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Reportage

Breite, lichtdurchflutete Allee: Die Hardstrasse im Jahr 1939, links geht die Pfingstweidstrasse ab. Bilder: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich, Google Street View

Zürich-West: Zwischen Maschinenbau und Bauernhof

Von: Jan Strobel

19. April 2016

Quartiere einst und jetzt: In loser Folge reisen wir in die Vergangenheit und stellen Impressionen von verschiedenen Zürcher Stadtvierteln im Wandel der Zeit vor. Diese Woche: Zürich-West.

Zu sehen ist eine breite Allee, ein ­Velofahrer kommt uns entgegen, ein Passant mit Schlapphut steht auf dem Trottoir, die Hände in den ­Hosentaschen, er scheint keine Eile zu haben. Ein paar Lastwagen, ein Auto und ein Arbeiter mit Fuhrwerk komplettieren die gemächliche Verkehrssituation auf diesem Boulevard. Das obige Foto zeigt die Hardstrasse im April 1939, dort, wo sie die Pfingstweidstrasse kreuzt. Heute ist von diesem licht- und luftdurchfluteten Strassenzug natürlich nichts mehr übrig, die Hardbrücke überzieht die Meile seit 1972 mit ihrer Düsternis, ihre Betonpfeiler ersetzten die Bäume. Das war damals für Zürich das Nonplusultra an Urbanität – und ist es zusammen mit dem Prime Tower bis heute geblieben. Wären also nicht der alte Schornstein von Escher-Wyss im Hintergrund dieses Fotos und das Gebäude am linken Bildrand, in dem sich heute das Restaurant Les Halles befindet, die Szenerie lieferte kaum noch einen Referenzpunkt zu dem Zürich-West, wie wir es kennen.

Noch extremer zeigt sich der Wandel dieses Industrieviertels, einst beherrscht von den riesigen Fabrikanlagen von Maag und Escher-Wyss, wenn man zum Beispiel historische Aufnahmen der Gegend um die Pfingstweid- und Hardturmstrasse betrachtet. Noch bis in die frühen 50er-Jahre hinein ging hier die Industrie fast unvermittelt in ein vorstädtisch-ländliches Idyll über. Zum Sinnbild des Wandels ist das berühmte «Nagelhaus» vor dem Renaissance-Hotel geworden. Es war einst Teil eines grösseren Gebäude-ensembles, das schon bei seiner Errichtung zwischen Gärten und Feldern merkwürdig isoliert wirkte. In einem der Eckhäuser, das bereits 1985 abgetragen wurde, befand sich das lauschige Restaurant Escherhof, das «stets eiskalte» Coca-Cola ausschenkte. Etwas weiter unten an der Turbinenstrasse, Richtung Gleisfeld,  stand bis 1956 sogar noch ein altes bäuerliches Wohnhaus mit Scheune und Stall, inmitten von Wiesen und Obstbäumen. In der Nachbarschaft betrieb auch der Lebensmittelverband Zürich (LVZ), später Coop, seine Lagerhäuser. Heute befinden sich an dieser Stelle die neuen Wohnblocks des Pfingstweidparks.

So präsentierte sich der Escher-Wyss-Platz um 1940.

Wo bis 1956 dieses Bauernhaus stand, erstreckt sich heute der Pfingstweidpark.

Vom einstigen Gebäudeensemble an der Turbinenstrasse ist nur noch das «Nagelhaus» übrig. Das Eckhaus oben wurde 1985 abgetragen. 

Hardturmstrasse 300: Das Foto oben zeigt dieselbe Stelle im Jahr 1897.

Das Restaurant Neues Stadion beim Hardturm wich Schulpavillons.


Haben Sie Erinnerungen an das alte Zürich-West, Anekdoten, Fotos? Schreiben Sie uns:
echo@tagblattzuerich.ch

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Leserkommentare

Ina Handke - faszinierend, wie sich eine Stadt wandelt!

Vor 4 Jahren 2 Monaten  · 
Noch nicht bewertet.

Adriano Granello - Interessant vor allem, wie eine wirtschaftlich boomende Stadt sich wandelt! In Bern zum Beispiel - nicht nur in der Altstadt - wurden auch schon solche 'Vorher - Nachher'-Bilder gezeigt, und verblüffenderweise war kaum ein Unterschied auszumachen. Grund: es
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Vor 4 Jahren 1 Monat  · 
Noch nicht bewertet.