und «Weg zum Vater», gibt es auch einige, die ihn «super-mega-lässig» und «the best» finden. Eine Person hat den Satz «Ohne ihn wäre ich nicht mehr» unterschrieben.

In der Minderzahl sind die kritischen Stimmen. Für einen ist Jesus «tot», für einen anderen «a huge scam» – ein grosser Betrug. Häufiger findet man auf den Plakaten Botschaften, die sich über die religiöse Figur lustig machen. Er sei ein «Abtreibungsfan» oder ein «Hirte und ihr die dummen Schafe». Der Satz «Elvis lebt» stellt Jesus gleich mit einem unglaubwürdigen Mythos. Ein Poster wurde gar zerrissen.

Rachel Stoessel, Geschäftsführerin des Aktionskomitees Christen Schweiz, nimmt die Meinung von Skeptikern in Kauf. «Viele Äusserungen werden die Toleranzbereitschaft der Christen herausfordern.» Wer aber in der Gesellschaft stehe, stosse täglich auf die Ablehnung der christlichen Botschaft. «Wir lassen alle Meinungsäusserungen stehen.» Schliesslich sei auch Jesus zu seinen Lebzeiten Anfeindungen und Drohungen begegnet, so sei er erst zum Gesprächsthema geworden. Genau dies sei das Ziel der Kampagne: Interesse an seiner Person wecken. «Viele haben von Jesus gehört, aber wenige kennen ihn heute.» Für die 1500 Plakate in der ganzen Deutschschweiz hat der Verein 250 000 Franken bezahlt.

Religionsexperte Hugo Stamm ist überzeugt: Es handele sich bei «Jesus ist . . .» um eine missionierende PR-Aktion, die vorwiegend von freikirchlichen Kreisen getragen werde. «Die Idee dabei ist, den christlichen Glauben über ihr verehrtes Idol Jesus Christus zu verbreiten.» Man hoffe, die Passanten dazu zu inspirieren, Jesus in ihr Herz aufzunehmen und ihm nachzufolgen, wie dies die frommen Christen aus den Freikirchen tun. «Für mich ist es eine etwas hilflose Missionsaktion auf einem tiefen Niveau», sagt Stamm.

«Jesus ist mein Herr und mein Erlöser», Gilles Yapi, FCZ-Spieler und Christ.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

«Jesus ist eine mythologische Figur aus einer längst vergangenen Epoche», Andreas Kyriacou, Neuropsychologe und Atheist

Was denken Sie? Schreiben Sie uns auf: echo@tagblattzuerich.ch

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Leserkommentare

Jesus Monteiro - Gilles Yapi über den FCZ-Präsidenten: 'Il est notre Santo Cillo du Letzigrund.'

Vor 4 Jahren 2 Wochen  · 
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Martin Sautter - Jesus hat die Welt und mich verändert, voh ihm geht ein Geist des Friedens und der Liebe aus, all das, was ich jeden Tag aus Neue brauche und ihm danke sage...

Vor 4 Jahren 2 Wochen  · 
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Georg Radecke - Jesus ist "der Profet, der heilt" (so im Koran). Ja, hat Kranke geheilt! Und noch viel mehr! Er gibt ewiges Leben. Das macht mich glücklich! Und ER löst das Schuld-Problem.

Vor 4 Jahren 1 Woche  · 
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