mobile Navigation

Reportage

Wohnen im Wald und über der Nebeldecke

13. November 2018

Wie leben Menschen in Zürich? Das «Tagblatt» gewährt in loser Folge einen Blick hinter die Fassaden. Heute: Jacqueline Mannheimer in ihrem Haus Im Sonnenbühl auf dem Uetliberg.

Jacqueline Mannheimer lebt dort, wo andere ihre Freizeit verbringen, Top of Zurich, auf dem Uetliberg, und somit meist oberhalb der Nebeldecke.

Der Weg vom Zürcher HB ins Naturparadies dauert mit der SZU gerade einmal 27 Minuten. Ein steiler Pfad führt von der Endstation Uetliberg zu ihrer Liegenschaft Im Sonnenbühl in einer wildromantischen Waldlichtung. Jacqueline Mannheimer bewohnt den oberen Stock eines efeuumrankten Hauses mit Spitzdach. In der offenen Küche bereitet sie sich einen Smoothie mit Beeren aus dem eigenen Garten zu. Sie setzt sich an den Esstisch aus dunklem Holz und blickt hinaus in ein Meer voller bunt belaubter Bäume.

Mannheimer wuchs im Zürcher Kreis 6 auf. Ihre Eltern besassen ein Ferienhaus auf dem Uetliberg, hier verbrachte die Familie stets die Sommerferien. Im Pool lernte sie schwimmen, in den Hügeln von Ringlikon Ski fahren. Mit 31 Jahren zog sie hinauf auf den Uetliberg. Ihre beiden Kinder brachte sie in dieser kleinen Idylle zur Welt. «Das war eine wunderbare Erfahrung», resümiert sie. Aktuell lebt ihr Sohn wieder bei ihr im Haus und bewohnt das Kaminzimmer. Er pflegt den grossen Garten und die Wiesen und pflanzt Gemüse an. Auch ihre Tochter hat einen starken Bezug zur Natur und kommt gerne zu Besuch.

Morgens wird Jacqueline Mannheimer durch das Vogelgezwitscher wach, «nachts höre ich das Rascheln der Tiere im Wald, aber davor fürchte ich mich nicht, hier leben ja keine Löwen», sagt sie und lacht. Ihr Haus ist mehr als ein konventionelles Wohnhaus. Die Liegenschaft Im Sonnenbühl ist eine friedvolle Oase in der Natur. Die ehemalige Scheune im Garten hat sie zu einem frei stehenden rustikalen Gästehaus aus Lehm umgebaut. Geschäftsleute und Touristen aus aller Welt verbringen hier geruhsame Tage. «Der kulturelle Austausch ist bereichernd», sagt Jacqueline Mannheimer.

Das grosse Rundzelt im Garten stellt sie für Firmenevents, Geburtstage und Feiern aller Art zur Verfügung. Regelmässig veranstaltet sie Yoga-Kurse und Coachings für Körper- und Bewusstseinsschulungen. Sie hilft Menschen dabei, zu ihrer inneren Kraft zu finden, wenn sie im Leben in eine Sackgasse geraten sind. Auch organisiert sie Trauungen im Wald für Leute, die das Spezielle suchen. Sie teilt ihr eigenes Stück Natur mit Grossstadtseelen, die bei ihr eine kleine Auszeit bekommen.

Die Tage vergehen, ohne dass Jacqueline Mannheimer hinunter in die Stadt fährt. «Die City ist mir manchmal zu hektisch, auf dem Uetliberg kann ich durchatmen. Ich mag das viele Grün, die reine Luft.» Das Haus ist voller Antiquitäten. Ihr Vater, der zwei Konzentrationslager überlebte, handelte mit Kunst. Auch das Sofa hat sie von ihren Eltern übernommen und neu bezogen. «Ich bin niemand, der immer Neues kaufen muss, um glücklich zu sein. Ich mag Möbel, die Beständigkeit ausstrahlen und eine Geschichte erzählen.»

Sie hat verschiedene Wohnzonen geschaffen, drinnen wie draussen. Wenn es Nacht wird, blickt sie in den Himmel: «Er ist viel klarer als unten in der Stadt, man kann die Sterne sehen.»

zurück zu Reportage

Artikel bewerten

Gefällt mir 3 ·  
Noch nicht bewertet.

Leserkommentare

Keine Kommentare