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Reportage

Das Verhalten der Zürcher wirft bei manchen Flüchtlingen Fragen auf. Bilder: Clarissa Rohrbach

«Wieso seid ihr hier so nett?»

Von: Clarissa Rohrbach

26. Juli 2016

Zürich ist ihre neue Heimat. Doch dort, wo sie herkommen, läuft vieles ganz anders ab. Was finden Flüchtlinge in der Stadt beeindruckend? Wir haben nachgefragt.

Nasser Al Halawin, Sudan

«Ich finde es lustig, wie Schweizer ihre Hunde verwöhnen, sie an der Leine halten und den Kot auflesen. Im Sudan leben die Tiere wild auf der Strasse, keiner kümmert sich um sie. Hier trinken auch alle ungehemmt Alkohol. Dort, wo ich herkomme, gäbe es dafür Peitschenhiebe.»

Biskute Fekadu, Eritrea

«In der Schweiz halten sich alle an das Gesetz. Die Gesellschaft ist gerecht. Und die Frauen haben die gleichen Chancen wie die Männer. Das ist toll. In Afrika werden wir immer unterdrückt und kleingemacht.»

 

 

 

 

Tnmit Goitom, Eritrea

«Ich habe meinen Sohn in Zürich geboren. Es erstaunte mich, wie nett die Ärzte zu mir waren. Sie respektierten mich, obwohl ich Ausländerin bin. Und mein Kinderwagen ist unglaublich praktisch. In Eritrea tragen wir die Babys in einem Tuch.»

 

 

 

 

Nasir Simail, Niger

«Obwohl es so sauber ist, liegen überall Zigarettenkippen am Boden. Die Leute rauchen öffentlich, sogar die Frauen. In Niger sind Frauen, die rauchen, schlecht angesehen.»

 

 

 

 

Choedon Arya, Tibet

«Wenn sich Pärchen auf der Strasse küssen, muss ich immer wegschauen. In Tibet würden  wir uns dafür schämen. Manche berühren sich ohne Hemmungen, das finde ich gegenüber den anderen respektlos.»

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Darios Girma, Äthiopien

«Einmal habe ich im Tram zwei Männer gesehen, die sich streichelten. Das hat mich schockiert. Ich hatte zwar von Homosexuellen gehört, aber konnte es kaum glauben. In Äthiopien ist das verboten; ein Paar, das ist immer ein Mann und eine Frau.»

 

 

 

 

Die Befragten sind Mitglieder des Flüchtlingstheaters Malaikas. Sozial- und Theaterpädagogin Nicole Stehli gründete die Gruppe 2014 mit Leuten vom Mittagstisch der Kirche St. Jakob, wo Flüchtlinge jeden Freitag Deutsch lernen. Die Teilnehmer aus über zehn verschiedenen Ländern proben wöchentlich und haben bereits vier Stücke aufgeführt, unter anderem «Überraschung Zürich». Die Vision des Theaters ist es, in der Schweiz auf Augenhöhe zu leben, unabhängig von Alter, Nationalität oder Glauben.
www.fluechtlingstheater-malaika.ch

 

 

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Leserkommentare

Bea Mei - Andere Länder, andere Sitten. Hauptsache man respektiert sich gegenseitig.

Vor 3 Jahren 8 Monaten  · 
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Rica Öxli - Darios Girma ist homophob. Darum kein Stimmrecht für ihn, Frau Jacqueline Fehr. Und auch seinem Kind nicht 2.

Vor 3 Jahren 7 Monaten  · 
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Oliver Jaggi - Wie wärs wenn sich diese Leute etwas Respektvoller unserer Bräuche und Sitten annehmen würden ! Mir kommt die Galle bei solchen Artikeln hoch! Die sollen froh darüber sein, hier aufgenommen zu werden. Falls sie es nicht verstehen oder akzeptieren können,
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Vor 3 Jahren 7 Monaten  · 
Noch nicht bewertet.