mobile Navigation

Warum?

Katharina Hoby im Talar. Bild: PD

Was macht eigentlich...

Von: Isabella Seemann

27. Mai 2014

Katharina Hoby, Theologin

Man schrieb das Jahr 1998, als Katharina Hoby sich als Pfarrerin am Grossmünster bewarb. 36 Jahre jung war sie, lebensfroh und strahlend schön. Zudem intelligent, seelsorgerisch engagiert und Mutter von 5 Kindern. Zu viel des Guten? Die reformierte Kirche wollte sie nicht anstellen. Offiziell hiess es, sie erfülle die Bewerbungskriterien nicht. Manche glaubten, sie sei einfach zu attraktiv, um die frohe Botschaft von der Kanzel zu verkünden. Ihre Nichtwahl wurde zum Politikum und stürzte sie in eine Krise. Freundschaften zerbrachen – doch sie erlebte auch unzählige Sympathiebekundungen. Verbitterung sei aber keine geblieben. «Der Mensch denkt, Gott lenkt», sagt Katharina Hoby heute versöhnlich. «Ich wurde davor bewahrt, eine Stelle anzunehmen, die mich in meiner Freiheit und Kreativität behindert hätte.» Seither ist sie als Pfarrerin für Menschen auf der Reise unterwegs. Im wörtlichen Sinne ist sie als reformierte Chilbi- und Zirkuspfarrerin für die reisende Gemeinde engagiert. Sie kommt dabei auch regelmässig in den Genuss von Jungfernfährtli: «Mit dem ‹Taufen› der Bahnen gebe ich den Schaustellern das Vertrauen, dass Gott seine schützende Hand über sie hält.» Im übertragenen Sinn betreut sie Menschen an den wichtigsten Stationen ihrer Lebensreise: Taufe, Hochzeit und Beerdigungen. Als ausgebildete Sterbebegleiterin begleitet sie Menschen vom Leben in den Tod.

Zusammen mit einem Team von Pfarrern gestaltet sie zudem regelmässig das «Abendmahl am Mittag», das im Juni sein 30-Jahr-Jubiläum hat. Sie wird es am 3. Juni zum letzten Mal um 12.30 Uhr in der Wasserkirche feiern. Danach findet die besondere Feier, zu der alle eingeladen sind, wieder jeden Dienstag in der Helferei Grossmünster statt. Zu einer zweiten Lebenskrise kam es, als sich ihr Mann, Jean-Pierre Hoby, Ex-Kulturchef der Stadt Zürich, nach 25 Jahren Ehe in eine andere Frau verliebte und eine Scheidung die Folge davon war. Katharina Hoby fand später wieder mit ihrer Studienliebe, dem Pfarrer Andrea Marco Bianca, zusammen und ist heute wieder glücklich.

Sind Sie bei Facebook? Werden Sie Fan vom Tagblatt der Stadt Zürich!  

zurück zu Warum?

Artikel bewerten

Gefällt mir 5 ·  
5.0 von 5

Leserkommentare

Keine Kommentare