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Reportage

Fotos: Nicolas Zonvi/Herzbaracke

Schwimmende Bühne zwischen Wasser und Himmel

Von: Ginger Hebel

30. Oktober 2018

Der Zürcher Regisseur Federico Emanuel Pfaffen erhält einen Anerkennungspreis für sein 40-jähriges Theaterschaffen in der Stadt Zürich. Mit dem schwimmenden Variété-Schiff Herzbaracke steuert er in die 21. Saison. Stets an seiner Seite: Co-Direktorin und Lebenspartnerin Nicole Gabathuler.

Festen Boden unter den Füssen gibts hier nicht, die Herzbaracke schaukelt sanft. Im Licht von antiken Kronleuchtern und mächtigen Kirchenlampen tänzelt Alena Blülle und schwenkt ihren Rock, ein Traum aus 450 Meter glänzendem Stoff. Jedes einzelne der opulenten Kostüme, welche die jungen Servicedamen im Salon Theater Herzbaracke tragen, hat Federico Emanuel Pfaffen persönlich entworfen. Der 70-Jährige ist Inhaber und Direktor der Herzbaracke auf dem Zürichsee. Er hatte schon immer ein Faible für schöne Stoffe, seine Mutter besass ein Geschäft für Haute Couture. Noch heute sieht er sie vor sich, wie sie voller Anmut rauschende Roben trug. «Heute ist vieles grau, das kann ich nicht verstehen. Grau ist nicht gesund, da nimmt die Seele Schaden», sagt Pfaffen.

Seit wenigen Tagen liegt das blaue Märchenschloss mit den verschnörkelten Türmchen wieder am Bellevue vor Anker. «Hier fliesst die Energie», sagt Pfaffen. Der Stadtzürcher, der seit Jahren in der Altstadt lebt, hat sich als Regisseur mit seinen extravaganten Theaterinszenierungen in Taxis, Telefonkabinen oder im stillgelegten Lettentunnel einen Namen gemacht. Er gehört zu jenen Menschen, die das Unmögliche möglich machen und alles dafür geben, um ihren Traum zu leben.

Dekorationen mit Herz

Wer die Herzbaracke besucht, entdeckt Überraschendes. Musikautomaten aus aller Welt, darunter ein 140-jähriges Polyphon, Pfaffens ganzer Stolz, daneben präsentieren sich alte Blechspielzeuge im Miniaturformat. «Der Geruch von Ölfarben auf Blech ist für mich absolut sinnlich», sagt Pfaffen. Jeder einzelne Dekorationsgegenstand hat das Direktorenpaar mit Bedacht ausgewählt, auch die klingende Kasse. Pfaffen und Gabathuler sind begeisterte Sammler. Während jeder Vorstellung zeichnet er eine Skizze in sein Logbuch, 5000 sind es bereits, «sie halten die Erinnerungen lebendig».

Vor 23 Jahren hatte Pfaffen nachts in einer Bar die Idee eines schwimmenden Theaters auf dem Zürichsee. Er erarbeitete Pläne und baute eine Konstruktion aus Arvenholz, «das ist nachweislich das gesündeste Holz, weil es den Blutdruck senkt». Von der Idee bis zur Skizze, vom Bau bis zur ersten Tournee, «es schien mir immer alles von guten Geistern beschützt», erzählt der 70-Jährige. Auch Bewilligungen für seine Vorhaben erhielt er stets ohne grosse Umstände, wofür er dankbar ist. Für sein künstlerisches Werk wurde ihm gar der grosse Kunstpreis der UBS verliehen, und ganz aktuell, eine kulturelle Auszeichnung der Stadt Zürich.

Von September bis April ankert die Herzbaracke an den Ufern von Thalwil, Stäfa, Zürich und Rapperswil, im Sommer im Hafen der Kibag in Nuolen. Dort renovieren sie das Theater mit Hilfe treuer Mitarbeiter. Seit elf Jahren führt Federico Pfaffen die Herzbaracke mit seiner Geschäfts- und Lebenspartnerin Nicole Gabathuler. Die beiden verbindet die Liebe zur Kultur, sie legen grössten Wert auf Sorgfalt und Qualität. Auf der Bühne treffen Chansonniers und Zauberer aufeinander, es gibt Konzerte, Tanz, Musikkabaretts und literarische Programme. Das Direktorenpaar stellt das Programm so zusammen, wie es ihnen selber gefällt, «unsere Gäste spüren, dass das hier echt und herzlich ist».

Unkonventionell ist nicht nur ihr Theater, sondern auch ihre Beziehung. Nicole ist 32 Jahre jünger als ihr Partner. «Es passt einfach zwischen uns. Wir diskutieren viel und haben ein grosses Verständnis füreinander.» Sie liebt seine Kreativität und seinen Tatendrang, er schätzt sie nicht nur als Mensch, sondern auch als bildende Künstlerin. «Ihre Werke berühren mich zutiefst.» Pfaffen erzählt gerne vom Moment, als er sie zum ersten Mal in einer Buchhandlung sah. «Sie lachte so schön», erinnert er sich. Auf die erste Begegnung folgte eine dreijährige Briefromanze, «wir übertrumpften uns gegenseitig mit schönen Formulierungen, aber wir blieben immer beim Sie», erzählen die beiden.

Alena Blülle verschwindet hinter dem samtenen Vorhang. An den Kostümen und Dekorationen hat sie genauso viel Freude wie das Direktorenpaar. Seit sieben Jahren bewirtet sie zusammen mit ihren Arbeitskolleginnen die Gäste in der Herzbaracke mit Köstlichkeiten aus der Bordkombüse. Dort kochen die beiden Köche jeden Abend ein 4-Gang-Menü. Die Herzbaracke ist Passion und Obsession. «Wir hoffen, dass in unserer virtuellen Welt die Leute es noch lange nicht verlernen, Vorstellungen live zu sehen und zu geniessen.»

Weitere Informationen: Salon-Theater Herzbaracke bis 10.3.2019 beim Bellevue Zürich Gäste sind mit und ohne Abendessen willkommen

www.herzbaracke.ch

Tickets zu gewinnen!

Das «Tagblatt» verlost 2 × 2 Eintritte mit Cüpli für die Vorstellung «New Tango Songbook» am Montag, 19. Nov., 20.30 Uhr, in der Herzbaracke am Bellevue. Senden Sie uns eine E-Mail mit Namen, Adresse, Telefon und Betreff Herzbaracke an: gewinn@tagblattzuerich.ch

 

 

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