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Reportage

Das Kloster Mar Saba klebt wie eine Bienenwabe hoch oben an einer Felswand. (Bilder: Samuel Schumacher)

Zu Fuss von Nazareth nach Bethlehem

Von: Samuel Schumacher, apalis.ch

25. August 2014

Bethlehem, der Geburtsort Jesu Christi, ist lärmig und überfüllt. Die Fassaden der Stadt sind mit Plakaten von Souvenirshops überkleistert, entlang den Strassen türmt sich der Abfall. Die Geburtskirche inmitten der Stadt ist für viele Israel-Reisende der einzige Stopp im palästinensischen Hoheitsgebiet. Das ist schade. Denn nur wer das Westjordanland zu Fuss erkundet, erlebt den Zauber der urtümlichen Landschaften und die uralte arabische Kultur.

Unsere Reise beginnt in Nazareth, von wo aus Josef und Maria vor rund 2000 Jahren aufgebrochen sein sollen, um sich in Bethlehem in die Steuerliste einzutragen. Auf ihren Pfaden wollen wir in acht Tagen nach Bethlehem wandern. Wir überqueren den Checkpoint südlich von Nazareth und werden von Nedal, unserem Guide auf dieser Tour des Luzerner Reiseveranstalters Imbach, erwartet. Nedal wohnt in einem palästinensischen Flüchtlingslager und kennt die Region und ihre Bewohner bestens. Immer wieder laden uns seine Bekannten entlang der Wanderpfade zum Tee ein. Ihren Alltag erleben wir hautnah mit.

Auf unserer Wanderung werden wir Zeuge der notgedrungenen Kreativität der Palästinenser. In Jenin besuchen wir das Freedom Theatre, wo Jugendliche in Theater- und Multimediakursen lernen, ihre Erlebnisse friedlich zu verarbeiten. In der Beduinen- Zeltstadt Auja treffen wir auf Familien, die trotz extremer Wasserknappheit erfolgreich Viehwirtschaft betreiben. Und in Duma erfahren wir, dass der fehlende Muezzin im örtlichen Minarett kurzerhand durch eine Radiostation ersetzt wurde, die fünfmal täglich wie ein Wecker durch rauschende Lautsprecher zum Gebet aufruft.

Farbige Märkte, freundliche Fremde

Zwischen den Dörfern wandern wir durch raue, wunderschöne Landschaften. Im Norden ist die Szenerie geprägt von Olivenhainen und Pinienwäldern. Durch die Auja-Schlucht gelangen wir hinunter ins Jordantal und schliesslich nach Jericho, einer der ältesten Städte der Erde. Weiter im Süden dann wandern wir über die riesigen Sanddünen der Wüste von Judäa. Entlang des Weges liegen uralte heilige Stätten wie das Kloster Mar Saba oder die Ruinen des Hischam-Palastes aus dem 8. Jahrhundert. Eindrücklich ist auch die Führung durch die Nabluser Altstadt, deren intensive Gerüche und farbigen Märkte uns müde Wanderer ins Schwärmen bringen.

Doch, so imposant die Landschaften und die Kulturschätze im Heiligen Land auch sind: Was uns bleibt, sind vor allem die warmen Begegnungen mit den Palästinensern selbst. Unsere christlichen und muslimischen Gastgeber, bei denen wir übernachtet haben; die freiwilligen Helferinnen im Frauenzentrum von Acraba; die tanzenden Pfadfinder im Flüchtlingslager Al Fara’a. Palästina – das wissen wir nach 130 Kilometern durch das Heilige Land – hat auch in diesen politisch schwierigen Zeiten enorm viel Wärme zu bieten.



Die Wüste von Judäa bietet nirgendwo Schatten,
doch ihre Weite ist wunderschön

 

Sicherheit
Israel gilt trotz des Gaza-Konfliktes als sicheres Reiseland für Touristen. Weder im Westjordanland oder bei den heiligen Stätten noch auf dem Land ausserhalb der Zentren besteht derzeit eine erhöhte Gefahr. Die israelische Armee ist Touristen gegenüber zuvorkommend und hilfsbereit. Die nächste Wanderreise von Nazareth nach Bethlehem von Imbach startet am 14. November.

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