mobile Navigation

Warum?

Bild: PD

Was macht eigentlich ...

Von: Isabella Seemann

23. Dezember 2013

Alfred Gilgen, Alt-Regierungsrat

«Ich habe mal gegen Sie demonstriert» – ein Satz, den der 83-jährige Alt-Regierungsrat öfters von gestandenen Männern und arrivierten Damen hört – zuweilen gefolgt von einem gedämpften: «Sie hatten schon recht damals.» 1971, gleich nach seiner ersten Wahl in den Regierungsrat, wo er die Bildungsdirektion übernahm, schloss der Major im Generalstab kurzerhand die Universität, die während einer studentischen Aktionswoche mit Hammer und Sichel, Marx und Lenin verhängt war. «Gilgen an den Galgen» skandierten Jugendliche, manche Studenten wollten ihn gleich «vertilgen». «Ich war der bestgehasste Mann des Kantons», erzählt er nicht ohne Schalk. «Manchmal musste ich die Zeitung vor meiner Frau und den zwei Töchtern verstecken, um sie nicht zu belasten mit dem, was über mich geschrieben wurde.» Doch fünfmal wurde der Landesringler und spätere Parteilose wiedergewählt und blieb insgesamt 24 Jahre im Amt. 1995 trat er freiwillig zurück und übernahm ein Mandat im Verwaltungsratsausschuss der Ems-Chemie und im Verwaltungsrat der NOK (heute Axpo).

Vor gut zehn Jahren zog sich der ausgebildete Arzt aus allen Ämtern zurück und ist heute nur noch Stiftungsrat bei Palliacura, einer Stiftung von Exit, die sich für das Selbst­bestimmungsrecht des Menschen am Lebensende einsetzt. Das Zeitgeschehen verfolgt er aufmerksam und stellt dabei fest: «Die heutige Jugend ist zahm und wenig politisiert.» Und eine Sache enttäuscht ihn: «Als Staatsbürger bin ich sehr skeptisch, dass in den letzten zwanzig, dreissig Jahren das Fach Schweizer Geschichte zusehends verkümmert ist.»

Noch immer organisiert er Ausflüge zu den Schlachtfeldern der Weltgeschichte für einen Verein von militärisch-historisch Interessierten, sowie auch Opernreisen zu bedeutenden Häusern und Festivals. Lediglich das Gehen bereitet ihm Mühe, ansonsten erfreut sich Gilgen guter Gesundheit, trinkt während des Gesprächs in seinem Affoltemer Haus doppelten Espresso sowie Cola Light und raucht Brissagos, mit denen er schon seinerzeit sein Büro im Walcheturm zu vernebeln pflegte.»


Über wen würden Sie gerne wieder einmal etwas lesen? Schreiben Sie an: redaktion@tagblattzuerich.ch

 

zurück zu Warum?

Artikel bewerten

Gefällt mir ·  
Noch nicht bewertet.

Leserkommentare

Keine Kommentare