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Reportage

Rieterpark. Bild: PD

Sommerquiz: Die Auflösung

Von: Sacha Beuth

19. August 2013

Unser Sommerspiel hat offensichtlich die Leserschaft wiederum in ihren Bann gezogen. Über 100 Personen haben teilgenommen. Wie versprochen, hier nun die Auflösung des Gesamtlösungswortes: Es lautet «Rieterpark. Sieger und Gewinner der Gutscheine von Sherpa Outdoor AG im Wert von 500 Franken ist Annemarie Bucher aus Zürich. Wir gratulieren.

Wir hatten uns ja solche Mühe gegeben, unsere Leserschaft hinters Licht zu führen. Aber offenbar vergebens. Sämtliche Einsendungen zu unserem sommerlichen Quiz wiesen das korrekte Gesamtlösungswort Rieterpark vor. Natürlich möchten nun die Ratefüchse unter unseren Leserinnen und Lesern auch gerne wissen, wie die Lösungen der einzelnen Folgen lauten. Bitte sehr, hier sind sie (inkl. Text):

Lösung Teil 1: Schuetzenhaus

«Ein lustiger Geselle ist er, der einen zur Begrüssung anlächelt. Ein Nager, unverkennbar. Aber ist es ein Eichhörnchen oder wegen des dicken Schwanzes doch eher ein Biber? Wie auch immer: Man wünscht sich, es wären alle Tiere so friedfertig und nicht so angriffslustig wie des Zürchers ­majestätischer Panthera leo, der gegen einen schwarzen Aar kämpft. Hält der eine ein Messer in den Pranken? Und der andere ein Schwert in den Klauen? Und warum greift keiner der beiden zur alten Muskete? Genug der gewalttätigen Szenerie. Es ist an der Zeit, sich an der ruhigen Atmosphäre zu laben, die allerdings einmal im Jahr empfindlich durch die Geräusche eines 90er-Modells und Stakkati meist elektronischer Herkunft gestört wird. Während vorne das schöne Blau in der Ferne glitzert und im Rücken weiter oben der Bündner Gastronom sein Zepter führt, entspannt sich der Besucher im Schatten grosser Bäume und umgeben von romantischen ­Laternen. Doch wir schweifen ab. Es geht ja nicht um die Umgebung, sondern um das Gebäude. Ein Gebäude, dessen Fenster sowohl an Gefängniszellen wie an Bienenwaben erinnern. Dessen solides Fundament Schweizer Werte zu vermitteln scheint, während der obere Bereich eher verspielt märchenhaft daherkommt. Nicht zu vergessen das grosszügig gestaltete Innere, das Matters Gästen und seinen Sternen aus dem Land, welches nach einem Italiener benannt wurde, periodisch ein Zuhause bietet. Auch ein Freistaat-Event hat hier – wenn auch in kleinerer Form – seinen Platz gefunden. Und wird es der Glückseligkeit zu viel, gibt es zum Glück das Unglückssymbol, das einen zurück ins Zentrum bringt.»

Lösung Teil 2: Fritschiwiese

«Für den Namen, den dieser Ort trägt, führt hier so manches ein ziemliches Schattendasein. Immerhin erinnert er an die ganz grosse Stadtpolitik, die Zürich erst zu dem machte, was es heute ist. Aber wer erinnert sich noch an diesen Namen und an diese Geschichte. Im Schatten befindet sich auch, ganz konkret, ein Zeitzeuge, dem dieser Ort eigentlich fremd ist. Früher stand er an einem Platz, wo immer Betrieb herrschte, wo er wirklich noch gebraucht wurde. Er spendete seinen Lebenssaft – und tut das heute noch. Aber hier befindet er sich ein wenig im Abseits, und fast würde man ihn ehrlich bedauern, gäbe es da nicht auch die schönen und fröhlichen Seiten, die der Ort zu bieten hat.
Denn gerade im Sommer ist er ein Reich des Spielens, der Fröhlichkeit, natürlich auch der Verliebtheit. Es gibt hier einen echten Farbtupfer. Er ist blau und könnte sich sogar bewegen, von einem Platz zum anderen. Er könnte die Poesie der Kleinen in die Stadt hinaustragen. Ein Schmetterling hat sich auf ihm niedergelassen. Auch eine kleine Palme ist zu sehen, wenn der Besucher genau hinschaut. Aber dann, jenseits der Felsen und Hügel, kommt der Beton, und der Träumer wacht auf. Er denkt: Die 70er haben diesem Ort wirklich nicht gutgetan. Die Nachkommen lässt das im wahrsten Sinn des Wortes kalt. Sie brauchen jetzt diese Kälte, die aus dem Grau entspringt, pausenlos, glitzernd. Sie schaffen sich manchmal ihre eigene Welt. An ein mächtiges Rohr, das aus der Erde ragt, hat jemand ein Herz gemalt, dessen Farbe im Licht strahlt. Es gibt also nicht nur Schatten hier. Und jenseits des kleinen Gitters liegt die Stadt, die diesem Namen so viel zu verdanken hat.»

