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Interview

«Alternativen reichen bei weitem nicht»

Von: Sacha Beuth

02. September 2014

Vor der Eröffnung der Durchmesser­linie formierte sich in Wipkingen massiver Widerstand gegen das Projekt. Man befürchtete längere Arbeitswege, kompliziertes Umsteigen, mehr Lärm und Einbussen für das Gewerbe. Doch wie sieht es jetzt, rund drei Monate nach der Eröffnung, aus? Das «Tagblatt» befragte dazu Beni Weder, Quartiervereinspräsident von Wipkingen, und Judith Stofer, AL-Kantonsrätin und Vorstandsmitglied im Quartierverein.

Tagblatt der Stadt Zürich: Beni Weder, haben sich die Wipkinger mit der ­neuen Situation arrangiert?

Beni Weder: Im Gegenteil. Ich erhalte täglich Meldungen von Leuten, die ihrem Unmut darüber Luft machen – meist weil ihr Arbeitsweg massiv länger geworden ist. Mehrere Pendler haben mir gesagt, dass sie nun mit dem Roller oder Auto statt mit dem ÖV ins Büro fahren.

Der ZVV haben zwar drei S-Bahn-Direktverbindungen von Wipkingen zum HB gestrichen, dafür fährt jetzt die neue S  24 über Wipkingen. Zudem gibt es nach wie vor den 46er-Bus, der zum Hauptbahnhof fährt. Reicht dies nicht aus?

Judith Stofer: Bei weitem nicht. Wie wir befürchtet haben, sind die beiden Verbindungen keine echten Alternativen. Wer zum Flughafen will und in Oerlikon umsteigt, hat nur 2 Minuten Zeit. Das schaffen gute Sprinter, aber niemand mit viel Gepäck. Zudem kann man die S  24 nur bis Oerlikon benützen, obwohl sie zum Kehren leer nach Wallisellen weiterfährt. Und der 46er-Bus hat sogar zu verkehrsschwachen Zeiten oft Verspätung, sodass ­viele Pendler ihre Anschlusszüge verpassen.

Und welchen Einfluss hat die neue Verkehrsführung auf das Gewerbe?

Weder: Die direkt anliegenden Geschäfte wie die 2013 eröffnete Filiale der Bäckerei Kleiner und das privat betriebene Bahnhof-Reisebüro haben klar weniger Laufkundschaft und beklagen teils massive Umsatzeinbussen. Weiter entfernte Betriebe sind weniger betroffen.

Wie steht es mit dem Zuglärm? Hat er zugenommen?

Weder: Hier müssen wir zugeben, dass sich unsere Befürchtungen nicht bewahrheitet haben.

Was muss getan werden, damit sich die Situation verbessert?

Stofer: Zentraler Punkt ist sicher die Rückkehr zum Viertelstundentakt. Es kann nicht sein, dass etwa der Bahnhof Neue Forch mit täglich nur 69 ein- und aussteigenden Personen diesen hat, Wipkingen mit täglich rund 5500 ein- und aussteigenden Personen aber nur einen Halbstundentakt. Eine entsprechende Petition haben wir bereits an Stadtrat Türler übergeben, worauf uns versprochen wurde, dass sich der Stadtrat diesbezüglich im Januar wieder bei uns melden wird. Zudem werde ich im Kantonsrat anfordern, dass bis Ende November eine Bilanz vorliegt, inwieweit sich die Passagier­zahlen in Wipkingen seit Eröffnung der Durchmesserlinie verändert haben.

Weder: Uns ist wichtig, darzulegen, dass wir gerne bereit sind, mit dem Stadtrat und den ZVV zusammenzu­arbeiten, um eine für alle verträgliche Lösung zu finden. Dazu muss man uns aber auch ein gewisses Mitwirkungsrecht zusprechen.Europaallee.

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Leserkommentare

erika hugentobler - ja, allein mein mehraufwand an zeit (die umständlichkeit mit der umsteigerei nicht gerechnet!) beträgt pro woche ca. 4 stunden (verbindung in die ostschweiz, früher via flughafen mit s2 direkt möglich). da ich selbständig erwerbend bin, beträgt der verdienstausfall
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Vor 5 Jahren 2 Monaten  · 
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