mobile Navigation

Reportage

Zürich im Morgenlicht. Unsere Stadt bietet weltweit am zweitmeisten Lebensqualität. Bild: SB

Zürich ist einsame Spitze

Von: Sacha Beuth

15. April 2016

STÄDTEVERGLEICH Gefühlt ist unsere Stadt sowieso die Nummer eins der Schweiz. Das «Tagblatt» liefert nun Daten und Fakten, warum Basel, Bern, Genf, Lausanne, St. Gallen, Luzern und Lugano nicht mithalten können.

Für Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ist es natürlich klar: Zürich ist die schönste und beste Stadt der Schweiz. Aber hält dieses Gefühl auch harten Fakten stand? Das «Tagblatt» ging dieser Frage nach und hat sieben grössere Städte – Basel, Bern, Genf, Lausanne, St. Gallen, Luzern und Lugano – mit Zürich in diversen Bereichen verglichen. Streng wissenschaftlich wurden dabei Sieger, Zweiter und Dritter bestimmt und entsprechend Punkte (5, 3, 1) vergeben.

Nationale Bedeutung

Okay, Bern ist de facto Hauptstadt und Sitz der Landesregierung. In Lausanne befindet sich unser höchstes Gericht und Basel hat die Chemie-Giganten. Dafür hat Zürich die Banken und die Börse. Und Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Politik grösseren Einfluss auf die Geschicke unseres Landes hat als die Wirtschaft? Darum: 1. Zürich (5 P.), 2. Bern (3 P.), 3. Basel (1 P.).

Lebensqualität

Wie es unzählige Rankings beweisen, ist Zürich die Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Zuletzt konnte dies die Beratungsgesellschaft Mercer feststellen, die im Februar einen Bericht zu einer Umfrage unter Expats aus 230 Grossstädten der Welt veröffentlichte. Demnach ist Zürich hinter Wien die Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Genf steht auf Rang 8, Bern auf Rang 14, Die anderen Schweizer Städte landeten unter ferner liefen bzw. wurden nicht berücksichtigt. Ergebnis: 1. Zürich (5 P.), 2. Genf (3 P.), 3. Bern (1 P.).

Bevölkerungszahl

412 229 Personen wohnen aktuell auf dem Gebiet der Stadt Zürich. Sie ist damit klar die grösste Stadt der Schweiz. Dahinter folgen Genf mit rund 201000, Basel (ca. 175000) Bern (ca. 141000), Lausanne (ca. 134000) Luzern (ca. 81000), St. Gallen (ca. 79000) und am Schluss Lugano (ca. 64000). Ergebnis: 1. Zürich (5 Punkte), 2. Genf (3 P.), 3. Basel (1 P.).

Bildung

Die beiden Zürcher Hochschulen Universität und ETH erscheinen im Gegensatz zur nationalen Konkurrenz in den internationalen Rankings regelmässig auf Toppositionen. Kein Wunder: Die ETH stellt 21 und die Uni Zürich 12 Nobelpreisträger mit einer Verbindung zur jeweiligen Institution. Keine andere nationale Hochschule kann da mithalten. Davon abgesehen ist die Universität Zürich auch die grösste Hochschule mit 26000 Studenten pro Jahr. Auf den weiteren Plätzen folgen ETH Zürich (18600), Uni Bern (17500) und Uni Genf (16500). Ergebnis: 1. Zürich (5 P.), 2. Bern (3 P.), 3. Genf (1 P.).

Flughäfen

Der Flughafen Zürich ist nicht nur ein internationaler Hub, sondern weist mit 26 Millionen zu- und umsteigenden Passagieren auch den nationalen Höchstwert auf. Genf kommt immerhin auf 15,8 Millionen, Basel-Mulhouse auf 7,1 Millionen. Bern-Belp schafft nur gerade knapp 200000, Lugano-Agno etwa 146000, St. Gallen-Altenrhein 95000. Der Flughafen Lausanne-Blécherette (13000) ist eher ein Flugplatz und Luzern hat gar keinen Flughafen. Ergebnis: 1. Zürich (5 P.), 2. Genf (3 P.), 3. Basel (1 P.).

Gastronomie

Welches Gericht mit einer Schweizer Stadt im Namen hat internationale Bedeutung ausser dem Zürcher Geschnetzelten? Richtig, keines. Dafür zeigen uns die Köche aus Basel den Meister. In den neusten Ausgaben von Michelin und Gault-Millau liegt jeweils ein Basler Gastrobetrieb (Das Cheval Blanc), an der Spitze. Und auch auf den folgenden Rängen wird die Kochkunst der Basler besser bewertet als die der Zürcher (die mit Genf etwa gleichauf liegen. Das ergibt folgende Mischrechnung: 1. Zürich und Basel (je 5 P.), 3. Genf (1 P.).