Lösung Teil 3: Predigerkirche

«Die Bauherren aus der Vorstadt gingen vorsätzlich dahin, wo die Menschen am meisten sündigen, mitten in die Stadt. Hilfe wollten sie anbieten, zuerst, dann aber wurden sie immer mächtiger, versuchten die etablierte Konkurrenz zu verdrängen und schliesslich den Menschen umzuerziehen. Sie erhoben ihre Stimme und ihre Hand gegen Laster und sittlichen Verfall, verfolgten all jene, die sich ihnen entgegenstellten. Genützt hat es wenig. Das Gebäude steht noch immer mitten im Sündenpfuhl.
Auf der belebten Strasse dahin, die nach einem Fürstengeschlecht benannt ist, kommt man an Frauen vorbei, deren Brüste von durchsichtigem Stoff kaum verhüllt sind, und jungen Burschen in engen Jeans und T-Shirts mit Glitzersteinchen, faustgrossen Gürtelschnallen, trainierten Körpern. Die Namen der Lokale und Läden lassen der Fantasie wenig Raum. In einer anderen Strasse, die zum Gebäude führt, finden nachts regelmässig Saufgelage statt und nicht selten kommt es zu Raufhandel in den Wirtshäusern.
Noch immer überragt das Gebäude alle Häuser in der Nachbarschaft – es gehört zu den imposantesten Bauten jener Epoche, in der es erstellt wurde, die Bauherren wollten damit ihre Macht und ihre Blüte ausdrücken. Der Innenraum ist 22 Meter hoch. Allerdings: Seine ganze Pracht konnte er nur knappe 200 Jahre entfalten. Als die Bauherren von den Widersachern verjagt wurden, zog man fünf Zwischenböden ein. Das Gebäude diente als Kornspeicher und Trotte. Erst später wurde es wieder seinem ursprünglichen Zweck zurückgeführt. Die Zwischenböden allerdings blieben – bis heute. Die Zürcher Stimmberechtigten wollten vor 25 Jahren nichts davon wissen, den Raum in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuführen.»

Lösung Teil 4: Toniareal

«Der Mann, der an die Konsumenten mit kleinem Portemonnaie dachte, führt mit geschlungenem Asphalt über die Gleise. Gleich dahinter steht ein Wahrzeichen, worüber er sehr stolz gewesen wäre. Doch Zürich ragt heute mit dem grossen Blau hinter unserem Rücken viel stärker in den Himmel. Daneben steht eine Konstruktion, welche Michelangelo eine Schande für seine Epoche gehalten hätte. Da steht es nun vor uns, das gesuchte Gebäude, gestützt wie ein Rekonvaleszenter, der Krücken braucht nach einer Operation. Die Zeit des weissen Guts und der erweiterten Pupillen sind vorbei. Stattdessen soll hier Schönes entwickelt werden. Eine Armee von 5000 wird lernen, sich Bleistift und Kamera zunutze zu machen, während auch noch 100 Lösungen für Zürichs dringendstes Problem geschaffen werden. Die Profiteure werden nicht im Dunkeln tappen, befindet sich doch direkt neben ihnen das Zentrum des Netzes. Auf der Seite des Kokons, wo farbige Ungeheuer von der Erde emporsteigen, schützt Weisses und Rotes vor starken Klauen. Es darf ohnehin niemand hier hinein, obwohl viele ungeduldig auf das Werk warten. Doch wer hier trotzdem weilt, muss sein Haupt strikter bedecken als strenge Gläubige. Trotzdem sehen wir einen, der die Regeln nicht befolgt, sein Hinterteil halb sichtbar, als bereite er sich für das doppelte, französische Dir vor. Vorn hält ein wachsames Auge Eindringlinge fern. Neben ihm dreht sich die Spirale vom Föhrenhügel empor. Sonst brechen nur leichte, graue Wellen das Symmetrische. Wir staunen, ein paar Schaulustige stehen auch mit offenem Mund da. Wir machen uns davon, vorbei an dem Rennenden, der immer noch dafür sorgt, dass unsere Grossmütter die gewünschten flimmernden Bilder finden und sich damit vergnügen.»

