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Reportage

Wissen nicht, wo es langgeht: Joyce (l.) und Vibeke im Bahnhof Löwenstrasse. Bild: SB

«Wo bitte gehts zur Bahnhofstrasse?»

Von: Sacha Beuth

04. November 2014

VERKEHR - Täglich ärgern sich Zugpassagiere, die im Bahnhof Löwenstrasse ankommen, über die mangelhafte Beschilderung. Das «Tagblatt» ging der Sache auf den Grund.

Verwirrt stehen Joyce und Vibeke auf dem Perron von Gleis 34. Mit der S 14 sind sie eben im Bahnhof Löwenstrasse angekommen. Nun möchten die beiden Rentnerinnen zur Bahnhofstrasse, haben aber keine Ahnung, welchen Aufgang sie benützen sollen. Wegweiser mit Strassennamen fehlen nämlich in der Ankunftsebene. «Das ist extrem lästig, besonders, wenn man umsteigen muss und die Zeit dazu knapp ist. Ich nehme dann oft einen Zug früher, damit ich den Anschluss ja nicht verpasse», erzählt Joyce. «Ich habe früher in Zürich gewohnt, aber jetzt mit dem neuen Bahnhof Löwenstrasse und dem ausgebauten Shop-Ville hat man keine Ahnung mehr, wo man sich befindet», stösst Vibeke ins gleiche Horn.

Personen, die Mühe haben, sich im Bahnhof Löwenstrasse, aber auch im älteren Bahnhof Museumstrasse zu orientieren, sieht man täglich. Und es sind beileibe nicht nur ältere Semester. «Ich fahre vom HB mit dem 3er-Tram zur Arbeit», erzählt der 43-jährige Alexander. «Anfangs habe ich fast immer den falschen Aufgang genommen, kam beim Ausgang Sihlpost raus und musste mich dann sputen, um mein Tram zu erwischen und pünktlich zur Arbeit zu kommen. Nun habe ich mir angewöhnt, mir die Fahrtrichtung des Zugs zu merken, um dann den richtigen Aufgang zu benützen.» Ihm ist ­unverständlich, dass nicht schon in der Ankunfts-, sondern erst in der Zwischen­ebene Wegweiser mit Strassennamen angebracht wurden. Ähnlich sieht es Annina (22), die anfangs ebenfalls Mühe hatte, den passenden Aufgang zu finden. «Ein Schild mit der Aufschrift ‹Europaallee› hätte mir viel geholfen.»

SBB wollen «Schilderwald» vermeiden

Mit den Vorwürfen der Kunden konfrontiert, entgegnet SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi: «Grundsätzlich ist allen am meisten gedient, wenn ankommende Passagiere möglichst kurz auf den Perrons bleiben und den nächstgelegenen Aufgang nutzen, um sich dort zu orientieren.» Trotzdem würden die SBB alles daransetzen, die Beschilderung im neuen Bahnhof Löwenstrasse weiter zu optimieren. «Der Bahnhof besteht seit etwas über vier Monaten. Da gibt es noch Verbesserungspotenzial. Wir haben darum dort Tests mit Fahrgästen gemacht, die wir gegenwärtig auswerten. Schon jetzt ist klar, dass zusätzliche Tafeln angebracht werden müssen», sagt Pallecchi. Wo und welche, sei allerdings noch offen. Dass man wegen der vermeintlich mangelhaften Beschilderung Anschlusszüge verpassen würde, davon hätten die SBB keine Kenntnis. «Alle Zugverbindungen unter sieben Minuten Umsteigezeit sind im HB Zürich keine offiziellen Anschlussverbindungen. Und in sieben Minuten schafft man es normalerweise von Gleis zu Gleis, egal welchen Aufgang man benutzt.» Davon ­abgesehen möchte man keinen Schilderwald, der die Mehrheit der Nutzer eher verwirren als ihnen helfen würde. «Man kann die Beschilderung im dreistöckigen HB Zürich nicht mit denen in den Bahnhöfen ausländischer Grossstädte vergleichen. Dort verliert man weniger schnell die Übersicht, denn wegen der oft ausschliesslich oberirdischen Perrons braucht es auch weniger Schilder.» Letzteres ist für Alexander kein schlüssiges Argument. «Ich glaube kaum, dass zwei, drei Wegweiser mit Strassen­namen Ortsunkundige mehr verwirren als die gegenwärtige Situation.»

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Leserkommentare

Deyra Kim - Ich bin kürzlich früher hin, um die ganze Neuerung zu erkunden. Der grösste Teil ist gewöhnungssache und wird schnell verständlich sein. Dennoch wären ein/zwei Schilder angebracht, bei der man zumindest erkennen könnte, ob der Aufgang nun näher an der
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Vor 5 Jahren 9 Monaten  · 
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