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Reportage

Miroslaw Ritschard, stellvertretender Zollstellenleiter, zeigt im Ausstellungsraum die kreativsten Drogenverstecke der Schmuggler.

Kampf dem Drogenschmuggel

Von: Ginger Hebel

24. Oktober 2017

2618 Kilogramm Khat, Kokain und Thaipillen hat der Flughafenzoll in diesem Jahr bereits beschlagnahmt – viel mehr als im Vorjahr. Miroslaw Ritschard und sein Team haben die Drogenkuriere im Visier.

Das dritte Quartal 2017 war ein drogenreiches: 1403 Kilogramm Khat, über 15 Kilogramm Kokain und Heroin sowie 8100 Thaipillen und Methamphetamine konnte der Flughafenzoll in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Zürich sicherstellen. Die Drogen waren versteckt in Koffern mit doppelten Böden, in Shampooflaschen und geschluckten Fingerlingen. In der gleichen Vorjahresperiode waren es lediglich 107 Kilogramm. «Drogenaufgriffe schwanken», sagt der stellvertretende Zollstellenleiter Miroslaw Ritschard.

Khat-Handel blüht

In diesem Jahr wurden am Flughafen bereits 2618 Kilogramm Drogen beschlagnahmt – vor allem Khat, aber auch Kokain, Heroin, Thaipillen, Designerdrogen, halluzinogene Pilze. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum 482 Kilo. Auffallend ist die Zunahme an Kath, einer Kaudroge, die vor allem in ostafrikanischen Ländern angebaut und konsumiert wird und auch im Nahen Osten als Alltagsdroge gilt. «Früher hatten wir Khat gar nicht auf dem Radar», sagt Miroslaw Ritschard.

Der grösste Drogenaufgriff am Flughafen Zürich erfolgte im April 2015. Die Rekordmenge von 4442 Kilogramm Khat wurde damals bei einer Schwerpunktkontrolle im Postverkehr sichergestellt. Die 495 Drogenpakete aus Kenia und Tansania waren als Tee, Henna oder Gewürze deklariert und vorwiegend für den Transit nach Nordamerika bestimmt. Während die Droge in einigen Ländern legal ist, untersteht sie in der Schweiz dem Betäubungsmittelgesetz. Die Zollkontrolle verfolgt 150 Gesetze, wie etwa das Waffengesetz, den Artenschutz sowie das ­Betäubungsmittelgesetz. Schmuggelbekämpfung ist neben der Erhebung von Zöllen und anderen Abgaben ihr Hauptjob. «Wir leisten einen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung, indem wir gefährliche oder verbotene Waren aus dem Verkehr ziehen. Eine sinnvolle Arbeit, die mir grosse Freude bereitet», sagt Ritschard.

In diesem Jahr gingen bei Zoll- und Polizeikontrollen bereits 37 Drogenkuriere ins Netz, Frauen und Männer, 18- bis 56-jährig, Brasilianer, Engländer, Holländer, Deutsche, Schweizer. Miroslaw Ritschard hat eine gute Intuition und eine hohe Beobachtungsgabe, «ich war schon immer eine Gwundernase», sagt der 55-Jährige. 32 Jahre arbeitet er bereits am Zoll, 26 Jahre davon am Flughafen Zürich. Die Erfahrung kommt ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen zugute. «Mit den Jahren kennt man die Tricks der Schmuggler, weiss, worauf man achten muss, erkennt Auffälligkeiten.» Es gibt bestimmte Flugrouten aus Südostasien oder Südamerika, die stärker ins Visier genommen würden, wie auch Ankünfte aus Madrid, wo viele Reisende umsteigen. «Es ist nicht zentral, viel zu kontrollieren, sondern das Richtige zu kontrollieren», sagt Ritschard.

Sein Job ist vielfältig, aber nicht immer einfach. In seiner Karriere wurde er schon mehrmals bedroht und musste polizeiliche Unterstützung anfordern. Mit den neuen Designerdrogen kämen zudem viele unbekannte Substanzen auf den Markt. Wichtig sei daher, vorsichtig zu arbeiten. Mit Handschuhen, oft auch mit Mundschutz, weil einige dieser Stoffe hochgiftig seien.

Kokain im Darm

Viele Kuriere schmuggeln Drogen im eigenen Körper. Hochreines ­Kokain wird oft in Fingerlingen im Darm von sogenannten Body­packern transportiert, oft bis zu 80 Stück à 8 bis 10 Gramm aufs Mal. «Wenn nur schon einer platzt, wäre dies tödlich», sagt Ritschard. Zürich ist hinter London und Antwerpen Europas Kokain-Hochburg. Aktuell stehe jedoch auch der ­Zigarettenschmuggel hoch im Kurs, «damit lässt sich gut Geld verdienen, wenn man nicht erwischt wird», so Ritschard. Die Röntgenbilder der Gepäckscanner verraten Schmuggelware oder Verstecke wie doppelt eingelassene Kofferböden oder eingebaute Rohre.

Schmuggler hätten oft die kreativsten Ideen: Heroin in Kinderbüchern, Koks in Schuhsohlen oder verflüssigtes Rauschgift in der Whiskyflasche. Ritschards Liebling ist die kleine Walnuss, in der ein Kurier Haschisch versteckte. «Herzig, diese Nuss, was für ein Versteck», sagt er und lacht. Er mag dieses Erfolgsgefühl, wenn er mal wieder den richtigen Riecher hatte und einen Schmuggler entlarvte. 

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