Lösung Teil 5: Afrikahaus

«An sonniger Lage steht es, das gesuchte Gebäude. Allerdings müssen dessen Bewohner gelegentlich mit für Schweizer Ohren eher ungewöhnlichen Lärmquellen leben. Aber dafür kann man sich rühmen, einen der ungewöhnlichsten Bauten Zürichs sein Heim zu nennen. Es besitzt nämlich keine rechten Winkel (Na ja, zumindest vom Grundsatz her, wenn man genau sucht, findet man doch welche) und keine ebenen Böden. Die Idee für den 1965 eröffneten Bau stammt übrigens nicht von einem Architekten, sondern  von einem Mann, der sich um die Belange von Formica rufa bis Equus quagga gekümmert, zuvor in Bern und Basel gewirkt und in seinem Metier Weltruhm erlangt hatte. Er war so beliebt, dass seinetwegen sogar Studenten auf den Strassen demonstrierten, damit er im Amt blieb.
Aber wenden wir uns doch den Bewohnern des Gebäudes zu. Herr Specker und Frau Hippa, Eltern einer kinderreichen Familie, verbrachten hier viele Jahre, ehe sie 1993 nach Sofia wegzogen. Auch ein Paar aus Südafrika fand an dieser Stelle ein Zuhause, verliess aber nach einiger Zeit – wohl wegen gestiegenen Platzbedürfnisses – das Gebäude wieder. Zu den aktuellen Bewohnern zählen zwei Väter des Schuhs, mehrere kurzsichtige Damen und eine Vielzahl bunter Freaks, die den Erstgenannten mit ihren teilweise hektischen Bewegungen und über die Brüstungen hinweg geführten Streitereien auf die Nerven gehen. Einige sind sogar so dreist, dass sie sich unaufgefordert zum Frühstück oder Abendbrot einladen und dann ungeniert von fremden Tellern naschen. Aber was will man machen? Schliesslich ist man ja nicht der Eigentümer, und ausserdem braucht man nicht mal Miete zu bezahlen.»

 

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Leserkommentare

Elsbeth Kunz - Habe wieder viel Neues in und über Zürich kennengelernt, da ich die Orte zum Teil persönlich aufgesucht habe. Glücklicherweise gelang die Lösung auch ohne die Fritschiwiese. Das wird mein nächster Ausflug sein !

Vor 6 Jahren 7 Monaten  · 
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Heinz und Brigitte Vetterli - Seit 3 Jahren sorgt das Tagblatt Sommerquiz bei uns für heisse Köpfe und viel Spass. Auch wir sind an der Fritschiwiese gescheitert. Danke ans Tagblattteam für die tolle Sommerunterhaltung.

Vor 6 Jahren 7 Monaten  · 
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Alice Heckendorn - Ein amüsantes Quiz. Dieses Jahr habe ich zusammen mit einer Kollegin nach der Lösung gesucht. Es ging uns wie Elsbeth Kunz, die Lösung haben wir auch ohne Fritschiwiese gefunden. Hier ging die Redaktion etwas gar weit. Weshalb sollte die Fritschiwiese ein
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Vor 6 Jahren 7 Monaten  · 
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