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Interview

Der Vorstand des Kaufmännischen Verbandes Zürich hat Amalia Zurkirchen zur neuen Geschäftsführerin gewählt. Zuletzt war sie als Leiterin der Abteilung Bildung und Mitglied der Geschäftsleitung beim Kaufmännischen Verband Schweiz tätig. Bild: BEL

«Gleichstellung geht alle an – Frauen und Männer»

Von: Isabella Seemann

25. Juni 2019

Der Kaufmännische Verband Zürich ist mit 16 000 Mitgliedern die grösste Berufsorganisation für kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Angestellte und mit der Wirtschaftsschule KV Zürich Träger der grössten Berufsschule des Landes. Seit Juni führt Amalia Zurkirchen (50) als Geschäftsführerin die Geschicke des Verbandes.

Was war Ihr Traumberuf als Jugendliche?

Amalia Zurkirchen: Mein wichtigster Antreiber war der Wunsch, mit Menschen und für Menschen zu arbeiten. Beim Kaufmännischen Verband bin ich deshalb am richtigen Ort.

Junge Menschen sagen nie, sie wollten einmal kaufmännischer Angestellter werden. Vielmehr haftet der KV-Lehre der Ruf an, sie sei für Jugendliche, die nicht wissen, was sie wollen.

Das KV ist die beliebteste Lehre der Schweiz. Alljährlich starten bis zu 12 000 Jugendliche in diesen Beruf. Mit dieser Grundausbildung stehen ihnen alle Wege offen, in nahezu allen Branchen und auch in die Selbstständigkeit, sie können mit zahllosen Weiterbildungen darauf aufbauen und ihren Neigungen nachgehen. Diese Einschätzung ist weit verbreitet und absolut richtig. Das Bewusstsein für Weiterbildung ist bei den jungen Kaufleuten denn auch entsprechend hoch. Aktuell absolvieren 6000 Studierende einen der vielen Lehrgänge an der KV Business School Zürich AG.

Welche Ziele haben Sie sich als Geschäftsleiterin der Sektion Zürich gesetzt?

Mein Ziel ist, dass der Verband für alle Angestellten im Bereich des Kaufmännischen und Betriebswirtschaftlichen ein Partner während der ganzen Berufslaufbahn ist. Von der Jugend- bis zur Laufbahnberatung, von der arbeitsrechtlichen Beratung bis zur Weiterbildung.

Welches sind Ihre Führungsgrundsätze?

Meine Grundhaltung ist, dass ich Menschen gernhabe. Und meine Führungsgrundsätze sind darauf ausgerichtet, dass ich in Dialog trete mit den Menschen. Ich setze auf Vertrauen, Eigenverantwortung und Reflexion. Dabei nehme ich eine wohlwollende Haltung ein, signalisiere aber auch eine klare Führung, im Sinne einer Zielformulierung, damit jeder weiss, wohin man gemeinsam geht.

Wie schätzen Sie die Arbeitsmarktlage in Zürich für kaufmännische Angestellte ein?

Die Beschäftigungszahlen sind stabil. Derzeit herrscht der Eindruck vor, dass ältere Arbeitnehmende Schwierigkeiten haben, nach einem Stellenverlust eine neue Arbeit zu finden. Es ist aber nicht so, dass bei ihnen eine höhere Arbeitslosenrate vorliegt. Wir haben als Verband die Aufgabe, Vorurteile aufzudecken, Unternehmen in die Pflicht zu nehmen und ihnen aufzuzeigen, was erfahrene Arbeitnehmende alles leisten können. Das Thema «Diversity» soll sich nicht nur auf Geschlechter beziehen, sondern auch auf alle Altersstufen. Und wir wollen als Verband dazu beitragen, dass sich ältere Arbeitnehmende insbesondere bezüglich Technologisierung und Digitalisierung weiterbilden und aktiv Kompetenzen erwerben.

Trendforscher sagen kaufmännischen Berufen keine rosige Zukunft voraus und warnen, dass ein Grossteil der Tätigkeiten durch Automatisierung oder Outsourcing verschwindet.

Der Kaufmännische Verband Schweiz hat zu Offshoring und Digitalisierung und ihren Auswirkungen auf die kaufmännischen Berufe in der Schweiz eine Studie durchgeführt. Dabei ist herausgekommen, dass insbesondere repetitive Tätigkeiten ausgelagert werden. Gleichzeitig kommt aber die Wertschöpfung zurück in die Schweiz, und neue, anspruchsvollere Tätigkeiten entstehen. Diese Tätigkeiten, die in der Schweiz erhalten bleiben oder neu entstehen, werden sich von ausführenden zu koordinierenden, analytischen und strategischen Tätigkeiten entwickeln und fordern von den Angestellten neue Kompetenzen. Unsere Aufgabe als Verband ist auch hier, die Weiterbildung weiterzuentwickeln, die Berufsbilder anzupassen und das Beratungsangebot auszubauen, damit die kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Angestellten auch in Zukunft gefragte Arbeitskräfte sind.

Die Mehrheit Ihrer Mitglieder sind Frauen, aber nur wenige sind im Kader. Was beschäftigt die Kauffrauen?

Über den Frauenstreiktag hinaus stellt der Verband das Thema Gleichstellung während eines ganzen Jahres in den Fokus mit der Kampagne «Frauen am Zug». Wir suchen den Dialog mit den Mitgliedern und wollen hören, was sie beschäftigt und wie wir zusammen Ideen weiterentwickeln können. Gleichstellung und damit einhergehend Gleichwertigkeit sind Urthemen, unabhängig vom Geschlecht oder auch vom Alter. Gleichstellung geht alle an: Frauen, Männer, Arbeitgeber. Zu diesen Forderungen der Gleichstellung gehört die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – für Frauen wie Männer. Handlungsbedarf sehen wir beispielsweise bei der Elternzeit oder bei der Möglichkeit, in Führungspositionen Teilzeit zu arbeiten.

Wie positionieren Sie Ihren Verband?

Wir sind ein Angestelltenverband, der Dialogbereitschaft zeigt mit den Arbeitgebern und für gegenseitige Wertschätzung einsteht. Wir betrachten Arbeitgeber als Partner und nicht als Feinde. Wir stehen jedoch selbstbewusst für die Anliegen unserer Mitglieder ein und handeln für sie fortschrittliche, sozialverträgliche Anstellungsbedingungen aus, die in Gesamtarbeitsverträgen festgehalten sind.

Mit welchen Herausforderungen sind Sie konfrontiert bezüglich den zwei grossen Schulen des Kaufmännischen Verbandes Zürich, der Wirtschaftsschule KV Zürich und der KV Business School Zürich AG?

Die 4000 Lernenden an der Berufsschule und die 6000 Studierenden an der Weiterbildungsschule sollen den künftigen Anforderungen des Arbeitsmarkts gewachsen sein. Lebenslanges Lernen als Strategie zur Aufrechterhaltung der Arbeitsmarktfähigkeit gehört zu unserer Grundüberzeugung. Die Herausforderung besteht darin, Inhalt und Format so zur Verfügung zu stellen, dass es für Absolventen einen Mehrwert hat. Wir stehen ein für die Smart Economy, eine zukunftsorientierte, realitätsbezogene, intelligente Wirtschaft, die auf den Menschen baut.

 

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