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Stadtratskolumne

Richard Wolff

Paris ist Zürich

Am letzten Samstag war ich bei meinem kurdisch-syrischen Coiffeur im Quartier. Im Salon lief eine rege Diskussion über die Ereignisse in Paris. Das Entsetzen über die Bluttat war bei allen Anwesenden unabhängig von Herkunft oder Weltanschauung gleichermassen gross, und die Morde wurden uneingeschränkt verurteilt.

Die schrecklichen Ereignisse in Paris und die Solidaritätskundgebungen gegen den Terror konfrontieren uns alle mit der Frage, mit welchen Mitteln wir für unsere Grundrechte einstehen sollen. Ich bin der Meinung, dass wir uns von pauschalen Verurteilungen distanzieren müssen. Es ist gefährlich, wenn die gesellschaftliche Entsolidarisierung – unter dem Vorwand der Sicherheit – entlang religiöser oder ethnischer Grenzlinien weiter vorangetrieben wird. Auch darf es nicht sein, dass die Angst regiert und als Folge davon die Freiheit und die Grundrechte infrage gestellt werden – dies auch im Wissen, dass es keine absolute Sicherheit geben kann.

Gleichzeitig wollen wir hinter unsere zivilisatorischen Errungenschaften nicht zurückfallen: Das bedeutet, Freiheitsrechte wie die Meinungs- und Medienfreiheit oder die Glaubens- und Gewissensfreiheit zu verteidigen. Dass auch polizeiliche Massnahmen hierfür notwendig sind, steht ausser Frage. Die weltweite Solidarität toleranter, vernünftiger und friedliebender Menschen, die sich lokal und global für Freiheit, Gerechtigkeit und menschenwürdige Lebensbedingungen einsetzen, ist aber ebenso eine Möglichkeit, dem Terror die Stirn zu bieten.

Diese Kräfte müssen wir stärken gegen die Angst und jedwede Barbarei, egal aus welcher weltanschaulichen Richtung sie kommt. Unsere Grundrechte sind keine Selbstverständlichkeit, sondern wurden hart erkämpft. Es gilt, dafür einzustehen und zwar jeden Tag.

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