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Reportage

McFrog statt McChicken: Der Antillen-Ochsenfrosch wird in seiner Heimat wegen seines wohlschmeckenden Fleisches stark bejagt. Bild: Zoo Zürich; Samuel Furrer

Wenn das Berghuhn ein Frosch ist

Von: Alex Rübel

04. Dezember 2018

Zoo INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues oder Wissens­wertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Antillen-Ochsenfrösche.

Sein englischer Name ist höchst irreführend: Das «Mountain Chicken» – Berghühnchen – ist nicht etwa ein Geflügel oder sonst ein Vogel, sondern ein Amphibium. Deutsch heisst das Tier Antillen-Ochsenfrosch. Er ist eine der grössten bisher bekannten Froscharten der Welt und kann über 700 Gramm schwer werden. Sein englischer Name rührt daher, dass sein Fleisch nach Huhn schmeckt. Der Frosch hat als Zutat in viele westindische Rezeptbüchern Eingang gefunden. Sein Fleisch und insbesondere seine Schenkel sollen sehr ergiebig und schmackhaft sein.

Übermässige Jagd

Der Appetit des Menschen nach «Mountain Chicken» hat allerdings verheerende Folgen: Der Antillen-Ochsenfrosch ist massiv bedroht, und einer der Hauptgründe für den Bestandesrückgang ist die Übernutzung durch den Menschen. Schätzungen zufolge landeten in den 1990er-Jahren allein auf der Insel Dominica rund 35 000 der Frösche pro Jahr im Kochtopf. Ursprünglich auf mehreren Antilleninseln beheimatet, lebt der Frosch heute nur noch auf Dominica und Montserrat. Die Welt-Naturschutzunion IUCN listet ihn als «critically endangered», als vom Aussterben bedroht. Nebst der Bejagung machen dem Tier auch Vulkanausbrüche, die Zerstörung des natürlichen Lebensraums durch den Menschen und invasive Arten zu schaffen.

Tödliche Pilzinfektion

Zu Letzteren gehört im weitesten Sinne auch der Chytridpilz, über den ich in dieser Rubrik schon früher berichtet habe. Der Ochsenfrosch reagiert äusserst sensibel auf den eingeschleppten Pilz und stirbt wenige Tage nach der Infektion. 2002 brach der Pilz auf Dominica aus, Anfang 2009 wurden auch auf Montserrat sterbende Ochsenfrösche beobachtet. Eine kurzfristig aufgebotene Feldexpedition rapportierte verheerende Zustände: Viele Gebiete mit ehemals dichten Ochsenfroschbeständen waren froschfrei, in anderen Gebieten fanden sich Hunderte sterbende oder bereits tote Tiere. Nur wenige, isoliert gelegene Vorkommen schienen noch gesund.

In einer Rettungsaktion wurden noch gesunde Antillen-Ochsenfrösche evakuiert und in Zooanlagen mit hoher biologischer Sicherheit gebracht. Im geschützten Umfeld sollen die Tiere zu einer Reservepopulation heranwachsen, aus der man in Zukunft wieder Frösche auswildern kann. Die Aktion ist Bestandteil eines übergeordneten Rettungsplans für den Antillen-Ochsenfrosch. Weitere wichtige Aspekte sind Jagdverbote, Lebensraumschutz, Forschung und Aufklärung.

Amphibien in Gefahr

Im Exotarium des Zoos Zürich erklärt die Naturschutzaufstellung «Amphibien in Gefahr» Ursachen und Hintergründe der weltweiten Amphibienkrise. Ein Drittel aller Amphibienarten ist heute bedroht, über 400 Arten stehen unmittelbar vor dem Aussterben. Der Zoo Zürich engagiert sich im Projekt «Amphibian Survival» für die Arterhaltung von Pfeilgiftfröschen in Kolumbien.

Weitere Infos: www.zoo.ch/naturschutz-amphibien

 

 

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