Clubs und Nightlife

Laut der aktuellen Liste des britischen Magzins «DJ Mag» gehört nicht einer der Zürcher Clubs zu den Top-100 der Welt. Und von allen Schweizer Etablissements ist einzig das «Mad» aus Lausanne vertreten. Nun sind wir zwar der Meinung, dass Zürich mit Hive, Extra, Kaufleuten, Exil und Mascotte die besseren Clubs und vor allem Clubs von überregionaler Bedeutung besitzt und selbst Basel Lausanne schlägt. Trotzdem zeigen wir uns als faire Verlierer. Darum: 1. Lausanne (5 P.), 2. Zürich (3 P.), 3. Basel (1 P.).

 

Zoos

Zoologische Gärten sind weltweit die am meisten besuchten Freizeiteinrichtungen und darum ein wichtiger Indikator für die Attraktivität einer Stadt. Basel besitzt mit dem Zolli zwar den ältesten und artenreichsten Tiergarten der Schweiz, die meisten Besucher und das grösste Tropenhaus (Masoalahalle) hat jedoch Zürich. Berns Dählhölzli ist ein besserer Heimtiergarten. Genf, Luzern, Lugano, St. Gallen und Lausanne besitzen keine Zoos oder nur Wildparks oder Vivarien mit Schlangen und Krokodilen. Ergebnis: 1. Zürich (5 P.), 2. Basel (3 P.), 3. Bern (1 P.).

Sport

Jetzt heisst es für uns Zürcher tapfer sein, denn nun folgt eine Kategorie, die uns wirklich wehtut. Im Sport stinken wir leider gegen Basel ab. Die haben gegenwärtig nicht nur Serienmeister FCB, sondern auch Roger Federer. Im Eishockey hat Neo-Champion SC Bern die ZSC Lions bis auf die Knochen blamiert. Und Lausanne darf sich mit Stan Wawrinka schmücken. Da nützt es wenig, dass wir mit GC im Fussball immer noch den Rekordmeister stellen (27 Titel) und Voléro im Frauen-Volleyball die Konkurrenz seit Jahren dominiert. Ergebnis: 1. Basel (5 P.), 2. Bern (3 P.), 3. Zürich (1 P.).

Oper, Theater und Film

Eine eigentliche Oper hat neben Zürich nur Lausanne. Doch während bei uns Topstars auftreten, ist es dort vorab die dritte Garde. In Sachen Theater erreicht keine der Konkurrenzbühnen die nationale oder teilweise sogar internationale Bedeutung des Schauspielhauses und des Bernhardtheaters. Von den hier bewerteten Städten hat Zürich zudem das renomierteste Filmfestival und stellt den Haupthandlungsort für drei der erfolgreichsten Schweizer Filme («Die Schweizermacher», «Mein Name ist Eugen», «Grounding»). Bern ist bei «Die Herbstzeitlosen» und «Mein Name ist Eugen» lediglich Nebenschauplatz, kann sich dafür aber als Drehort eines James-Bond-Streifens rühmen («Im Geheimdienst Ihrer Majestät»). Und Luzern stellt den Schweizer Schauplatz der «Tatort»-Reihe. Ergebnis: 1. Zürich (5 P.), 2. Bern (3 P.), 3. Luzern (1 P.).

Musiker und Schauspieler

Zugegeben, in Sachen Musik sind die Berner Sänger und Bands mit Züri West, Polo Hofer und Mani Matter vorneweg. Dahinter folgt Lausanne mit Sens Unik und Stress. Bligg, Adrian Stern und Toni Vescoli können da nicht mithalten. Dafür räumen wir bei den Schauspielern ab: Mario Adorf, Anatole Taubman und Bruno Ganz haben Hollywood-Erfahrung, Sandra Hess ist eine gefragte Darstellerin in US-Serien, Joel Basman ist in Deutschland und Walter Andreas Müller national eine Grosse Nummer. Da verblassen Basel mit Christian Kohlund, Bern mit Liselotte Pulver und Lausanne Carlos Leal. Ergebnis: 1. Zürich und Bern (je 5 P.), 3. Lausanne (1 P.).

Macht Summa sumarum 49 Punkte für Zürich. Bern folgt mit 19, dann Basel mit 17 Punkten. Unsere Stadt ist also erwiesenermassen einsame Spitze.

Was meinen Sie? Wo ist Zürich sonst noch die Nummer 1? Und für die zugereisten Nicht-Zürcher: Welche Vorzüge Ihrer Stadt gingen verloren oder wurden nicht korrekt gewürdigt. Schreiben Sie uns: echo@tagblattzuerich.ch.

zurück zu Reportage

Artikel bewerten

Gefällt mir 3 ·  
2.4 von 5

Leserkommentare

Rhynaldus Drybone - So ein sinnloser Städtevergleich (mine isch grösser als diine) macht weder Zürich noch das Tagblatt sympathisch.

Vor 3 Jahren 11 Monaten  · 
Noch nicht bewertet.

Chris Lacride - Und wo ist Winti, 106'552 Einwohner per 2014 ?

Vor 3 Jahren 11 Monaten  · 
Noch nicht bewertet.