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Warum?

Was macht eigentlich ...?

Von: Jan Strobel

25. März 2014

Prince, der Kult-Taxifahrer

Wer Ende der 90er von sich behaupten wollte, wirklich eine Ahnung vom Zürcher Stadtleben zu haben, der musste sich selbstredend von James «Prince» in seiner Cadillac-Limousine durch die Nacht chauffieren lassen. Er musste in diese Blumen-verklebte Kitsch-Orgie eintauchen, diesen Paradiesvogel über sich ergehen lassen, in dessen trashigem Licht sich gerne auch Promis sonnten, weil dieser lustige Mann aus Bangladesch einfach absolut hip war. In sein Taxi stiegen Stefan Raab und Dani Fohrler ebenso wie Peach Weber oder Hugo Bigi. So unglaublich bunt war diese Taxi-Welt, dass die dunklen Seiten von Shah Jamal Haider, wie Prince eigentlich heisst, überdeckt wurden. Dabei war die Liste seiner Straftaten beeindruckend lang, wie der «Blick» enthüllte. Vergewaltiger, Drogendealer, Dieb –eine Horrormeldung jagte plötzlich die andere. Zudem soll er in seinem Paradies-Taxi ohne Führerausweis durch Zürich gekurvt sein. Prince kassierte mehrere bedingte Zuchthausstrafen, die Fremdenpolizei verwarnte ihn wiederholt – bis 2005 der Kanton Zürich seine Aufenthaltsbewilligung nicht mehr erneuerte. 2007 wurde Prince ausgeschafft. Sein Flower-Taxi fand den Weg zu einem US-Car-Spezialisten in Winterthur, der die Limousine Cadillac Seville, Heckantrieb, Baujahr 1979, «grosse Licht- und Blumendekoration», verkaufte.

Drei Jahre lang blieb es still um Prince. Wo der Paradiesvogel ein neues Nest gefunden hatte, blieb Stoff für Spekulationen – bis 2010 auf «20 Minuten» ein Leserbild auftauchte. Ein Urlauber entdeckte Shah Jamal Haider in Barcelona, auf der Touristenmeile Ramblas. Dort war er auf einem Fahrrad unterwegs, kostümiert in der obligaten Blumenpracht. In der spanischen Metropole führte er auch Schweizer Touristen durchs wilde Nachtleben. Im Gästebuch auf seiner Website findet sich zum Beispiel ein Eintrag von September 2012: «Heey James, war cool dich kennen zu lernen in Barcelona. Grüsse von den Mädels aus Zug!» 

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